Alice Roffler riecht ständig streng nach Alkohol. Doch das Personal im Alters- und Pflegeheim Zum Park in Muttenz BL muss sich absolut keine Sorgen um die mutmasslich älteste Schweizerin machen. Obwohl ständig eine Flasche «Echter Baselbieter Kirsch» auf Rofflers Nachttisch steht, trinkt die 109-Jährige keinen Schluck davon: «Mit dem Kirsch reibe ich meine Füsse, Beine, den Rücken und die Brust ein. Auch heute tue ich das noch regelmässig. Das hält mich gesund», verrät die Frau, die seit bald einem halben Jahrhundert die AHV bezieht. Sie habe in ihrem Leben kaum Alkohol getrunken.

Seit mehr als 60 Jahren kultiviert die gläubige Katholikin das Einreibe-Ritual mit dem hochprozentigen Getränk (42 Volumenprozent Alkohol). Das selbst verschriebene Wundermittel hat jedoch seinen Preis: Rentnerin Alice Roffler benötigt rund eine Flasche Kirsch pro Woche, diese kostet im Coop derzeit 33 Franken – macht pro Jahr rund 1700 Franken. «In meinem hohen Alter muss ich ja für nichts mehr sparen, diesen Luxus gönne ich mir», sagt die gelernte Schneiderin. Aber sie hat natürlich auch noch viele andere Langlebe-Tipps auf Lager: Seit fast 80 Jahren befeuchte sie dreimal täglich ihren Kopfwirbel mit Wassertropfen und auch «früh aufstehen, täglich beten, fleissig arbeiten und viele Früchte essen», sollen einem ein langes Leben bescheren. Alice Roffler: «Auf Butter und sonstiges Fett verzichtete ich fast immer – das Herz hat nicht gerne Fettiges.»

Nun aber freut sich die hörbehinderte Roffler auf den Tod, denn ihr geliebter Ehemann starb bereits vor 37 Jahren und der gemeinsame Sohn vor fünf Jahren.

Noch älter wolle sie nicht werden. «Ich warte jeden Tag auf das Ableben. Ich wäre jeden Tag bereit dafür.» Trotzdem ist sie für ihre vielen Jahre dankbar: «Wahrscheinlich habe ich es der Kirche zu verdanken – und so manchem Liter Kirsch.»

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