Glückwunsch zu Ihrem ersten Live-Gig in Berlin. Waren Sie aufgeregt?
Baschi: Ja, klar, ich war brutal nervös. Schliesslich musste ich sozusagen in einer Fremdsprache singen (lacht). Die Resonanz war aber sehr positiv.

Sie fühlen sich in Deutschland also gut aufgehoben?
Fürs Erste schon. Ich habe selten so tolerante, offene und interessierte Menschen kennen gelernt. Und das deutsche Team von Universal Music glaubt an mich und meine Musik.

Der Album-Release wurde ein Jahr lang immer wieder verschoben. Wieso?
Mein Label wollte das Beste für mich herausholen und es kam immer wieder etwas dazwischen, wie der Sieg von Lena beim Eurovision Song Contest. Wir haben den besten Moment abgewartet. Nun haben wir eine Kooperation mit RTL 2 und ich hoffe, dass das Timing jetzt stimmt.

«Auf grosser Fahrt» ist in der Schweiz bereits im Herbst erschienen und erreichte Platz zwei der Hitparade. Hand aufs Herz: Wie schätzen Sie Ihre Chancen in Deutschland ein?
Keine Ahnung. Es gehört enorm viel Glück dazu. Ich bin gespannt darauf, wie weit wir kommen. Ich bin bereit, einiges zu tun, werde aber sicher nicht meine Seele verkaufen – man wird mich nicht im «Big Brother»-Container sehen.

Das Album wurde in Berlin aufgenommen. Haben Sie während der Studioaufnahmen hier gewohnt?
Ja, für vier Monate. Dadurch, dass wir in einer fremden Umgebung waren, konnte ich mich voll und ganz auf das Album konzentrieren. Das hat mir sehr geholfen, denn in der Schweiz werde ich immer wieder abgelenkt. Und Berlin ist zudem eine tolle Stadt, die enorm viel zu bieten hat.

Werden Sie nach Deutschland ziehen?
Das ist momentan schwierig einzuschätzen. Es wäre natürlich ein positives Zeichen, wenn ich nach Deutschland ziehen müsste. Denn das würde bedeuten, dass ich hier gefragt bin. Aber davon sind wir noch meilenweit entfernt.

Ihre Fans müssen sich also keine Sorgen machen, dass sie «ihren Baschi» an Deutschland verlieren?
Nein, gar nicht! Hier in Deutschland hat sich einfach eine weitere Tür geöffnet. Priorität hat aber immer die Schweiz. Ich will das, was ich mir dort erarbeitet habe, nicht wegen Deutschland aufs Spiel setzen. Der Erfolg in Deutschland ist so unsicher wie die Teilnahme der Schweiz bei der Fussball-EM. (lacht)

«Bild Online» hat Sie mit dem deutschen Pop-Sänger Sasha verglichen. Können Sie damit damit leben?
Er ist ein cooler, bodenständiger Typ. Mit seiner Musik kann ich aber weniger anfangen – bis auf seinen Rockabilly-Seitensprung. Ich denke, es ist schwierig, mich mit deutschen Künstlern zu vergleichen. So einen wie mich gibt es hier noch nicht. (lacht)

Werden Sie in Deutschland oft mit Vorurteilen konfrontiert?
Ich werde nicht auf Schoggi, Heidi und Berge reduziert. Die meisten nehmen mich als Musiker und Songwriter ernst.

Auf der Strasse werden Sie hier aber noch nicht angesprochen?
(lacht) Nein, so weit ist es noch nicht. Ausser am Flughafen, wenn ich von Schweizer Touristen erkannt werde.

Auch Seven will in Deutschland Fuss fassen. Was haben Sie ihm voraus?
Das ist so eine Sache zwischen mir und Seven. In der Schweiz kümmert sich jeder nur um sein eigenes «Gärtli». Das ist in Deutschland anders. Hier unterstützen sich die Musiker gegenseitig. Seven hat eine coole Stimme, aber ob das in Deutschland jemanden interessiert, kann ich nicht beurteilen.

Sie würden Dieter Bohlen gerne den Arsch versohlen.
Das habe ich in einem Song geschrieben – aber nur, weil es sich gereimt hat (lacht). Dieter Bohlen polarisiert, aber er zieht sein Ding durch, davor habe ich Respekt.

Sie haben Ihre Karriere vor sieben Jahren bei «Music Star» gestartet. Würden Sie diesen Weg wieder gehen?
Damals war das alles noch neu. Ich wusste nicht, was auf mich zukommt. Ich ging damals ohne Erwartungen zum Casting. Ich war 17, wollte eigentlich Fussballprofi werden und von einer kompetenten Jury bewertet werden, wobei sich meine Meinung bezüglich der Kompetenz inzwischen auch geändert hat. Heute kann mir niemand mehr erzählen, dass er nur aus Neugier bei «DSDS» mitmacht. Jeder weiss, worauf er sich einlässt.

