Einige kassieren am Tag, was andere nicht im Monat verdienen. Die wahren Gagen der Schweizer Filmstars, bekannt aus Kino- und Fernsehproduktionen, kennen nur die wenigsten. Die «Schweiz am Sonntag» recherchierte bei Produzenten, Sendern, Agenten und Schauspielern und enthüllt, wer wie viel abkassiert. Die Tagesgagen sind variabel und sie richten sich unter anderem nach Erfahrung und Bekanntheitsgrad des Darstellers und dem Produktionsbudget.

Zudem gilt eine einfache Regel im Filmgeschäft: Wer die meiste Quote bringt, verdient auch das meiste Geld! Der Marktwert kann sich also schnell ändern, schon ein einziger schlechter Film kann Auswirkungen haben. Aufgrund einer Reihe von Kino-Flops kann beispielsweise Ex-Miss-Schweiz Melanie Winiger (34) einiges weniger pro Drehtag verlangen als noch nach ihrer Hauptrolle im Kassenschlager «Achtung, fertig, Charlie» vor zehn Jahren. Gemäss Experten ist Winiger momentan pro Arbeitstag am Filmset rund 1000 Franken wert. Bei bekannten Gesichtern mit Hollywood-Bonus wie Bruno Ganz (72, «Der Vorleser»), Maximilian Schell (82, «Deep Impact») oder der schönen Luzernerin Isabel Lucas (26, «Immortals») ist das anders, ihre Agenten können für sie 10 000 Franken und mehr pro Drehtag verlangen.

«Viele Schweizer sind sich gar nicht bewusst, dass Bruno Ganz zu den ganz Grossen im internationalen Filmgeschäft gehört», sagt Corinna Glaus, die einflussreichste Schweizer Casting-Direktorin, und bestätigt den hohen Tagesansatz von Ganz. Die meisten Schweizer Schauspieler seien bei Agenturen in Deutschland unter Vertrag, «da sind auch die Filmbudgets und somit die Gagen einiges höher». Glaus: «Stefan Kurt arbeitet seit Jahren erfolgreich in Deutschland und verdiente zum Teil in den besten Zeiten bis zu 7000 Euro am Tag.»

Gemäss der Branchen-Insiderin können aber beispielsweise auch TV-Stars wie Mike Müller (49), Viktor Giacobbo (61) oder Sabina Schneebeli (50) «dank ihrer Popularität und Medienpräsenz» in der Schweiz gut bis zu 3000 Franken pro Arbeitstag verlangen.

Anatole Taubman (42, «Quantum of Solace») und Carlos Leal (44, «Casino Royale») profitieren davon, dass sie schon bei einem James-Bond-Streifen mitwirken durften: Sie schaffen es in die oberste Liga der bestverdienenden Schweizer Schauspieler. Ebenfalls Hollywood-Luft schnuppern und in grossen US-Produktionen mitspielen durften schon Ex-Miss Lauriane Gilliéron (29, «Stand Up Guys»), Yangzom Brauen (31, «Aeon Flux») oder Daniel Bernhardt (48, «Matrix») – sie alle müssen auch nicht mehr unter 2000 Franken pro Tag arbeiten. Oder aber sie kassieren noch mehr, denn Hauptrollen mit mehr als 10 Drehtagen werden meist pauschal abgegolten. Eine Filmproduktion dauert rund 28 Drehtage.

Neu zu den Schweizer Top-Stars gehört die Tessinerin Carla Juri (28). Die Hauptdarstellerin des aktuellen Kinofilms «Feuchtgebiete» steht bei Regisseuren im In- und Ausland hoch im Kurs.

Schauspieler stehen im Rampenlicht, werden bewundert und oft auch beneidet, doch solche fette Honorare wie oben erwähnt kassieren nur wenige. Weil die Produktionsbudgets für Spielfilme und Serien seit Jahren immer kleiner werden, an Drehtagen gespart wird und auch Gagen erheblich gekürzt worden sind, reicht es für unzählige Schauspieler hinten und vorne nicht. Zwar können auch Nebendarsteller an einem Drehtag bis zu 1500 Franken verdienen. Das Problem: Die wenigsten Schauspieler bekommen in einem Jahr so viele Drehtage zusammen, dass sich ihr Beruf wirklich lohnt – viele müssen sich mit Nebentätigkeiten über Wasser halten.

Von Hollywood-Gagen sind aber selbst die beliebtesten Schweizer Kino- und TV-Stars weit entfernt: Im Gehalt-Ranking des US-Magazins «Forbes» steht Action-Held Tom Cruise mit umgerechnet 80 Millionen Franken pro Film unangefochten an der Spitze. Er scheint seine Gage Wert zu sein, denn sein letzter Film «Mission Impossible: Phantom Protokoll» spielte mehr als 700 Millionen Franken ein.

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