VON KURT-EMIL MERKI

Jetzt setzt Sarah Burgess zum grossen Sprung an. Auf der Bühne ist die grelle junge Frau ein faszinierender Wildfang. Ihre Töne sind – trotz schrillem Auftritt und markantem Outfit – absolut mehrheitsfähig. Wenn die Schweiz bei der nationalen Ausscheidung mit dem Daumen nach oben zeigt, besteht durchaus die Chance, dass danach auch Europa wieder einmal zum Schluss kommt: «Switzerland twelve points».

Die 22-jährige US-Amerikanerin war vor sechs Jahren bei «American Idol» dabei, einer Castingshow im Stil von «Music Star». In diesem Jahr hat sie in der Schweiz eine eigentliche Ochsentour absolviert. Oliver Meyer, Manager bei Solymar-Music: «Sie hat im Rahmen des Projektes Coole Schule in 120 Schulhäusern gesungen und dabei etwa 12000 Kids erreicht. Die Reaktionen waren sensationell.»

Coole Schule versucht, über professionelle Entertainer die Freude an Fremdsprachen spielerisch zu fördern. Meyer: «Es gibt kein kritischeres und gnadenloseres Publikum als Jugendliche im Oberstufenalter.» Umso grösser seine Befriedigung, dass es Sarah «immer und stets innert kürzester Frist» gelang, mit ihren Songs und ihrem Diskussionsstil die Schülerinnen und Schüler für sich und die englische Sprache zu begeistern.

Diese Erfahrung war für Meyer und Tommy Mustac (er ist bei Solymar für die Künstlerauswahl zuständig), Grund genug, Sarah Burgess einen weltweit gültigen Vertrag anzubieten. Folgerichtig, sie nun in den Kampf um ein Ticket nach Düsseldorf zu schicken. In der Rheinmetropole findet im Mai 2011 der Eurovision Song Contest (ESC) statt.

Obwohl Sarah kaum Deutsch spricht, fühlt sie sich schon ein wenig als Schweizerin: «Ich habe bei meinen Reisen von einem Schulhaus zum andern sehr viel vom Land gesehen.» Sie fühle sich wohl hier und willkommen. Und die Gespräche mit den Kids hätten ihr einen guten Einblick gegeben, wie die Schweiz denke, fühle und handle.

Am 11. Dezember findet in Kreuzlingen die von SF1 live übertragene Schweizer Ausscheidung statt. Insgesamt 12 Titel gehen an den Start. Sarahs Song «Just Me» ist ein Gemeinschaftswerk von ihr und von John Gordon. Das ist der gleiche Komponist, der für Lena Meyer-Landrut «Satellite» geschrieben hat – der ESC-Siegersong von 2010. Oliver Meyer beschwichtigt: «Sarah ist alles andere als eine Lena-Kopie. Sie ist sehr eigenständig, eigenwillig, selbstsicher und erfolgsorientiert. Eigenschaften, die optimal zur Schweiz passen.»

Über den Komponisten Gordon kennt Sarah den Contest. Dank «American Idol» ist sie sich Wettbewerbs-Atmosphäre gewohnt. Musikalisch lässt sich Sarah Burgess irgendwo zwischenLady Gaga und Kesha einordnen. Und ganz nahe bei Myley Cyrus. Egal, ob die verheiratete Sarah den Sprung nach Düsseldorf schafft, ein Sarah-Burgess-Album wird 2011 auf jeden Fall erscheinen. Und auch eine kleine Club-Tournee ist vorgesehen.

Tommy Mustac kennt die Schweizer Musikszene wie kaum ein anderer. Er ist unter anderem der Entdecker von Francine Jordi. Auf seiner aktuellen Referenzliste stehen auch Namen wie Mireille Mathieu oder Patrick Lindner. Mustac: «Wir schauen uns auch auf ausländischen Märkten um und bearbeiten sie, weil ich die Erfahrung gemacht habe, dass viele Schweizer Talente zu wenig hungrig sind. Sie gehen im Bewusstsein auf die Bühne, dass sie schlimmstenfalls ins Büro zurückkehren können. Sarah ist anders. Sie ist total ehrgeizig und setzt einzig und allein auf die Musik.»

Die letzte gute Schweizer Klassierung am Contest liegt fünfeinhalb Jahre zurück: Die Vanilla Ninjas – vier Girls aus Estland – überstanden 2005 mit «Cool Vibes» den Halbfinal und erreichten im Schlussgang den achten Rang. Ausländerinnen! Zuvor hatten schon Céline Dion (1988, Kanadierin) oder Esther Ofarim (1963, Israelin) Spitzenplatzierungen für die Schweiz erreicht. Warum 2011 nicht Sarah Burgess, die frech-fröhliche junge Frau aus dem Nordosten der USA?

www.sarahburgess.ch

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