Karl Dall (72) geht nach eigenen Aussagen derzeit «durch die Hölle» und hofft, dass «der Albtraum» bald vorbei ist. Vier Tage sass er im November wegen Verdachts auf Vergewaltigung in Zürich in Untersuchungshaft. Die Journalistin A. S. (43, Name der Redaktion bekannt), die in letzter Zeit vor allem als Promi-Expertin für die «Glückspost» arbeitete, zeigte den Entertainer an. Nach einem E-Mail-Interview und einem einmaligen Treffen in Zürich, so der Vorwurf, soll die Vergewaltigung in einem Hotelzimmer stattgefunden haben.

Dall streitet alles ab und lästert in Interviews über die Schweizerin, stellt sie als Lügnerin hin. Die Klägerin schiesst zurück: «Meine Mandantin widerspricht sämtlichen von Herrn Karl Dall in der Sache gegenüber der Presse bisher gemachten Darstellungen und Verlautbarungen», lässt A. S. über ihren Anwalt Andreas Wehrle ausrichten. «Sie hält an ihrer gegenüber der Staatsanwaltschaft Zürich gemachten Sachverhaltsdarstellung und den darin erhobenen Vorwürfen fest.» Wem soll man denn nun glauben?

Die Liste der Stars, welche von A. S. angeblich gestalkt oder belästigt wurden, ist lang: unter ihnen Udo Jürgens (79), Jürgen Drews (68), der «Verdammt, ich lieb’ Dich»-Sänger Matthias Reim (56) oder sogar auch US-Sänger David Hasselhoff (63). Und hört man sich in der Szene bei Managern von männlichen Vips, welche die Journalistin schon interviewte, um, so soll es sogar noch einige prominente Opfer mehr geben, darunter auch Schweizer wie der Schauspieler Beat Schlatter (52).

Jürgen Drews beispielsweise zeigte A. S. 2011 in Zürich wegen Stalkings an – ohne Folgen. Der Ballermann-Sänger diese Woche zur «Bild»-Zeitung: «Vor kurzem drückte sie mir ein Paket in die Hand. Darin war ein Messer, auf dem mein Name stand.» Udo Jürgens liess A. S. wegen SMS-Terrors und angeblichen Morddrohungen nach einem Konzert 2006 im Zürcher Hallenstadion verhaften. Auf Anfrage kommentiert A. S. dies nicht.

Bei der Polizei und Zürcher Staatsanwaltschaft ist die Solothurnerin längst einschlägig bekannt. Warum war es nach so einer Vorgeschichte denn überhaupt möglich, dass die angeblich wegen Spielsucht hoch verschuldete A. S. erwirken konnte, Karl Dall hinter Gitter zu bringen? «Die erhobenen Vorwürfe sind ernst zu nehmen und im Laufe des Verfahrens seriös zu klären», sagt Corinne Bouvard von der Oberstaatsanwaltschaft. «Damit Untersuchungshaft angeordnet werden kann, braucht es einen dringenden Tatverdacht und entweder Flucht- oder Kollusionsgefahr. Von einer Überreaktion kann deshalb nicht gesprochen werden.»

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