«Quäle deinen Körper, sonst quält er dich»: Dieser Spruch stammt von Ferdy Kübler höchstpersönlich. Immer wieder hat er ihn nach seinen legendären Rennen ins Mikrofon gesprochen. Mit seinem charakteristisch kampfbetonten Fahrstil zählte der heute 97-jährige zu den erfolgreichsten Radrennfahrern der Schweiz, doch jetzt leidet der Sympathieträger regelrechte Qualen, Kübler kann kaum mehr sein Bett verlassen: «Wir können nicht einmal mehr zusammen spazieren gehen, ihm fehlt die Kraft dazu», sagt seine Gattin Christina (69), die ihren Mann zu Hause in Birmensdorf ZH beinahe rund um die Uhr pflegt. Seine Frau muss Einladungen für Galas und Feste sowie Interview-Anfragen allesamt absagen. «Das macht ihm sehr zu schaffen und traurig, denn geistig ist er noch topfit! Aber Ferdy muss sehr viel liegen.»

Erfolge und Schicksalsschläge
Ferdy Kübler ist hart im Nehmen, keiner, der jammert: Er begann seine Laufbahn als Berufsrennfahrer 1940 und gewann 1942 mit der Tour de Suisse sein erstes bedeutendes Rennen. Küblers grösster Erfolg ist der Gesamtsieg bei der Tour de France 1950, als er bereits 31 Jahre alt war. 1951 wurde er Strassenweltmeister. 2008 kam aus, dass Ferdy Kübler sich mehr als 18-mal im Zürcher Triemlispital gegen Hautkrebs bestrahlen lassen musste. Er hatte Melanome am Rücken. «Am Anfang hatte man das leider etwas unterschätzt und zu spät behandelt», sagte Christina Kübler damals. «Ferdy war in seinem Leben gerne und sehr viel an der prallen Sonne. Früher hat man die Haut noch nicht mit Cremes geschützt.» Kübler hat ein Kämpferherz und lebt schon viel länger, als er selber je gedacht hätte: Er geniesse jeden Tag mit seiner «allerliebsten Christina», sagte er bei einem seiner letzten öffentlichen Auftritte vor fünf Jahren gegenüber der «Schweizer Illustrierten», denn «Ich bin halt nicht mehr 90. Ich mache es nicht mehr lange.»

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