Die Misswahl im Swiss Dome auf dem Bundesplatz in Bern vor zwei Jahren und auch die TV-Gala vergangenen November im Musical Theater in Basel waren Flops, gespickt mit vielen Peinlichkeiten. Zudem sind die Quoten im Keller: Im Jahr 2001 schauten fast 1,1 Millionen Zuschauer im Schweizer Fernsehen (SRF) die Krönung der Miss, zuletzt waren es noch rund 250 000 bei Sat.1. «Schweiz am Sonntag» weiss, der Zuger Immobilien-Multimillionär Guido Fluri (49), der vor vier Jahren mit viel privatem Geld die Miss-Schweiz-Wahl vor dem Aus rettete, hat genug von der nach eigenen Angaben «oberflächlichen» Samstagabend-Liveshow. Die enormen Produktionskosten von rund 800 000 Franken pro Wahlabend will Fluri, der sich seit vielen Jahren bei unzähligen wohltätigen Institutionen engagiert, sinnvoller ausgeben.

Er fordert mehr Substanz, noch weniger Glamour- und Cüpli-Anlass-Image – dafür deutlich mehr Herz: Die Finalistinnen und die gewählte Miss Schweiz sollen sich künftig aufopfernd und medienwirksam für weniger privilegierte Menschen einsetzen. Es soll zwar weiterhin mehrere TV-Sendungen geben, aber definitiv keine abendfüllende Live-Show, wie man sie von den letzten 20 Jahren kennt. «Wir distanzieren uns einen weiteren grossen Schritt von den anderen Casting-Formaten», bestätigt Nik Schwab, Sprecher der Miss Schweiz AG, die neue Ausrichtung. Geht es nach Guido Fluri, so sollen alle Einnahmen einer amtierenden Schönheitskönigin gespendet werden. Er hat es bereits bewiesen: Letztes und auch dieses Jahr konnten so viele Herzoperationen von Kindern ermöglicht werden, die sonst gestorben wären.

Der Imagewechsel vom Glamour-Girl zur Botschafterin mit Herz ist also längst gelungen. Gemäss Fluri, der den Missen den Lohn von über einer halben Million Franken auf 120 000 Franken kürzte, ist das scheinbar aber immer noch nicht genug. Sein Sprecher Nik Schwab dazu: «Bling bling allein reicht uns nicht. Bei der letzten Wahl hat der Beitrag über Laetitia Guarino in Tunesien viele Emotionen und auch Tränen ausgelöst. Das hat uns bewiesen, dass wir die Menschen mit wertvollen Inhalten zum Nachdenken anregen können. Dann hat die Wahl auch einen gesellschaftlichen Nutzen.» Ex-Missen und ehemalige Mitarbeiter der Organisation, die nicht genannt werden möchten, sehen der radikalen Richtungsänderung mit Skepsis entgegen. Die Miss-Schweiz-Wahl sei nun mal ein Schönheitswettbewerb, und dies könne man nicht komplett zweckentfremden, heisst es. Spenden sei löblich, doch man könne deshalb nicht aus jedem Event im Showgeschäft eine Spenden-Gala machen. «Die Kriterien, um sich anzumelden, bleiben äusserlicher Natur», beruhigt Nik Schwab die Kritiker. «Die Auswahl der Kandidatinnen durch die Jury wird dann wiederum zu je 50 Prozent von Schönheit und Persönlichkeit abhängen.»

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