Die Ausmasse von Hans Ernis Aluminium-Relief «Poseidon», welches seit 1968 im städtischen Hallenbad in Luzern hing und nun schon seit bald zwei Jahren in grossen Holzkisten lagert, sind eindrücklich: 15 mal 8 Meter, 5 Tonnen, gefertigt aus 120 Aluminiumstücken.

Lange stritten sich die Verantwortlichen der Erni-Stiftung mit der Besitzerin des Bildes (der Stadt Luzern) darüber, was mit dem imposanten Werk passieren soll. Nun enthüllt Rosie Bitterli in der «Schweiz am Sonntag»: «Endlich gibt es eine Lösung. Der Stadtrat hat entschieden, das Wandbild zu verschenken», verrät die Kultur-Chefin der Stadt. «Einen ersten Entwurf des Schenkungsvertrages haben wir dem zukünftigen Besitzer bereits geschickt, jetzt hoffen wir, dass alles rasch und reibungslos über die Bühne geht. Wir freuen uns sehr über diese Lösung.»

Die einzige Auflage der grosszügigen Schenkung sei, dass das Kunstwerk für immer der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Gemäss den vielen Gerüchten der letzten Monate sollte das Bild an Galerien in Zürich oder Basel verkauft werden – sogar Scheichs aus den Emiraten seien daran interessiert gewesen. Bitterli versichert: «Es bleibt in Luzern! Noch kann ich den Namen des neuen Besitzers nicht verraten, doch die riesige Fassade, an welcher das Gemälde künftig hängen wird, ist bereits im Bau.» Mit dieser klaren Zusage geht für den weltbekannten Hans Erni (105) ein letzter grosser Wunsch in Erfüllung. «Dass dieses Werk in Kisten verpackt wird und in einem Keller verstaut, macht mich sehr traurig», sagte er bei der Demontage. «Ich hoffe und wünsche mir, es wird bald wieder aufgehängt.» Der wohl bekannteste noch lebende Künstler der Schweiz hat viele Werke geschaffen in den letzten Jahrzehnten. Doch der «Poseidon» liegt Erni besonders am Herzen.

Der renommierte Schweizer Auktionator Kuno Fischer findet das Geschenk der Stadt Luzern, welches einst mit Steuergeldern finanziert wurde, äusserst grosszügig: «Im Vergleich wurde das Erni-Gemälde «Day and Night» aus dem Jahr 1969, welches 3 mal 2 Meter gross ist, vor acht Jahren für umgerechnet rund 150 000 Franken verkauft», sagt der Inhaber des Kunstauktionshauses Fischer. Oft würden jedoch nicht nur von privaten Stiftungen, sondern auch von öffentlichen Sammlungen Werke über internationale Kunstauktionshäuser verkauft und damit einem grossen Interessentenkreis offeriert. Fischer: «Für Ernis ‹Poseidon› hätte man dabei sicherlich eine Schätzung von bis zu 200 000 Franken einsetzen können. Wobei dieser Preis je nach Interesse hätte weit übertroffen werden können.»

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