Die «Schweiz am Sonntag» besuchte in den vergangenen Tagen sämtliche Zürcher Edel-Boutiquen von «Trois Pommes» und stellte fest: «Täschli-Gate» ist bei den Kunden und Verkäuferinnen noch immer Tratsch-Thema Nummer eins. Doch es scheint, als habe Chefin Trudie Götz ihre Mitarbeiterinnen nicht ausdrücklich genug davor gewarnt, sich mit aller Vorsicht zum Thema zu äussern.

Eine Verkäuferin im Geschäft an der Storchengasse 23 nahm kein Blatt vor den Mund und lästerte vor allen Leuten in der Boutique gegen Oprah Winfrey: «An jenem Tag, als Oprah bei meiner Kollegin angeblich die Tom-Ford-Tasche nicht sehen durfte, war sie auch bei uns im Laden und hat sich hier umgesehen. Ich habe sie sofort erkannt», erzählte die «Trois Pommes»-Verkäuferin auf die Frage, ob sie auch etwas vom Taschen-Knatsch mitbekommen habe. Sie fände es sehr fies von der US-Milliardärin, wie sie ihre Verkäufer-Kollegin Rassismus vorwerfe, denn das sei eine junge und ganz liebe Mitarbeiterin. Und dann holte die Verkäuferin, die beim Trudie-Götz-Geschäft in Zürich Expertin für Luxuslabels wie Jil Sander oder Celine ist, zum verbalen Seitenhieb gegen Winfrey aus: «Aber hier hätte sie sich eh nichts kaufen können, denn für diese Kleider ist Oprah Winfrey viel zu dick – ihre Grössen führen wir gar nicht!» Damit sind Grössen ab 42 gemeint.

Mit dieser diskriminierenden Aussage trifft die Zürcher Verkäuferin einen wunden Punkt, denn Oprah Winfrey kämpft seit Jahren gegen ihr Übergewicht: «Ich fühlte mich wie eine fette Kuh», schrieb Winfrey vor vier Jahren offen im Editorial ihres Magazins «O» an ihre Leser. «Ich war wütend auf mich, denn ich hatte mich gehen lassen.» 20 Kilo seien zu ihren vormals 73 Kilo Körpergewicht durch «Frustessen» dazugekommen.

Kurz darauf diskutierte sie das Thema mit der TV-Nation und nahm wieder 20 Kilo ab – aber bald wieder zu. Es ist ein ständiges Auf und Ab mit ihrem Jo-Jo-Diäten. Auf dem Bild, wo sie vor vier Wochen beim Hotel Dolder Grand in Zürich joggte, ist unschwer zu erkennen, dass Winfrey derzeit wieder gegen 90 Kilo wiegt.

Für Boutiquen-Inhaberin Götz ist zu hoffen, dass die unbedachte Aussage nicht eine neue Unruhe-Welle in die Affäre bringt, denn erst am Montag hatte sich Oprah im US-Fernsehen öffentlich entschuldigt: Es tue ihr so leid, dass die Geschichte so aufgebauscht worden sei.

Auf die Frage, ob es sich beim Vorfall um ein Missverständnis gehandelt habe, blieb Winfrey aber konsequent: Sie bestand darauf, ihr sei die gewünschte Handtasche mit dem Verweis auf weniger teure Exemplare nicht gezeigt worden. Zum Missgeschick einer ihrer Verkäuferinnen will Trudie Götz keine Stellung nehmen. Sie hat inzwischen PR-Berater Jörg Röthlisberger engagiert. Der CEO von der Zürcher Agentur Richterich & Partner bestätigt eine Flut von zum Teil sehr bösen Briefen und Mails an Trudie Götz, darunter sollen auch Morddrohungen sein.

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