Die Fotos sollte nur der Freund von Lena Meyer-Landrut (25) sehen, doch nun kann sie sich jeder anschauen, der einen Internetzugang hat. Seit letzter Woche ist bekannt, dass die Hitsängerin mit Nackt-Selfies erpresst wird. Sie stammen offenbar vom Laptop ihres 30-jährigen Freundes, der ihm vor zwei Jahren aus seinem Auto gestohlen worden war. Im Zuge dieser Geschichte wurde zudem bekannt, dass schon länger Nacktfotos von Meyer-Landrut im Netz kursieren und ganz einfach über die Google-Suche mit nur wenigen Klicks aufgerufen werden können.

Einige amerikanische Websites haben sich darauf spezialisiert, im grossen Stil Nacktfotos von Stars zu fabrizieren. Dabei nehmen sie reale Bilder des Gesichtes und fälschen dann den Körper rein. Die Fotos sind täuschend echt, was in der heutigen Zeit einfach zu machen ist: Mit bestimmten Programmen oder Apps kann jeder Laie ein Nacktbild von einem Star basteln und in Umlauf bringen.

Auch verstörende angebliche Pornobilder von Schweizer Persönlichkeiten, ausschliesslich Frauen, wie unter anderem von Hit-Sängerin Stefanie Heinzmann (27), Model Xenia Tchoumitcheva (29), Entertainerin Michelle Hunziker (40) und vielen mehr werden angeboten. Die Liste der Schweizer VIPs, welche missbraucht werden, ist lang: Auch SRF-Moderatorinnen wie Susanne Wille (42), Daniela Lager (52) oder Mona Vetsch (41) bleiben von den Attacken nicht verschont.



Bei den Schmuddel-Seiten weist man darauf hin, dass die Bilder Parodien seien. Laut dem Basler Rechtsanwalt Apollo Dauag ist es gerade darum für die betroffenen Prominenten schwer, rechtlich gegen die Betreiber vorzugehen: «Problematisch scheint, dass die Urheber unter US-amerikanischem Recht stehen und den Schutz der sogenannten FairUse-Rechtsprechung beanspruchen. Es ist nicht abschätzbar, ob ein Schweizer Entscheid vollumfänglich anerkannt und vollstreckt werden kann.»

Die Prominenten können versuchen, bei Google die Löschung zu beantragen, sodass keine einschlägigen Suchbegriffe, welche auf solche Portale verweisen, vorgeschlagen würden. Die Schlagersängerinnen Francine Jordi (39) und Beatrice Egli (28) sind besonders betroffen, denn im Gegensatz zu anderen Opfern findet man gefälschte Nacktfotos von ihnen sogar leicht bei Google.

Immerhin ist es ihnen möglich, sich dagegen zu wehren: Bei Google haben die Nutzer eine einfache Möglichkeit, die Entfernung von Inhalten aus den Suchergebnissen zu beantragen. Die Anträge werden, basierend auf den Richtlinien, von Experten geprüft. Auf die Inhalte von einzelnen Websites hat der Suchmaschinengigant jedoch keinen Einfluss. Und um Kinder vor anstössigen Suchresultaten zu schützen, bietet Google die Möglichkeit einer Aktivierung des Safe Search Filter.

Die «Schweiz am Sonntag» hat alle im Artikel erwähnten Prominenten kontaktiert – zum Thema äussern, will sich keines der Opfer. Beim Schweizer Fernsehen stellt man sich aber hinter seine Stars: «Sollten tatsächlich solche gefälschten Bilder von SRF-Moderatorinnen im Umlauf sein, werden wir rechtliche Schritte prüfen», sagt SRF-Sprecherin Saskia Wegmann.

Wenig Chancen auf Erfolg
Der Medienwissenschafter und emeritierte Professor Heinz Bonfadelli (67) vom Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung an der Uni Zürich sieht wenig Chancen, die dreisten Fälscher zur Rechenschaft zu ziehen: «Es ist vermutlich fast ein Ding der Unmöglichkeit, sich als Betroffener zu wehren und solche Bilder verschwinden zu lassen, da sie ja meist von Internetnutzern weitergeleitet und geteilt werden.» Bonfadelli meint aber, man schaue sich gefälschte Fotos vermutlich nur kurz an, während unwahre Geschichten länger an einer Person hängen bleiben dürften.

Und er sagt weiter: «Die Offenheit und Nicht-Reguliertheit des Internets, oft positiv gegenüber den Medien verstanden, hat leider dazu geführt, dass sich die entsprechenden Anbieter um ihre Pflichten, die natürlich mit einem Aufwand verbunden sind, drücken.» Auch auf Ebene des Medienrechts sei in dieser Hinsicht bis jetzt leider kaum etwas unternommen worden. «Hinzu kommt, dass die globale Natur des Internets es relativ leicht für entsprechende Produzenten von Fälschungen macht, sich zu verstecken.»

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