Kündet Roger Schawinski seinen Gesprächsgast an, spart er nicht an Superlativen. So signalisiert er, dass für ihn nur die besten, die relevantesten und die aktuellsten Gäste gut genug sind. Oder andersherum: Der Glanz, den er seinen Besuchern verleiht, strahlt auch auf ihn, den Talkmaster.

Schawinski ist trotz seiner 66 Jahre ein vifer und schneller und ungeduldiger Talker. Er ist sich auch in der Art der Gesprächsführung treu geblieben: Seine Fragen enthalten häufig dermassen viele Behauptungen, dass es dem Angesprochenen schwerfällt, die Hauptfrage sofort zu beantworten – weil er erst die Unterstellungen zurechtrücken muss. Diese Marotte muss man mögen, um sie gut zu finden. Schawinskis Chef jedenfalls hat am Gesprächsstil nichts auszusetzen. SF-Chefredaktor Diego Yanez lobte: «Schawinski passt die Tonalität seinem Gast an. So gesehen finde ich es eine äusserst spannende Sendung.»

Das Publikum scheint in dieser Hinsicht ziemlich unentschieden zu sein. Ein Blick auf die Statistik zeigt, dass die Zuschauerzahlen weit auseinanderklaffen. Mit Roger Köppel als Gast erzielte «Schawinski» den stattlichen Marktanteil von 33,5 Prozent; Michael Ringier brachte es dagegen bloss auf 11,2 Prozent. Gegenüber dem «Sonntag» relativiert Schawinski die Bedeutung der Quote: «In der SRG zählt nicht allein die Quote, auch die Relevanz ist ein wichtiges Kriterium. Etwa wenn ich einen Jean Ziegler oder Remo Largo einlade, die für ein ‹Sternstunde›-Publikum vielleicht besser geeignet wären.» Die Quote ist nach Schawinskis Ansicht «von vielen Kriterien» abhängig: zum Beispiel von der Attraktivität des Vorprogramms. Oder von den Konkurrenzprogrammierungen. «Ausserdem zählt die Aktualität, wie man etwa an der Quote der Sendung mit Roger Köppel ersehen kann, die am Tag des Hildebrand-Rücktritts stattfand, der die Schweiz erschütterte und die Quoten aller Newssendungen dieses Tages massiv ansteigen liess.»

Reichlich unaktuell erschien der Gast des vergangenen Montags: nicht Jacqueline Fehr, nicht Andy Tschümperlin, die um das SP-Fraktionspräsidium gefightet hatten. Sondern Anita Fetz. Roger Schawinski lässt die Kritik nicht gelten: «Aus meiner langjährigen Erfahrung als Interviewer weiss ich, dass Leute vor oder bei Amtsantritt kaum Spannendes verbreiten, da sie sich vorerst zurückhalten. Die Sendung wäre wohl recht unergiebig gewesen.» Immerhin erhöhte Anita Fetz den sehr tiefen Frauenanteil unter den Gästen. Schawinski: «Leider habe ich bei Frauen bisher eine gewisse Zurückhaltung gespürt, sich meinen kritischen Fragen zu stellen. Das betrübt mich sehr. Denn ich habe sowohl von Karin Keller-Suter als auch von Christa Markwalder und Anita Fetz zustimmende bis begeisternde Reaktionen erhalten. Ich hoffe, dass sich dies rumspricht, damit die Acquise bei den Damen in Zukunft etwas einfacher wird.»

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