Herr Bennahmias, Sie arbeiten mit Stanislas Wawrinka zusammen. Er spielt neu in einer anderen Liga. Ist eine Vertragserneuerung fällig?
François-Henry Bennahmias: Darüber sprechen wir nicht. Wir sind sehr glücklich, dass wir seit Jahren mit Stan zusammenarbeiten, aber er kann sich auch glücklich schätzen, dass er bei uns ist.

Wie meinen Sie das?
Die Erfolgsstory geht immer auf beide Seiten. Für manche Menschen ist Audemars Piguet ein Glücksbringer.

Bringen Ihre Uhren auch Bankern Glück?
Bestimmt. Ich kenne zwei, die können nicht ohne ihre Oak sein. Wenn sie die Uhr in den Service geben müssen, dann schauen sie, dass sie in dieser Zeit keine grossen Deals abschliessen.

Wawrinka trägt seine Uhr auch während des Spiels. Warum macht er das?
Warum trägt er während des Spiels eine Uhr? Es gibt überhaupt keinen Grund. Nadal fing damit an, Wawrinka machte es ihm nach. Stan trägt die Uhr nicht, weil er sie zeigen muss, er trägt sie als Schmuckstück und Glücksbringer. Ich erzählte Ihnen gerne eine kleine Anekdote dazu.

Bitte gern …
In Australien, ich glaube es war in den Achtelfinals, ging das Armband seiner Uhr kaputt. Wir dachten, wir müssten etwas tun, also ist jemand von Singapur nach Australien geflogen und hat ihm das Armband ausgewechselt. Es wäre für ihn undenkbar gewesen, ohne die Uhr auf den Platz zu gehen – nicht weil er unser Botschafter ist, sondern weil er einfach eine Uhr am Armgelenk tragen will. Eine Uhr kann wirklich ein Glücksbringer sein.

Bei anderen geht es wohl eher ums Protzen. Auffallend ist, dass Audemars Piguet in amerikanischen RapperKreisen eine Art Kultstatus geniesst. Wie kam es dazu?
Das geht zurück auf Arnold Schwarzenegger, mit dem wir seit 1999 zusammenarbeiten. An einer Benefizgala, wo Arnold und Muhammad Ali auftraten, versteigerten wir für einen guten Zweck 35 Uhren für insgesamt 1,35 Millionen Dollar. Das war ein Riesenerfolg. So wurde das Eis gebrochen. Dann kamen Jay Z, Pharell Williams, Usher und immer mehr Leute. So wurde es plötzlich einfach.

Jay Z, immerhin einer der erfolgreichsten Rapper überhaupt, ist inzwischen Botschafter von Audemars Piguet.
Er ist kein offizieller Botschafter. Er ist einfach ein guter Freund. Als ich ihn zum ersten Mal traf, besass er bereits 14 Audemars-Piguet-Uhren.

Wie passen böse Rapper zum Image der edlen Uhrenmanufaktur aus dem Vallée de Joux?
Wenn Sie die Resonanz sehen, die Künstler wie Jay auf Twitter, Facebook und anderen Kanälen generieren, welche Glaubwürdigkeit sie in ihren Communities besitzen, dann ist das einfach fantastisch. Es ist sicher nicht die einzige Art, wie man unsere Marke sehen kann, aber ganz bestimmt eine sehr gute Art.

Trägt auch seine Frau Beyoncé Ihre Uhren?
(lacht) Nein, sie nicht. In ihren Videos sieht man sie zwar mit unseren Uhren, sonst nicht. Interessant, nicht? Ich kenne sie gut.

Vor über 40 Jahren brachte Audemars Piguet die Stahluhr Royal Oak auf den Markt. Sie galt damals als überteuert und verkaufte sich schlecht, bis Gianni Agnelli mit einer am Handgelenk in
St. Moritz auftauchte.

Solche Geschichten gibt es viele. Wir haben das nie gepusht. Es ist einfach so gekommen. In erster Linie geht es um Menschen. Einer der ersten offiziellen Botschafter war der Golfer Nick Faldo. Dann kam Schachspieler Gary Kasparow, später Skifahrer Alberto Tomba. Diese drei ersten waren die ersten richtigen Markenbotschafter.

Diese Woche feierten Sie die Boutique-Eröffnung in Zürich. Wie wichtig ist die Bahnhofstrasse fürs Geschäft?
Hinter Genf ist die Bahnhofstrasse die klare Nummer zwei in der Schweiz. Daran wird sich in Zukunft wohl nichts ändern. Weltweit gehört Zürich zu den 20 wichtigsten Shoppingdestinationen für Uhren weltweit.

Was für eine Kundschaft erwarten Sie?
Wir gehen davon aus, dass 40 Prozent der Kunden aus der Schweiz stammen, der Rest sind Ausländer, vor allem aus Asien und dem Nahen Osten. Im ersten Jahr wollen wir zwischen 150 und 200 Uhren verkaufen.

Können Sie die Boutique profitabel betreiben?
Sicher, das muss so sein. Sie können nicht überall auf der Welt Läden haben, die Sie nur zu Marketingzwecken haben und die keinen Gewinn abwerfen. Diese Rechnung geht nicht auf. Die Gründerfamilien, die heute noch Audemars Piguet kontrollieren, erwarten von uns, dass wir das Geschäft ausbauen und Gewinne erzielen.

Der Kampf auf attraktive Standorte wird mit harten Bandagen geführt. Als unabhängige Manufaktur dürfte es immer schwieriger werden, sich gegenüber den grossen wie Swatch, Richemont, Rolex und LVMH zu behaupten.
Sie haben recht, die Luxusindustrie ist massiv gewachsen in den letzten 20 Jahren. In allen Bereichen, alle nicht nur bei den Uhren. Aber die Städte sind die gleichen geblieben. Es gibt nur eine Bond Street, nur eine Madison Avenue, nur eine Bahnhofstrasse. Aber es gibt immer mehr Marken, die einen Laden wollen. Also gehen die Preise durch die Decke. So kann es nicht mehr weitergehen. Möglicherweise führt dies in den nächsten Jahren zu einer Art neuen Form der Distribution.

Und wie schaut das aus?
Keine Ahnung . (lacht) Das wird die Zukunft zeigen.

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