Zum ersten Mal in der «Tatort»-Geschichte wurde vergangenen Sonntag eine Folge («Franziska») aus Jugendschutzgründen nicht wie üblich um 20.15 Uhr gezeigt, sondern auf einen späteren Sendeplatz verschoben. Eine Massnahme, die nachträglich noch für viel Gesprächsstoff sorgte – auch bei der Talkshow «Kölner Treff» beim Sender WDR waren TV-Vergewaltiger Daniel Kehl und seine Bewährungshelferin Franziska Lüttgenjohann Thema Nummer eins: «Jeder Mensch träumt oder denkt an Sachen, die er nie tun würde, zum Beispiel auch an Vergewaltigung», sagte Maximilian Schell (83), nachdem Moderatorin Bettina Böttinger einen brutalen Ausschnitt des Krimis zeigte.

Der legendäre Schauspieler, mit österreichischer und Schweizer Staatsangehörigkeit, fuhr mit seiner tiefen Stimme fort: «Dem Vergewaltiger machts sicher Spass. Aber vielleicht machts ihr auch Spass!» Für kurze Zeit herrschte absolute Ruhe in der siebenköpfigen Diskussionsrunde und es ging ein Raunen durch das Publikum. Schlagerstar Stefanie Hertel (34) schüttelte ungläubig den Kopf und verdrehte die Augen. Und sogar Schells 47 Jahre jüngeren Ehefrau Iva Mihanovic, die ihn zur Sendung begleitete, blieb die Luft weg. Dann fuhr Moderatorin Bettina Böttinger dazwischen: «Das ist jetzt ganz dünnes Eis, Herr Schell.» Schell wehrte sich: «Nein, nein. Warum denn?» Böttinger versuchte die Situation zu retten und lenkte umgehend auf ein anderes Thema.

Schells absurde Vergewaltigungs-Opfer-Theorie lösten beim WDR, während der Talk noch lief, heftige Zuschauer-Reklamationen aus. Auch in der Schweiz hat man absolut kein Verständnis für den Schauspieler, der pro Drehtag 10 000 Franken verdient. «Es ist beschämend und befremdlich, wenn Maximilian Schell den Vergewaltigungs-Mythos vor Fernsehpublikum aufrechterhält, Frauen würden die Vergewaltigung geniessen, die Frau empfinde vielleicht wie der Täter Lust dabei», ärgert sich Carlo Häfeli, Präsident der Opferhilfeorganisation Weisser Ring. «Ich bin entsetzt, wie falsch die Vorstellung von Schell ist über das Empfinden einer Frau bei einer Vergewaltigung und wie wenig Zugang er hat zu den Gefühlen von Demütigung, Erniedrigung und Ohnmacht.»

SVP-Nationalrätin Natalie Rickli (37), die sich seit Jahren im Parlament für härtere Strafen für Vergewaltiger und Kinderschänder einsetzt, ist «schockiert», denn «diese Aussage ist ein Schlag ins Gesicht aller Vergewaltigungsopfer. Dadurch wird sexueller Missbrauch verharmlost.» Auf Anfragen will Schell sich nicht mehr dazu äussern: «Er meinte, dass mit Sicherheit nicht so, wie es bei den Zuschauern ankam», entschuldigt sich seine Managerin Patricia Baumbauer per Mail. «Ein weiteres Statement würde sicher zu noch mehr Irritation führen. Man müsste dann im Grunde noch mal eine Talkshow zu diesem Thema aufrufen.»

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