VON SACHA ERCOLANI

Die Schweizerin mit den afroamerikanischen und indianischen Wurzeln (Cherokee-Stamm) erinnert sich: «Während meine Mitschüler in der Pubertät Pickel bekamen, häuften sich in meinem Gesicht schlagartig die Sommersprossen – bevor ich 13 Jahre alt war, hatte ich diese kaum.» Das sei am Anfang schon sehr komisch gewesen. Und sie habe auch oft darunter gelitten: «Wegen der vielen Tüpfli im Gesicht wurde ich teilweise gehänselt, oder man rief mir immer wieder Pippi Langstrumpf nach», sagt Jennifer Hurschler, die gemäss einigen Schweizer Topfotografen und Missen-Szenekennern als Top-Favoritin für den Missen-Titel 2010 gilt.

Mittlerweile hat die exotische Finalistin einen anderen Übernamen: Den der Zeichentrickfilm-Figur Pocahontas. Rassistische Erfahrungen wegen ihrer Herkunft und des Aussehens musste Hurschler bisher «zum Glück noch keine machen». «Die Schweiz ist multikulti, und das ist schön so. Diese Werte würde ich auch als Miss vertreten wollen. Respekt und Toleranz!», so Jennifer, die schon für grosse Marken wie «Tibits» oder Kleenex modelte. Für ein privates Fotoshooting schlüpfte sie sogar in die Rolle einer Afroamerikanerin – und das sei eine schöne und spannende Erfahrung gewesen. «Mir ist es egal, welche Hautfarbe ein Mensch hat, ich interessiere mich für die Person, nicht fürs Aussehen.»

Jennifer Hurschler kann aber weit mehr als nur schön sein: Sie arbeitete drei Jahre für die UBS Investment Bank in Zürich – und wechselte vergangenen Januar als Junior-Händlerin zur Raiffeisen Schweiz. Täglich sitzt sie vor acht Bildschirmen, überwacht Kurse und handelt mit Geld. «Der Job macht Spass, er ist interessant und abwechslungsreich.»

Und bald soll noch mehr Abwechslung in ihr Leben kommen: «Ich möchte Miss Schweiz werden», so die selbstbewusste Jennifer. «Alles, was mir Spass macht, gehört zu diesem Titel: Modeln, repräsentieren, reisen und neue Menschen kennen lernen.» Seit drei Jahren ist Hurschler glücklich liiert. Und ihr Freund Ben (28) stehe voll hinter ihrem Vorhaben: «Wir respektieren unsere Wünsche und Träume und lassen uns dabei auch Freiraum, um uns zu entfalten», schwärmt sie. «Er ist zum Glück nicht eifersüchtig, denn das hindert einen ja nur, seinen Job zu machen.»

Zum Ausgleich zu ihrem bisher hektischen Beruf als Bankerin besucht Jennifer mindestens zweimal pro Woche Yoga-Kurse. Darum will sie nun vor den Wahlen, welche am 25. September in Zürich im Theater 11 stattfinden, in Thailand zehn Tage Yoga-Ferien machen. Jennifer: «Dabei schöpfe ich Ruhe, Kraft und Selbstbewusstsein – das alles kann ich am Wahlabend sicher gut gebrauchen.»

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