Topmodel Bianca Gubser (22) und einige weitere Schweizer Prominente wurden vom TV-Sender 3+ angefragt, ob sie Anfang 2012 für mehrere Wochen in den ostaustralischen Dschungel reisen würden – für die Show «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!»

Das Format ist ein Quotenknüller: Zehn prominente Kandidaten quälen sich zwei Wochen lang im Urwald selber. Sie essen freiwillig Känguruhoden, Krokodilaugen oder Kakerlaken, baden im Sumpf mit Schlangen und kuscheln mit Vogelspinnen. Das TV-Publikum liebt die Folter – rund sieben Millionen Zuschauer schalteten jeweils täglich bei den letzten Staffeln in Deutschland und der Schweiz zu.

Wann und ob der Privatsender 3+ mit einem Schweizer Dschungel-Camp auf Sendung geht, will man noch nicht kommunizieren – bestätigt aber: «Es stimmt, wir aber die Fühler ausgestreckt und mögliche Kandidaten für ein solches Format angefragt», heisst es beim Sender. Es sei aber noch viel zu früh, um darüber reden zu können, und man habe in der Vergangenheit schon oft Castings für Formate gemacht, die dann doch nie zustande gekommen seien. Gründer und Geschäftsführer Dominik Kaiser wollte keine Stellung nehmen.

Der TV-Coup wäre Kaiser zuzutrauen, denn sein Erfolgsrezept «qualitativ hochwertige Schweizer Eigenproduktionen, Top-US-Serien und Blockbuster», ging bisher voll auf. Mit Formaten wie unter anderem eines über Schweizer, die auswandern, «Bauer, ledig, sucht ...» oder «Jung, wild & sexy» hatte er grossen Erfolg und überflügelte zu gewissen Sendezeiten sogar das Schweizer Fernsehen (SRF). Seine neuste Errungenschaft: Nachdem sich SRF dieses Jahr von der Übertragung der Mister-Schweiz-Wahl verabschiedet hat, übernimmt ab sofort der TV-Kaiser das Zepter.

Für «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!», bräuchte der 3+Chef jedoch sehr potente Sponsoren, denn dies ist eines der teuersten Show-Formate überhaupt. Allein die Gagen für die Prominenten bewegen sich im mittleren fünfstelligen Bereich. Hinzu kommen extrem hohe Aufwendungen für Logistik und Infrastruktur.

Zwar ist das gemietete Gelände vor Ort weitgehend erschlossen und viel weniger unwirtlich, als die Dschungelcamp-Macher glauben machen wollen. Trotzdem müssen Mitarbeiter und Technik nach Australien gebracht, Hotels für Team, Kandidaten und deren Begleitungen gebucht und teure Satellitenzeiten bezahlt werden. Genaue Zahlen geben weder RTL noch die Produktionsfirma Granada preis. Aber Profis, die sich im Fernsehgeschäft auskennen, gehen von Kosten zwischen umgerechnet drei und vier Millionen Franken pro Staffel aus – konservativ geschätzt.

Anfang Jahr sagte Dominik Kaiser dazu in einem Interview, er fände die Sendung sehr unterhaltsam, für den kleinen Schweizer Privatsender sei sie allerdings zu teuer. «Wir haben das Format schon geprüft, bisher aber keinen Weg gefunden, wie wir es in der gleichen Qualität, zu Kosten, die wir uns leisten können, produzieren könnten.» Ob der TV-Macher nun doch einen Weg gefunden hat, um das beliebte Format mit Schweizer VIPs zu realisieren, wird sich schon bald herausstellen. Auf Model Bianca Gubser müsste er jedoch verzichten, sie hat das Dschungel--Angebot bereits abgelehnt.

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