Das Hotel dort zu bauen ist leider kein Thema mehr», sagt Architekt Ueli Lehmann zum «Sonntag». «Es ist sehr schade, doch wir haben das nicht entschieden.» Für die Zermatter Bergbahnen AG kreierten Lehmann und sein Kollege, Künstler Heinz Julen, vor rund sechs Jahren das Projekt «The World’s Dream Peak». Gemeinsam wollten die beiden Visionäre dem Klein Matterhorn dazu verhelfen, der 39. Viertausender von Zermatt zu werden. Geplant war ein dreibeiniger pyramidenförmiger Glas- und Stahlbau auf dem Gipfel, der dem beliebten Zermatter Ausflugsberg (3883 m) die fehlenden 117 Meter verleihen sollte, um in die Riege der Viertausender aufzusteigen.

Der Aufbau sollte einen Multimedia-Kongressraum sowie ein trendiges 5-Sterne-Hotel mit Wellness-Anlagen und Pool beherbergen. «Die Gäste müssen auf dem Weg ins Innere des Gipfelpalastes Druckausgleichskabinen passieren. Wie im Flugzeug schützt künstlich erzeugter Überdruck vor dem Höhenkoller», sagte Julen, als er die Pläne damals vorstellte. «Es wäre das erste Hotel der Welt, das so funktioniert.» Die Gipfelprothese auf dem Klein Matterhorn wäre jedoch ähnlich aufwendig zu bauen wie eine Raumstation. Das Projekt hatte darum schon von Beginn weg unter Zermatt-Liebhabern, -Bürgern und Umweltschützern viele Gegner, die den Berg einer solchen kommerziellen Nutzung nicht aussetzen wollen.

Doch der Auftraggeber stand wie ein Fels hinter der Idee: «Das Projekt vom Heinz ist ganz klar unser Favorit», sagte der ehemalige Chef der Zermatt Bergbahnen AG Christen Baumann vor fünf Jahren. «Es ist sehr spektakulär, etwas, wovon die Leute reden. Die Idee mit den Plattformen ist genial, und wenn das Projekt machbar und finanzierbar ist, dann werden wir es auch anpacken.»

Beim neuen CEO der Zermatt Bergbahnen AG klingt es nun anders: «Das Projekt, wie es vor 5 Jahren kommuniziert worden ist, muss als Vision betrachtet werden», sagt Markus Hasler, der seit etwas mehr als einem Jahr im Amt ist. Ein Hotel auf dem Gipfel und das Ziel, 4000 Meter zu erreichen, sei kein Thema mehr. Gemäss Hasler arbeite man jetzt an einer neuen Idee: «Zum gegebenen Zeitpunkt wird ein Bewilligungsverfahren eingeleitet und dann auch die Projektidee kommuniziert.»

Künstler Heinz Julen hat jedoch noch immer Hoffnung: «Das Projekt ist nicht eingestellt, nur obliegt ihm von der Bauherrschaft ein striktes Redeverbot.»

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