Von Reinhold Hönle

Ihr Namensschild am Eingang des alten Mehrfamilienhauses im Wohnquartier Oberstrass hat sie demontiert. Das Klingeln ist zwecklos. Für einmal ist Eliana Burki zwar zu Hause, doch ein Telefonanruf klärt auf, dass der Zugang zu ihrer Zweizimmerwohnung über den Sitzplatz im Parterre erfolgt. Am Gartentor werden wir zuerst von ihren zutraulichen Chihuahuas begrüsst. «Das sind Miles und Lulu, die ich nach dem Jazztrompeter und meinem Lieblingscafé in Paris benannt habe», sagt die Musikerin über das ungleiche Gespann. «Beide sind für Exemplare ihrer Rasse ungewöhnlich gross, aber zum Glück noch genug klein, dass ich sie im Handgepäck überall hin mitnehmen kann.» Dabei ist nicht allein deren Gewicht entscheidend, sondern ebenso, dass die Künstlerin sich bereits seit ihrem 20. Altersjahr als Musiktherapeutin engagiert.

2014 Beziehung beendet
«Die Vibrationen beim Blasen des Alphorns lösen bei Patienten mit Cystischer Fibrose auf natürliche Weise den Schleim auf der Lunge», erklärt Burki. «Meine Chihuahuas wecken vor allem bei kranken Kindern und Komapatienten positive Gefühle, weshalb sie einen Pass als Therapiehunde bekommen haben.» Der Künstlerin spenden sie Trost, wenn der Beifall nach den Konzerten verklungen ist und ihr in der Einsamkeit des Hotelzimmers die Decke auf den Kopf zu fallen droht. Einen Freund gäbe es gegenwärtig nicht, antwortet sie auf die Frage nach einem zweibeinigen Gefährten. «Meine sechsjährige Beziehung ist 2014, kurz vor meiner Rückkehr aus Los Angeles in die Schweiz, in die Brüche gegangen, weil mein damaliger Partner und ich merkten, dass wir uns in zu unterschiedlichen Lebensphasen befinden.» Die Solothurnerin sagt von sich, sie wäre gut im Loslassen und habe bei der intensiven Arbeit an ihrem aktuellen Album «Arcadia» genossen, dass sie nicht zwischen Beruf und Privatleben hin- und hergerissen war. Später, beim Gegenlesen der Zitate, will die 32-Jährige plötzlich nicht mehr als Single bezeichnet werden. Mehr verrät sie allerdings nicht.

Auf «Arcadia» setzt Burki nicht nur verschiedene Alphörner ein, sondern erstmals beinahe ebenso häufig ihre Stimme sowie mystische arabische Klänge. «Nun bin ich überzeugt, musikalisch angekommen zu sein», betont sie. «Ich würde meinen Stil World-Pop nennen.» Den globalen Einfluss sieht man auch der Wohnungseinrichtung an. Zahlreiche Stücke hat die Künstlerin von ihren Konzertreisen durch Südamerika und Asien mitgebracht. Im Wohnzimmer ziehen ein Sofa mit Zebramuster, Vintage-Holzmöbel, indische Sitzkissen und das Bild eines Buddhas, das sie von ihrer Schwester geschenkt bekam, die Blicke auf sich. Und natürlich ihr erstes eigenes Alphorn, das sie mit zehn Jahren zu spielen begann und noch immer sehr schätzt. «Es wird schon heute Abend wieder zum Einsatz kommen», erzählt Burki. «Ich probe dort mit dem Solis String Quartet für das Konzert zur Begrüssung der deutschen Fussball-Nationalmannschaft im EM-Trainingslager in Ascona.» Miles und Lulu werden sie begleiten und ebenfalls für gute Vibes sorgen.

Mehr Themen finden Sie in unserer gedruckten Ausgabe oder über E-Paper