Aber bei «Music Star» haben Sie Ihre Freundin kennen gelernt.
Und wir sind immer noch zusammen! Das ist echt Wahnsinn.

Sie sind viel unterwegs. Was sagt Katy dazu?
Sie versteht das. Das ist mein Job.

Haben Sie sich früher das Dasein eines Popstars so anstrengend vorgestellt?
Ich habe ja nie davon geträumt, Popstar zu werden. Ich nehme alles so, wie es kommt und versuche, mich den Menschen gegenüber so normal wie möglich zu verhalten. Deshalb kann man mir keine Starallüren vorwerfen. Dafür müsste ich erst drei Millionen Platten verkaufen. (lacht)

Wie sieht Ihr Alltag aus?
Ich bin nicht sieben Tage die Woche unterwegs. Es gibt auch Abende, an denen ich um sechs Uhr zu Hause bin, wie jeder andere auch. Das ist vielleicht auch das Erfolgsrezept unserer Beziehung: Wir stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden.

Also nichts mit «Sex, Drugs and Rock’n’Roll»?
Sex logisch, der ist immer noch wunderbar und Rock’n’Roll gibts auf der Bühne. Diesen Mythos habe ich nie so ausgelebt, wie es ein Chris von Rohr zu seinen besten Zeiten getan hat.

Ist Katy manchmal eifersüchtig?
Logisch bin ich für meine Fans da. Aber man muss ganz klare Grenzen ziehen. Ich glaube nicht, dass man sieben Jahre zusammen sein kann, wenn Eifersucht bei jedem Konzert oder Termin eine Rolle spielen würde. Wir unterstützen uns gegenseitig.

Wie sieht es mit einem gemeinsamen Song aus?
Das ist auch immer wieder ein Thema. Katy schreibt Hammer-Songs.

Ist Sie Ihre schärfste Kritikerin?
Ich habe sehr viele harte Kritiker (lacht). Das ist auch gut so, denn dadurch hebt man nicht ab. Katy ist eine faire und konstruktive Kritikerin. Es ist aber auch wichtig, dass das Business nicht unser Privatleben vereinnahmt.

Ihr kocht oft zusammen.
Das gemeinsame Kochen ist für uns eine Art Ritual. Wir laden auch gerne Freunde ein und ich bin gerne Gastgeber. Mein Traum ist ein eigenes Restaurant.

Das Restaurant wird aber in der Schweiz und nicht in Deutschland eröffnet?
Da bin ich ziemlich offen. Natürlich wäre es auch geil, in Spanien aus einer Strandbar ein gutes Restaurant zu machen mit einer kleinen, feinen Karte.

Und guter Musik.
Ja, genau, eine kleine Bühne und Musiker einladen.

Wie nutzen Sie die rare Zeit mit Katy?
Wir haben ein cooles Häuschen und viele gemeinsame Hobbys, wie Töfffahren, kochen, essen, Ferien.

Und Fussball?
Ich kann sie hin und wieder für ein Champions-League-Spiel begeistern. Aber dann muss es schon der FC Barcelona sein, bei dem auch etwas fürs Auge geboten wird. FC Basel gegen Thun muss ich mir dann doch alleine anschauen.

Spielen Sie selber Fussball?
Ich habe vor, Anfang Mai bei der Alternativ-Liga in Bern einzusteigen. Ich will es jetzt auch noch einmal wissen. Aber eben alternativ, voll easy. Fussball ist einfach die geilste Nebensache der Welt. Ausserdem hält es fit.

Wie stehen Ihre Eltern zu Ihrer Pop-Karriere?
Sie haben mich immer unterstützt. Meine Mutter war beim Gig in Berlin dabei. Das hat mich total gefreut. Ich kann es immer noch nicht fassen, dass ausgerechnet ich, als Sohn von Eltern mit Coiffeur-Geschäft, es geschafft habe.

Nach Ihrer Clubtour im Frühjahr stehen diesen Sommer einige Festival-Auftritte an. Haben Sie weitere Pläne?
Ich spiele im neuen Film von Marc Forster mit (lacht). Nein, Quatsch. Davon träume ich. Deutschland ist momentan zentral. Aber vor dem Spiel ist nach dem Spiel: Wir dürfen uns nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen, sondern müssen in zwei, drei Monaten wieder mit Songskizzen fürs nächste Album loslegen. Denn wir warten sicher nicht dreieinhalb Jahre, bis zum nächsten Release.

Das Ziel ist die Konzerthalle o2 World in Berlin?
Genau. Man muss in diesem Beruf ein bisschen grössenwahnsinnig sein.

Worauf freuen Sie sich am meisten zu Hause?
Auf Katy. Und meine Playstation.

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