Nach 30 Jahren Musikgeschäft und mehr als 15 Millionen verkauften Tonträgern veröffentlichte René Baumann alias DJ Bobo (48) diese Woche seine Autobiografie «Der ganz normale Wahnsinn». Und bereits wird Kritik laut: «Darin wird vor allem über die Anfangszeiten wahnsinnig viel gelogen», sagt Gutze Gautschi (59) zur «Schweiz am Sonntag». Der Hitmacher entdeckte DJ Bobo, nahm ihn 1992 exklusiv unter Vertrag und investierte mit seiner Firma Fresh Music viel Geld in den damals noch unbekannten Künstler. Gautschi und sein Arbeitskollege Mark Wyss (52) waren es, die unter anderem DJ Bobos Superhits wie «Somebody Dance With Me», «Everybody» und das erste Album produzierten und somit seiner grossen Karriere den Weg ebneten.

Die zwei Produzenten, die damals gemäss eigenen Angaben Tag und Nacht für Bobo arbeiteten und ihm auch viele lukrative Auftritte vermittelten, kommen im Buch nicht namentlich, sondern nur abschätzig als «die Jungs von Fresh Music» vor. Gautschi dazu: «Das zeigt leider seinen wahren Charakter. Über die Personen, die ihn wirklich zum Star machten, verliert Bobo kein Wort. Das ist etwa so, als würde Ex-Miss Christa Rigozzi in ihrem aktuellen Buch ihren Missen-Titel leugnen!» Zudem verdrehe Bobo komplett die Tatsachen: So wie er beispielsweise die Situation an der Musikmesse in Cannes im Buch schildere, glaube man als Leser, er habe die weltweiten Plattenverträge selber ausgehandelt und unterzeichnet. «Das ist schlichtweg gelogen», sagt Gautschi. «Als Inhaber der Plattenfirma hab ich das gemacht. Jeder, der in dieser Branche arbeitet, weiss, dass dies so funktioniert.» Zudem stimmen gemäss Gutze Gautschi, der auch für sämtliche Geld-Abrechnungen verantwortlich war, die von Bobo gemachten Angaben der Tonträgerverkäufe nicht: «Die waren alle viel höher!» Es gäbe noch viele Details aus dem Buch, die absolut nicht der Wahrheit entsprechen. Dies seien aber vor allem komplizierte Details, wo es um Urheberrecht-Verstösse und Konventionalstrafen gehe. «Aus rechtlichen Gründen will ich nichts dazu sagen.»

Dass der Star DJ Bobo in seiner Biografie schreibt, er habe seine Songs im Studio selber gemischt und produziert, verneint sein ehemaliger Produzent: «Tatsache ist, Bobo sass nur auf dem Sofa und liess uns arbeiten – wir, also Mark Wyss und ich, produzierten die ersten Hits.» Gautschi, der bereits das Buch «DJ Bobo – Die Vergessenen Jahre» schrieb, arbeitet an einem zweiten Werk. «Dort wird dann die Wahrheit noch schonungsloser ans Tageslicht gebracht.»

DJ Bobo, der Weltstar
«Schweiz am Sonntag» konfrontierte das Management von DJ Bobo diese Woche schriftlich mit den Lügen-Vorwürfen. Stellung dazu will der Familienvater nicht nehmen: «Es steht alles, was es zu sagen gibt, bereits im Buch. Dazu gibt es nichts hinzuzufügen!», antwortet Manager Oliver Jmfeld.

Ungelogen ist, dass DJ Bobo der wohl erfolgreichste Schweizer Musiker aller Zeiten ist: Er wurde zehnmal mit dem begehrten World Music Award ausgezeichnet. Mitte der 90er-Jahre gewann der gelernte Bäcker mehrmals den «Bravo Otto» unter anderem als «Bester Sänger» oder «Beste Show» sowie 2001 als erster Künstler überhaupt den «Ehren-Otto». Insgesamt erhielt DJ Bobo weltweit 260 Gold-, 29 Platin- und 2 Diamantauszeichnungen.

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