Der Unternehmer aus Basel äussert sich über Fussball, Medien und Politik. Und er verrät, wann der nächste Steiner-Film ins Kino kommt.

Herr Burgener, Sie sind eine Art König im europäischen Show- und Sportbusiness. Wieso führen Sie Ihr Unternehmen ausgerechnet von Pratteln aus?
Bernhard Burgener: Da muss ich gleich korrigieren. Man nennt mich immer wieder «Mogul» oder «König». Das ist falsch. Ich bin Kaufmann, Unternehmer. Und habe mir in den letzten Jahren einen Traum verwirklicht, den ich als junger Mensch hatte: Ein Unternehmen aufzubauen, das in der Film-, Musik- und Sportwelt angesiedelt ist.

Woher kam dieser Traum?
Ich bin zweihundert Meter vom St.-Jakob-Stadion in Basel aufgewachsen. Ich spielte in einer Rockband, und nachdem ich in den frühen 60er-Jahren zum ersten Mal «Winnetou» gesehen hatte, wurde ich zum regelmässigen Kinogänger.

Noch einmal: Sie operieren in der glamourösen Filmwelt und haben Ihren Hauptsitz im nüchternen Industriegebiet von Pratteln. Ein harter Kontrast.
Ich habe das nie so betrachtet. Ursprünglich begann ich in Reinach BL. 1991 wurde der Gebäudekomplex gebaut, in dem wir uns jetzt befinden; wir sind also seit genau 20 Jahren hier. Immer in den gleichen Büroräumlichkeiten. Auch die Teppiche sind noch die gleichen und die Möbel in diesem Raum auch.

Ihnen wurden immer wieder Übernahmen angeboten, aber Sie haben meist abgelehnt. Wann greifen Sie zu?
Ich bin ein Freund von Marken. Für mich hatte beispielsweise der rote Schriftzug «Constantin Film» eine geradezu magische Anziehungskraft. Ähnlich war es, als wir die Chance bekamen, die Sportagentur Team zu kaufen, die für die Uefa die Rechte der Champions League und Europa League vermarktet. Man muss Chancen erkennen und zupacken.

Haben Sie nie überlegt, nach Zug oder Schwyz zu übersiedeln? Das wäre steuerlich interessanter als Pratteln.
Wir haben das Gegenteil gemacht. Unsere Highlight-Gruppe war bis 2005 in Pfäffikon im Kanton Schwyz domiziliert. Wir haben uns entschieden, den Holdingsitz nach Pratteln zu verlegen.

Weshalb?
Als Familienvater waren Geld und Steuern für mich nie ausschlaggebend. Ich wohne im Kanton Aargau und unser Holdingsitz ist im Kanton Baselland – beide Kantone gelten nicht gerade als Steuerparadiese. Ich weiss, dass ich anderswo mehr als 100 Prozent sparen könnte, das interessiert mich nicht. Viel wichtiger ist, dass sich meine Familie wohl fühlt und wir dort leben können, wo wir aufgewachsen sind. Dass also meine achtjährige Tochter und mein zwölfjähriger Sohn ihre Freunde und Kollegen haben und behalten können. Das Wichtigste im Leben sind für mich die Menschen. Auch im Geschäftsleben. Für mich sind die Mitarbeiter der wesentlichste Aktivposten. Das unterscheidet mich von Unternehmenskulturen, welche die Belegschaft in erster Linie als Kostenverursacher wahrnehmen.

Nach dem Verkauf der «Basler Zeitung» an Tito Tettamanti und Martin Wagner sassen Sie dort im Verwaltungsrat und haben den «BaZ»-Sitz von Basel ins steuergünstige Zug verlegt.
Machen Sie die Rolle, die ich in der «BaZ» gespielt habe, nicht grösser als sie war. Ich kam auf Wunsch meines langjährigen Freundes Martin Wagner in den Verwaltungsrat, aufgrund meiner Erfahrung auf dem Gebiet der elektronischen Medien. Es ging darum, eine starke unabhängige «BaZ» zu gestalten, die sowohl in der Region als auch gesamtschweizerisch stärker wahrgenommen wird. Die Wahl des Firmensitzes war eine Entscheidung der Aktionäre.

Sie selber hatten nie «BaZ»-Aktien?
Nein. Aber die «Basler Zeitung» liegt mir am Herzen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen, dass sie in Basel verwurzelt bleibt und nicht in Zürcher Hände gerät.

