Frau Lara, in «Nachtlärm» sitzen Sie eineinhalb Stunden im Auto. Haben Sie nach diesem Dreh nicht ein- für allemal genug vom Autofahren?
Alexandra Maria Lara: Nach dem Film wollte ich tatsächlich in kein Auto mehr steigen! Wir wussten natürlich, was uns erwartet, und dass wir auf engem Raum viel Zeit miteinander verbringen müssen. Nach vier, fünf, sechs Drehwochen wurde das aber schon hart.

Was war das Schwierigste?
Man ist im Auto als Schauspielerin sehr eingeschränkt, man kann zum Spielen nicht den ganzen Körper einsetzen und ist auf der Leinwand eigentlich immer nur von der Taille an aufwärts zu sehen. Gleichzeitig war es auch eine Herausforderung, aus dieser Einschränkung etwas zu machen.

Was ist «Nachtlärm» für Sie, ein Roadmovie oder ein Kammerspiel?
Es ist ein Kammerspiel auf Rädern. Man sieht von der Strasse nicht viel – und man dreht sich im Kreis.

Autobahn-Raststätten, gesichtslose Dörfer und dunkle Kuhwiesen – das ist die Schweiz von «Nachtlärm». Keine schöne Welt, oder?
Die Nacht und die Drehorte strahlen Einsamkeit aus, aber das passt sehr gut zur Einsamkeit der Figuren im Film, insbesondere auch zur Figur, die ich spiele. Eine Mutter, die 24 von 24 Stunden für ihr Baby da ist, kann sehr einsam sein.

Und verzweifelt.
Zuerst habe ich gedacht: Mein Gott, so ein Horrortrip. Die Situation beginnt schon schwierig, das Paar ist verzweifelt, weil es wegen ihres Kindes nicht mehr geschlafen hat, dann wird mit dem Auto ihr Baby gestohlen und alles wird immer schlimmer und noch schlimmer. Ich hatte zu Beginn Bedenken, ob es nicht zu viel ist. Doch es war richtig.

Das Drehbuch zu «Nachtlärm» stammt von Martin Suter, in dessen «Small World»-Verfilmung Sie auch schon spielten. Ein Autor, den Sie mögen?
Ja, sehr. Ich war ein Martin-Suter-Fan, bevor ich Angebote erhielt, seine Figuren zu spielen. Ich lese viele Drehbücher, und oft bin ich nicht wahnsinnig begeistert. Dann werden andere Faktoren wichtig wie die Wahl des Regisseurs. Bei «Nachtlärm» war das anders: Ich habe mir nach der Lektüre sofort gewünscht, diese Frau spielen zu können. Noch bevor ich den Regisseur Christoph Schaub getroffen habe.

Wie wählen Sie eine Rolle?
Die Wahl ist bei mir immer eine Bauch-Geschichte. Ich entscheide mich auch immer wieder für kleinere Filme, die vielleicht nicht ein grosses Publikum in die Kinosäle locken, und beschränke mich bei der Rollensuche auch nicht auf Deutschland. Ich bin Rumänin, in Deutschland aufgewachsen, war auf einer französischen Schule, mein Mann ist Engländer.

Sprechen Sie noch Rumänisch?
Ja. Und ich würde mich sehr freuen, einmal ein Angebot aus dem Land zu bekommen, aus dem ich stamme. Die rumänischen Filmemacher sind spannend. Und wenn einer von ihnen wieder einen Preis gewinnt, wie jetzt gerade Cristian Mungiu in Cannes, freut mich das immer sehr. Denn sie können das gut gebrauchen. Insbesondere jetzt.

Sie haben Ihren Mann, den Schauspieler Sam Riley, beim Dreh zu «Control» kennen gelernt, dem Film über den Joy-Division-Sänger Ian Curtis. Waren Sie ein Joy-Division-Fan?
Nein. Ich kannte die Band nicht. Der Auslöser, beim Film mitzumachen, war Regisseur Anton Corbijn, den ich als Fotografen bewunderte. Ich habe mir dann CDs von der Band gekauft, doch die Musik war mir am Anfang viel zu düster, ich wollte die Musik immer gleich wieder abstellen. Aber als wir dann die Konzertszenen drehten, fing auch bei mir die Faszination für diese Band an. Da waren wirklich ganz verrückte Joy-Division-Fans dabei, mit Ian-Curtis-Tatoos auf der Brust.

Was sind Ihre nächsten Filmpläne?
Ich habe dieses Jahr einen ganz tollen Film gedreht von Ron Howard: Er heisst «Rush» und spielt in der Formel-1-Welt, auch das eine Welt, von der ich vorher nichts wusste. Ich spiele darin die Frau von Niki Lauda. Und auch hier kommen Autos vor, aber diesmal stand ich immer draussen – und habe entweder gejubelt oder mich gesorgt.

«Nachtlärm» von Christoph Schaub läuft ab dem 30. August in den Kinos.

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