Ich hoffe, dass mein selbst geschriebenes Drehbuch ‹Der grosse Narr› verfilmt wird und ich die Hauptrolle spielen kann, das wäre ein grosser Traum», sagte Walter Roderer († 91) am 17. März 2012 im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum (KKL) am Vip-Apéro des Schweizer Filmpreises «Quartz».

Er kam damals nicht in Begleitung seiner 60 Jahre jüngeren Ehefrau Anina Stancu (31), sondern wurde beim Gang über den violetten Teppich ins KKL von SVP-Nationalrätin Yvette Estermann gestützt. Die Liebesgeschichte sei ein Gemisch aus Autobiografischem und Fantasie und er würde seinem Publikum gern noch zeigen, dass er auch eine ernste Rolle spielen kann, nicht nur komische wie die in der Schweizer Komödie «Der doppelte Nötzli».

Aber Roderer hatte nicht nur ein Drehbuch geschrieben, sondern auch ein Enthüllungsbuch mit dem Arbeitstitel «Schrullen im Kopfe eines alten Mannes». Dem «Sonntag» verriet er letzten Frühling einiges über sein Werk, in dem er «gnadenlos» seine Meinung aufschreiben werde: «Vor allem mit den Medien habe ich ein Hühnchen zu rupfen, die kommen in meinem Buch sicher auch dran», kündigte der Schauspieler an.

Mit vielen habe er ein gutes Verhältnis gehabt, «doch einige Journalisten» hätten sich sehr danebenbenommen. «Auch Frauenrechtlerinnen werden sich bestimmt über meine Zeilen ärgern, denn ich bin ganz klar gegen eine Quotenregelung. Egal, ob Frauen oder Männer, die Tüchtigsten und Fähigsten sollen amten – auch im Bundesrat.»

In seinem Buch werde er auch Politiker kritisieren. Seine Überzeugungen zu den verschiedensten Themen hat Walter Roderer sein Leben lang für sich behalten. Damit sei nun Schluss: «Ich habe wissentlich geschwiegen, weil in meinem Publikum alle Denkrichtungen vorhanden sind und ich niemanden vor den Kopf stossen wollte», sagte der Rekordhalter unter den Schweizer Theatermachern (1288 Aufführungen des «Mustergatten», 749 von «Der verkaufte Grossvater»). Mit einer Ausnahme: 1992 machte er sich öffentlich stark gegen den Beitritt der Schweiz zum EWR. Das brachte ihm nicht nur positive Kritiken ein.

«Jetzt bin ich aber total unabhängig und nehme kein Blatt mehr vor den Mund – und es ist mir auch egal, ob ich mit meinem Buch jemandem auf die Füsse trete», betonte er. Thematisieren wollte Walter Roderer in seinem Werk auch das «Problem der Überbevölkerung», den «Seitensprung in der Ehe» sowie die «Werbung». Er schreibe Philosophisches über Lebensangst, Gott, Liebe, die Hauptaufgabe des Menschen.

Ob Walter Roderers sehr persönlich geschriebenes Buch «Schrullen im Kopfe eines alten Mannes» und sein Drehbuch «Der grosse Narr» je veröffentlicht oder verfilmt werden, ist unklar und liegt nun in den Händen seiner Ehefrau Anina. Ihr vermacht er sein Millionen-Vermögen und auch die Rechte an seinen Werken. Für eine Stellungnahme war Anina Stancu nicht zu erreichen.

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