Kommenden Samstag gibt die Westschweizerin Laetitia Guarino (23) ihre Krone ab. Die Verantwortlichen der Miss-Schweiz-Organisation müssen hoffen, dass das Publikum an der Live-Show in Basel dieses Jahr eine Deutschschweizerin zur Miss wählt: «Es ist immer noch ein Fakt, dass eine Miss Schweiz aus der Romandie in der Deutschschweiz einen schweren Stand hat», sagt Nik Schwab, Sprecher der Organisation. «Umgekehrt aber auch, Laetitias Vorgängerinnen aus der Deutschschweiz waren in der Romandie mehrheitlich unbekannt.»

Diese Tatsache schlägt sich auf die Einnahmen nieder, denn für eine amtierende Schönheitskönigin gehört der Röstigraben zu einem der grössten Umsatz-Killer.

Vergleicht man die Umsätze der Missen der Vergangenheit, so kann dies je nach ihrem Herkunftskanton Umsatz-Einbussen von weit über 100 000 Franken pro Jahr ausmachen. Eine Miss aus der Deutschschweiz oder dem Tessin verdient immer mehr als eine aus der Romandie. Einzige Ausnahme ist Lauriane Gilliéron (31), die Schönheitskönigin aus dem Jahr 2005. Sie kassierte in zwölf Monaten mehr als 470 000 Franken und schaffte so eine kleine Sensation.

Ausschliessen will man die Westschweizer Frauen vom Schönheits-Wettbewerb trotzdem nicht, Nik Schwab will dem Röstigraben-Problem anders entgegenwirken: «Mit diesem Effekt müssen wir leben und das Bestmögliche daraus machen, zum Beispiel mit Sprachunterricht und vielen Auftritten in den jeweils anderen Sprachregionen.» Man dürfe dabei das Tessin nicht vergessen, denn die Miss sei eine Repräsentantin der ganzen Schweiz und aller Sprachregionen.

Dabei stehen nicht mehr nur Glamour- und Cüpli-Partys im Vordergrund, denn auf Wunsch von Multimillionär Guido Fluri (49), Retter und Inhaber der Marke Miss Schweiz, amtete Laetitia Guarino als die erste Miss «der neuen Generation»: Wohltätigkeit stand stets im Zentrum – das Motto war und ist «Krone mit Herz». Guarino war zweimal für die Stiftung Corelina in Marokko, wo mit ihren erarbeiteten Modeljobs herzkranken Kindern Operationen ermöglicht wurden. Sie hat zwei Tage mit Flüchtlingen verbracht und damit auch ernsthafte gesellschaftliche Themen aufgeworfen.

Im Gegensatz zu ihren Vorgängerinnen ist Laetitia Guarino weit entfernt vom Lohn eines Bundesrates, denn sie erhielt während ihres Amtsjahrs einen Fixlohn von 10 000 Franken pro Monat. Den Rest der von ihr erwirtschafteten Einnahmen spendet die Missen AG.
Je nach Aufträgen kommen gemäss Recherchen so bis zu 250 000 Franken Spenden pro Jahr zusammen. Mit diesem Geld kann vielen Kindern geholfen werden.

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