Das neue Daheim der Familie Federer im Schwyzer Steuerparadies Wollerau ist nur wenige Schritte vom Kindergarten- und Primarschulhaus Riedmatt entfernt. Perfekt für die sechsjährigen Myla und Charlene Federer, denn ab morgen Montag sind sie aufgrund ihres Jahrgangs offiziell schulpflichtig. Aber werden die aus Zeitungen und Zeitschriften weltbekannten Zwillinge wirklich im öffentlichen Kindergarten erscheinen?

Bekannt ist, dass Myla und Charlene Federer das erste (und freiwillige) Kindergartenjahr in Wollerau nicht besucht haben. Sie wurden auf der Tennistour privat unterrichtet. Doch so einfach geht das jetzt nicht mehr. Um auch im zweiten Kindergartenjahr in den Genuss von Privatunterricht zu kommen, bräuchten die Eltern Mirka (37) und Roger Federer (33) für ihre Lieblinge vom Amt für Volksschulen und Sport des Kantons Schwyz eine Bewilligung. Gemäss Insider-Informationen haben die Federers dafür aber bis jetzt keinen Antrag gestellt. Es sieht danach aus, dass Roger Federer seine Zwillingstöchter künftig nicht mehr auf die anstrengende Tennistour mitnimmt. Denn Zeit für einen Antrag bleibt keine mehr: Für die Erteilung der Bewilligung zum Besuch von Privatunterricht ist gemäss Gesetz des Kantons Schwyz mindestens ein halbes Jahr vor Beginn des Privatunterrichts ein begründetes schriftliches Gesuch mit einem Unterrichtsprogramm sowie Angaben zur unterrichtenden Person, zu den Schulungsräumen und zum Stundenplan einzureichen.

Die Schwyzer Behörden dementieren nicht, dass die Federer Zwillinge morgen eingeschult werden, möchten aber nicht konkret Stellung nehmen: «Wir legen Wert auf Diskretion, und aus datenschutzrechtlichen Gründen geben wir gegenüber Dritten nicht bekannt, welche Personen Privatunterricht in Anspruch nehmen oder ein solches Gesuch eingereicht haben», sagt der Schwyzer Schulinspektor Urs Giger, der sämtliche Gesuche behandelt. Giger erklärt, dass Privatunterricht oder Homeschooling nur bewilligt werden könne, wenn der Unterricht zur Erfüllung der Schulpflicht während längerer Zeit privat organisiert werde und die unterrichtende Person im Besitz eines vom Erziehungsrat anerkannten Lehrdiploms für die betreffende Volksschulstufe sei. Zudem werde das Homeschooling in geeigneter Form beaufsichtigt. «Einen Sonderstatus oder eine Bevorzugung für prominente Persönlichkeiten gibt es nicht.»

Roger Federer hat jedoch noch eine andere Möglichkeit: Er kann seine mehrsprachig aufgewachsenen Kinder nach den Sommerferien in einer in der Schweiz anerkannten Privatschule platzieren. Dort wären die Zwillinge mehr vom Rummel geschützt und könnten Englisch sprechen, so wie sie es von ihren Nannys gewohnt sind. Schulinspektor Urs Giger sagt: «Im Kanton Schwyz können sich Eltern dafür entscheiden, dass ihre Kinder der Schulpflicht durch den Besuch einer privaten Schule nachkommen – die betreffende Privatschule kann im Kanton Schwyz oder auch in einem anderen Kanton sein.» Auch dafür brauche es ein Gesuch.

Die «Schweiz am Sonntag» fragte bei mehreren in der Umgebung von Wollerau und in Zürich angesiedelten Privateinrichtungen nach, doch niemand will sich dazu äussern, ob die Kinder des Weltstars bei ihnen eingeschult werden. Geeignet wäre vor allem die Obersee Bilingual Schule, sie bietet ebenfalls Kindergarten an und liegt nur zehn Autominuten von der Federer-Residenz entfernt. Kostenpunkt pro Jahr: 23 900 Franken. Roger Federer und auch seine Frau beabsichtigen immer, dass ihre vier Kinder ein normales Leben führen können und auch in der Schweiz zur Schule gehen. «Spätestens wenn die Kinder eingeschult werden, dann werden sich auch unsere Lebensumstände normalisieren», sagte der Ausnahmesportler einst in einem Interview mit dem Schweizer Fernsehen. Nun wird sich zeigen, ob er dies tatsächlich veranlasst.

Fakt ist, dass es für die Kinder von Roger Federer keine Extrawurst gibt und sie gemäss Gesetz morgen zum Unterricht antreten müssten – ob im öffentlichen Kindergarten von Wollerau oder in einer Privatschule. Und Papi Roger hat sogar Zeit, seine Töchter an diesem so speziellen Tag zu begleiten. Denn dieses Jahr nimmt er erstmals nicht an seinem Lieblingsturnier, dem «Rogers Cup» in Montreal (Kanada) teil. Das Turnier startete erst vor zwei Tagen und dauert noch bis zum 16. August. Die Turnierleitung äusserte grosses Bedauern, und tagelang rätselte die Tenniswelt über die Absage von Federer. Sollte tatsächlich die Einschulung seiner Kinder der Grund sein, so wird ihm bestimmt niemand mehr böse sein.

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