Sie ist bekannt als Stimmungsmacherin auf der Bühne und für ihr frohes Lachen – doch in ihrem Herzen strahlt die Sonne längst nicht immer. «Soeben hat man mir die Sozialleistungen noch einmal um 65 Franken gekürzt, mit der IV-Rente und den Ergänzungsleistungen erhalte ich jetzt nur noch 1855 Franken im Monat – davon zu leben, ist fast unmöglich», sagt Vanessa Grand mit schwerer Stimme.

Gemäss Grand beruhen die Berechnungen der Ergänzungsleistungen auf Zahlen eines Vergleichswertes einer gesunden Person. Lebenshaltungs- und Wohnkosten werden nicht anhand der Bedürfnisse einer behinderten Person berechnet.

Sie sagt: «Mein Leben ist in keiner Weise mit einer nicht oder nur leicht behinderten Person vergleichbar. Würde ich nicht zu Hause bei meinen Eltern wohnen, wäre ich schon längst pleite.» In der Nacht benötigt sie zum Schlafen eine Apnoe-Maschine, diese hilft gegen einen allfälligen Atemstillstand. Dieses Gerät, das Aufladen ihres elektrischen Rollstuhls, des elektrischen Betts und einen extra Badelifter treiben ihre Stromkosten hoch. «Das sind nur wenige von vielen Beispielen aus meinem beschwerlichen Leben», sagt sie. Seit ihrer Geburt ist Vanessa Grand auf den Rollstuhl angewiesen. Die Walliserin leidet an Osteogenesis imperfecta (Glasknochen). Dank Schmuse-Songs wie «Du bist meine Nummer 1» gehört die Sängerin zu den bekanntesten Behinderten der Schweiz. 2007 wurde ein Bild von ihr für die Schockkampagne zur Ablehnung der 5. IV-Revision missbraucht. Geld dafür erhielt sie nie.

Von der Musik zu leben, sei unmöglich. Einnahmen aus CD-Verkäufen und Auftritten decken nach eigenen Angaben in keiner Weise die Ausgaben und Spesen. Die Musik sei lediglich ein Hobby, sagt Grand: «Balsam für die Seele. Ich bin auf jeden Rappen angewiesen.» Darum will sie sich wehren und schrieb den Verantwortlichen der Walliser Ausgleichskasse bereits vor einem Monat einen Brief: Vanessa Grand will die Kürzung erklärt haben. Bis heute, auch nach mehrmaliger telefonischer Anfrage, erhielt sie keine plausible Antwort.

Die Anfrage unserer Zeitung wurde dagegen sofort beantwortet: «Im Grundsatz wird periodisch die finanzielle Situation der Bezüger überprüft. Entsprechend der finanziellen Veränderung werden die jährlichen Ergänzungsleistungen angepasst – nach oben oder nach unten», erklärt Bernard Vogel, Direktor der Ausgleichskasse. Grand hat für die Begründung kein Verständnis: «Ich habe weder eine Schenkung, einen Lottogewinn noch eine Erbschaft gemacht. An meiner finanziellen Lage hat sich nichts verändert, daher verstehe ich die Kürzung nicht.»

Manch anderer spaziere auf zwei gesunden Füssen mit mehr als 4000 Franken IV-Rente durchs Dorf, und auch andere Sozialfälle oder Zugewanderte, gar kriminelle, erhielten zum Teil weit höhere Beiträge als sie, ärgert sich Grand. Sie wolle nicht für sich persönlich jammern, sondern die Missstände aufzeigen, die in der Schweiz bestehen. «Missstände, die anscheinend unsere Politiker nicht in der Lage sind zu regeln. Das macht mich sehr traurig.»

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