VON BENJAMIN BÖGLI

Vor genau einem Jahr begann das Ende der Karriere des damaligen Armeechefs Roland Nef. Am 13. Juli 2008 machte die «SonntagsZeitung» publik, dass gegen ihn ein Strafverfahren wegen Nötigung gelaufen war. Zwei Wochen später trat er zurück.

Seither hat sich Nef in der Öffentlichkeit nicht mehr gezeigt oder geäussert. Viele vermuteten sogar, Nef sei untergetaucht. Headhunter rieten ihm, sich ins Ausland abzusetzen und ein neues Leben zu beginnen. Sein damaliger Chef, der mittlerweile ebenfalls zurückgetretene Bundesrat Samuel Schmid, bezeichnete ihn als «nicht einfach vermittelbar».

Doch was macht Roland Nef, der am 1. Juli seinen 50. Geburtstag feierte, heute? «Sonntag»-Recherchen zeigen: Nef ist nicht ausgewandert, sondern wohnt nach wie vor in einer Gemeinde im Zürcher Unterland.

Doch offenbar möchte er nicht mehr Nef heissen: Bei einem Anruf auf seine private Telefonnummer meldet sich eine Männerstimme. Sie klingt unzweifelhaft wie die Stimme des Ex-Armeechefs mit Thurgauer Dialekt. Doch auf die Frage, ob Roland Nef am Apparat sei, kriegt man ein «Nein» als Antwort. Der Mann am Telefon nennt einen anderen Nachnamen – gemäss Recherchen den Namen seiner Frau. Hat Nef seinen Namen ändern lassen?

Dies wäre möglich, wenn so genannt «wichtige Gründe» vorliegen. Im Gesetz steht: «Grundsätzlich bezweckt die Namensänderung, ernstliche Nachteile, die mit dem bisherigen Namen verbunden sind, zu beseitigen.» Peter Breitschmid, Professor für Privatrecht an der Universität Zürich, sagt dazu: «Dass eine Namensänderung im Fall von Roland Nef vom Regierungsrat bewilligt würde, ist eher unwahrscheinlich.»

Weiter gibt der Professor zu bedenken: «Es fragt sich, ob es Sinn macht, sich einen neuen Namen zuzulegen, wenn man davon ausgehen kann, dass dieser in den Medien erscheint und damit noch mehr Aufmerksamkeit auf einen lenkt.»

Auszuschliessen ist, dass der verheiratete Nef nachträglich offiziell den Namen seiner Frau angenommen hat. Dies ist gesetzlich nicht möglich. «Sich ein Pseudonym zuzulegen ist aber immer möglich, rechtlich gilt jedoch der Name, der im Zivilstandsregister eingetragen ist», sagt Breitschmid.
Nefs Anwalt wollte sich nicht zu seinem Mandanten äussern.

Das Letzte, was er über den Ex-Armeechef sagte, war, dass es ihm schlecht gehe. Im April hiess die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft einen Rekurs von Nef gut, wonach die Medien die Akten zur Einstellung der Strafuntersuchung gegen ihn nicht einsehen dürfen. Den Fall ins Rollen gebracht hatte die Publikation von Polizeidokumenten, in denen Nefs Ex-Partnerin schwere Vorwürfe wegen Stalking erhob.