TV-Show: Knebelverträge für «Bachelor»-Kandidatinnen

Bachelor-Bewerberinnen: Viele Kandidatinnen machen angeblich nur des Geldes wegen mit. Foto: AZ

Bachelor-Bewerberinnen: Viele Kandidatinnen machen angeblich nur des Geldes wegen mit. Foto: AZ

Für jedes Vergehen will der Schweizer Privatsender 3+ von den Kandidatinnen 7500 Franken.

Es geht um Romantik, um grosse Gefühle. 21 attraktive Frauen sollen um die Gunst von Bachelor Lorenzo Leutenegger (28) buhlen, den ältesten Sohn von FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Am 30.Oktober startet die neue Sendung auf dem Privatsender 3+.

Doch wer glaubt, die Singlefrauen hätten sich alle von sich aus bei 3+ beworben, um vor laufender Kamera den schönen Zürcher anzuhimmeln, der irrt. «Ich hätte mich niemals selber angemeldet – und Lorenzo ist gar nicht mein Typ», sagt eine Kandidatin dem «Sonntag». Sie habe es vor allem wegen des Geldes gemacht und um eine schöne Zeit im Süden zu verbringen. «Wie ich, wurden die meisten Frauen über eine Agentur angefragt, ob wir mitspielen.» Das Produktionsteam habe bei der Auswahl sehr auf Figur und Aussehen geachtet. Fast alle Kandidatinnen der neuen Show fände man ganz einfach auch als Models im Internet.

Bis zu 2000 Franken Gage haben die Hobby-Schauspielerinnen für die Drehtage an den Stränden in Thailand erhalten. Dafür mussten sie jedoch dem Produktionsteam gehorchen: «Viele Szenen in der Show sind gestellt und man hat uns teilweise vorgeschlagen, was wir sagen sollen», sagt die Kandidatin weiter. «Dem Zuschauer wird somit leider vieles nur vorgegaukelt.» Auch der Bachelor selber wurde für seine Rolle gut bezahlt und vom Privatsender gezielt ausgesucht: Lorenzo Leutenegger ist ehemaliger Teilnehmer der Mister-Schweiz-Wahl. Für welche Frau sich der Verkäufer entscheidet, will die Kandidatin nicht verraten, denn wer etwas zum Sendeinhalt ausplaudert, muss gemäss Vertrag 7500 Franken Konventionalstrafe zahlen.

Rollenverteilung, Lügen und falsche Versprechungen – auch in Deutschland erzählte eine «Bachelor»-Kandidatin vor einem Jahr im Interview mit der Zeitschrift «Bunte», wie es angeblich hinter den Kulissen der RTL-Show zuging: «Die Produktion hat Rollen unter uns verteilt», sagte die Kandidatin damals. Viele Teilnehmerinnen seien über eine Agentur gecastet worden. «Das waren alles Models mit perfekten Figuren.»

3+-Chef Dominik Kaiser wehrt sich: «Es gab kein Drehbuch. Was man in den Sendungen sehen wird, ist so passiert. Und fast alle Damen haben sich direkt bei uns gemeldet.» Er gibt zu, dass alle Frauen und der Bachelor eine Arbeitsentschädigung erhalten haben. Zu den Knebel-Verträgen sagt Kaiser: «Eine Geheimhalteklausel in einem Vertrag macht nur Sinn, wenn ein Verstoss dagegen auch Konsequenzen nach sich zieht. Wir möchten so verhindern, dass schon vorab ausgeplaudert wird, wer wie weit kommt und was in den Sendungen geschieht.»

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