Vor zwanzig Jahren wurde Adel Abdel-Latif (44) zum schönsten Mann des Landes gekürt, mit dem Mister-Schweiz-Titel will der Basler Familienvater jedoch nicht mehr in Verbindung gebracht werden: «Ich habe unterdessen einen Doktortitel, drei Universitätsabschlüsse, einen Weltmeistertitel im Kickboxing und einen Buchbestseller vorzuweisen.» Diese Errungenschaften basierten alle auf Leistung, Ausdauer und extrem harter Arbeit und haben nichts mit einem gewissen Idealbild der Männlichkeit zu tun, das vor über 20 Jahren von einer Jury bestimmt worden sei, sagt Abdel-Latif, der nun professionell als «Ghost Negotiator» tätig ist.

Als einer von weltweit wenigen «Schattenverhandlern» unterstützt er internationale Klienten in schwierigen Verhandlungen. Gemäss eigenen Angaben sind seine Kunden vorwiegend Top-Manager und Spitzen-Politiker. Der Clou an seinen Diensten sei, dass die Gegenseite nicht erkennen könne, dass Abdel-Latifs Mandanten professionell von ihm unterstützt werden. «Ich komme meist dann ins Spiel, wenn sich die Verhandlungspartner meiner Mandanten nicht an getroffene Vereinbarungen halten, extremen Druck ausüben, Krisen oder Sackgassensituationen eingetroffen sind», erklärt Abdel-Latif, der mit seinen Kickboxing-Fähigkeiten auch locker als Bodyguard arbeiten könnte. «Dann begleite ich meine Mandanten durch sämtliche Verhandlungsstadien, beschaffe Informationen, erstelle Profile der Verhandlungspartner, entdecke Schwächen, entwickle zielgerichtete Strategien, stelle Verhandlungsteams anhand kriminalistischer Methoden auf.»

Dabei wende er sehr effiziente Taktiken an und trainiere die Auftraggeber darauf, ihre Verhandlungsinteressen konsequent gegen externe und interne Widerstände durchzusetzen. Adel Abdel-Latif: «Ich gebe zu, dass sich meine Methoden häufig jenseits der üblichen Wohlfühlzone befinden. Extreme Probleme bedürfen nun mal häufig extremer Vorgehensweisen.»

2000 Franken für zwei Tage
Neben den vielen privaten Buchungen, bietet der Ex-Mister-Schweiz zudem in zweitägigen Seminaren, die er unter anderem in New York oder London anbietet und einen Teilnehmer rund 2000 Franken kosten, geheime Manipulations-Techniken, psychologische Verhandlungstricks und vieles mehr an. Abdel-Latif: «Manipulation wird in unseren Breitengraden als etwas Negatives angesehen. Das sehe ich nicht so. Wir alle werden den ganzen Tag in irgendeiner Form, sei es durch die Medien, durch Werbung, durch Kleidung und Verhaltensweisen manipuliert.» In der Verhandlungsführung nutze er einfach viele Tricks und Kniffe, um Menschen «teilweise sehr subtil zum eigenen Vorteil zu beeinflussen und zu steuern, damit meine Mandanten das erhalten, was sie wirklich möchten».

Der Sohn eines Ägypters und einer Schweizerin, bei dem in einem Test schon als Kind eine Hochbegabung festgestellt worden war, hängte, nachdem die Mandatsanfragen immer stärker zunahmen, vor sechs Jahren seinen Arztkittel an den Nagel. Und das zahlte sich bisher aus: Mittlerweile lebt Adel Abdel-Latif mit seiner 38-jährigen Ehefrau und der 5-jährigen Tochter im Mittelland in einer Villa auf 420 Quadratmeter Wohnfläche mit grossem Aussenpool, einem Fitnessraum und einer Sauna – und bei seinen Kunden aus ganz Europa fährt er im eigenen Bentley vor.

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