Mit seiner Rolle als Einbürgerungs-Beamter in «Die Schweizermacher» verzauberte Emil Steinberger (81) das Publikum. Die Komödie von Regisseur Rolf Lyssy (78) lockte 1978 mehr als 940 000 Zuschauer in die Kinos und ist bis heute der erfolgreichste Schweizer Kinofilm. Obwohl Emil nach dem Megaerfolg immer wieder unzählige Filmrollen-Angebote erhielt, lehnte er alle ab.

Der Grund dafür war und ist, dass der Luzerner Ehrenbürger am liebsten seine eigenen Ideen verwirklichen will und sich gleich selber eine Rolle auf den Leib schrieb. «Ich habe mit meiner Frau Niccel zwei Jahre an einem Drehbuch für einen Film gearbeitet, jetzt ist es fixfertig», sagte er vor drei Jahren. «Darin ist natürlich eine spezielle Rolle für mich aufgeschrieben!» Damals kündigte Emil an, er habe vor kurzem ein «wichtiges Treffen» gehabt und könne erst in etwa zwei Wochen mehr über das Projekt sagen.

Seither ist viel Zeit verstrichen und noch immer unklar, ob Emil Steinberger seine Wunschrolle überhaupt je noch verkörpern kann. Denn seine vielen wichtigen Treffen und der damit verbundene Versuch, sein Drehbuch einigen auserwählten Filmemachern und Produktionsfirmen schmackhaft zu machen, blieb bisher ohne Erfolg. Nun scheint die Ernüchterung für den auch in Deutschland bekannten Kabarettisten gross: «So geschriebene Drehbücher werden halt von allen Seiten zerzaust bis zur Unkenntlichkeit, dann kommt der Moment, wo es heisst: Bitte so nicht!», antwortet Emil auf die Frage, wie es denn mit seinem Drehbuch- und Filmprojekt weitergehe. Aber mindestens einen Joker hätte Steinberger noch, denn der Mann, dem er seinen grössten Filmerfolg zu verdanken hat, zeigt Interesse: «Ich habe vom Projekt gehört, und wenn Emil möchte, kann er mir sein Drehbuch senden. Ich werde es dann in Ruhe lesen und ehrlich beurteilen», sagt Regisseur Rolf Lyssy am Telefon. «Aber wenn es schlecht sein sollte, habe ich kein Interesse, denn es werden schon jetzt zu viele schlechte Drehbücher verfilmt.»

Auch wenn sich Emil Steinberger überhaupt nicht in die Karten blicken lässt, so kursieren mittlerweile die Gerüchte, dass er sein Drehbuch selber verfilme und dies mithilfe von privaten Investoren finanziere. Gönner zu finden, wäre für ihn nicht schwer, denn der gelernte Pöstler ist nach wie vor ein Publikumsmagnet: Seine Vorstellungen sind jeweils restlos ausverkauft. Und auch die alten Emil-DVDs, -CDs und -Bücher, die in weiten Kreisen Kultstatus geniessen, verkaufen sich noch immer hervorragend. Emil scheint den Erfolg gepachtet zu haben und würde mit einer lockeren Komödie bestimmt wieder für volle Kinosäle sorgen.

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