«Bei meiner letzten Kontrolle sagte mir der Arzt, man sehe absolut nichts mehr von meinem Bauchspeicheldrüsenkrebs», sagt Nella Martinetti (65) mit fröhlicher Stimme am Telefon dem «Sonntag». «Ich will zwar nicht von einem Wunder sprechen, aber andere sterben innerhalb weniger Monate an dieser Krankheit. Ich bin sehr glücklich, dass mir die vielen Chemotherapien und Bestrahlungen so sehr geholfen haben.»

Erinnert man sich an die Schlagzeilen vor knapp zwei Jahren, erscheint diese Heilung als eine Sensation – denn aufgrund einer Geschichte der Boulevardzeitung «Blick» glaubte man, Martinetti erlebe 2009 ihre letzten Weihnachten: «Es gibt keine Hoffnung mehr! Das haben mir die Ärzte mehrere Male bestätigt», so die Sängerin damals. Sie leide an unheilbarem Bauchspeicheldrüsen-Krebs und hoffe, dass sie beim Sterben «ohne viel Schmerzen einschlafen» könne.

Erst vor einer Woche sass Nella Martinetti aber gut gelaunt wie eh und je im Publikum an der Premiere des Zirkus Knie in Rapperswil. «Man sieht und merkt es mir zwar nicht an, doch ohne Schmerzmittel kann ich nicht aus dem Haus», so die Entertainerin, die für Weltstar Céline Dion 1988 den Eurovision-Siegersong «Ne partez pas sans moi» schrieb. Morgen Montag müsse sie erneut zum Arzt und viele Untersuchungen über sich ergehen lassen. Denn sie habe nun auch noch Probleme mit der Leber, noch immer starke Rückenschmerzen und Schlafstörungen. «Doch ich lebe und bin dem lieben Gott extrem dankbar dafür.»

Martinettis öffentliche Auftritte bei Premieren oder am Fernsehen kommen bei vielen Leuten nicht gut an – immer wieder erhält sie danach böse E-Mails und Briefe, in welchen sie als Simulantin oder Lügnerin beschimpft wird. «Das tut sehr weh und ist gemein, denn wer Krebs hat, muss doch nicht zurückgezogen leben und nur noch im Bett liegen», ärgert sich Martinetti. «Ich kann nicht verstehen, wie man mir solche Mails und Briefe schreiben kann.»

Dass sie keine Lügnerin ist, bestätigte im vergangenen Jahr schon Dr. Peter Jaklin (48) vom Kantonsspital Männedorf ZH, der Nella Martinetti seit ihrem ersten Aufenthalt nach der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs betreut: «Frau Martinetti ist eine Patientin, die sehr gut auf eine intensive Behandlung anspricht», sagte der Spezialist damals in einem Interview mit der «Glückspost». Prinzipiell könne Bauchspeicheldrüsenkrebs in einem frühen Stadium geheilt werden. Handle es sich aber um einen fortgeschrittenen Tumor, sei eine Heilung unwahrscheinlich. «Ob Nella Martinetti nun einen aggressiven oder weniger aggressiven Krebs hat, ist augenblicklich nicht so relevant.»

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