Wenn Ihnen die «BaZ» am Herzen liegt, dann müssten Sie sich jetzt engagieren. Denn sie ist drauf und dran, an die Wand gefahren zu werden. Moritz Suter erhält nach seinen eigenen Angaben korbweise Schmähpost von empörten Lesern und dem Chefredaktor laufen die Mitarbeiter davon.
Aus meiner Sicht hat sich bei der Zeitung gar nicht so viel geändert. Früher hatte die «BaZ» einen vielleicht eher linken Touch, was mich nicht gestört hat. Jetzt hat eine gewisse Verlagerung nach rechts stattgefunden. Früher waren die eher rechts eingestellten Leser nicht zufrieden, jetzt ist es vielleicht umgekehrt. Aber das heisst noch lange nicht, dass die Zeitung an die Wand gefahren wird.

Ohne Leser und ohne Redaktion ist es schwierig, eine Zeitung zu machen.
Mit Markus Somm als Chefredaktor änderte sich die Stimmung im Verlag und bei den Lesern. Tettamanti hat sich gegen den Vorschlag von Martin Wagner entschieden. Tettamanti hatte 75 Prozent der Aktien, Wagner nur 25 Prozent – da war klar, wer gewinnt. Der Entscheid für Somm war in Basel einfach too much. Wagner und ich haben das erkannt und haben deshalb die «BaZ» verlassen.

Wagner scheint etwas traumatisiert von dieser Erfahrung zu sein. Sie auch?
Nein, nein. Die jüngste Geschichte der «BaZ» wurde von den Konkurrenzmedien etwas gar ausführlich beschrieben. Aber jetzt hat sich die Aufregung wieder gelegt.

Wir haben einen andern Eindruck. Wagner hat die Geschichte selbst weitergeschrieben, indem er im «Sonntag» seine Erfahrungen als «BaZ»Präsident mit Berater Christoph Blocher öffentlich gemacht hat. Waren Sie überrascht von dieser Attacke?
Wagner und ich kommen aus der Unterhaltungsbranche.

Was wollen Sie damit sagen?
Wagner ist hochclever, ein liebenswerter Mensch und ein guter Freund. Ich habe geschmunzelt, als ich gelesen habe, wie er über das «Blocher-Prinzip» hergefallen ist. Denn ich kenne das «Wagner-Prinzip».

Erklären Sie es uns.
Wenn es darum geht, bei einer Übernahme die Integrationsprobleme an die Hand zu nehmen, dann brauche ich bloss Wagner zu rufen – und schon beginnen sich die Probleme zu lösen.

Sie meinen das jetzt ironisch?
Bei solchen Aufgabestellungen höre ich von meinen Mitarbeitern stets den Wunsch: Schicke bitte nicht Wagner, wir wollen mit dir reden. Aber eines muss man anerkennen: Wagner weiss, wie man Wirkung erzielt.

Er hat die Attacke gegen Blocher nur geritten, um in kurzer Zeit als Nationalratskandidat bekannt zu werden?
Er ist das jüngste FDP-Mitglied im Kanton Baselland und will nun einen Karrieresprung machen. Also erzählte er im «Sonntag» eine Anti-Blocher-Geschichte, von der er wusste, dass sie auf grosses Echo stossen würde. Wahltaktisch kann das funktionieren, es ist zumindest gute Unterhaltung. Er hat sich in Stellung gebracht: Es gibt schweizweit zig FDP-Kandidaten, die niemand kennt. Ihn kennt man jetzt.

Haben Sie das Herrn Wagner auch gesagt, dass er eigentlich nur gute Unterhaltung macht?
Nein, aber ich habe ihm gesagt, dass ich gespannt sei, wie er wieder von dieser Rolle wegkommt. Martin Wagner hat mich übrigens angefragt, ob ich in sein Wahlteam komme.

Und machen Sie es?
Nein. Er hat eine grosse Herausforderung angenommen. Ich sehe die FDP nicht gerade in einer guten Verfassung. Das Wahlrezept der Gegner von Christoph Blocher ist, an ihm persönliche Kritik zu üben. Dass die Kritik am meisten Blocher helfen könnte, übersehen die Eifrigen schnell einmal. Und es ist nicht auszuschliessen, dass dieses Vorgehen sich als «friendly fire» für die eigenen Reihen herausstellen könnte.

Welche Partei unterstützen Sie denn?
Ich stimme sachbezogen ab, habe auch schon die Haltung der SVP geteilt. Christoph Blocher hat aus der kleinsten Bundesratspartei die grösste und einflussreichste Partei der Schweiz gemacht. Er ist ein erfolgreicher Unternehmer, der auch vorbildlich seine Nachfolge geregelt hat. Die EMS-Gruppe ist seit Jahren erfolgreich und bietet vielen Menschen einen sicheren Arbeitsplatz. Bei Wahlen achte ich auf die Personen. Ich habe schon mehrere Parteien unterstützt.

Auch finanziell?
Ja.

Welche?
Bürgerliche Parteien. Als Unternehmer stehen mir diese Parteien näher, obwohl ich überzeugt bin, dass es auch die SP braucht.

Was ist das «Burgener-Prinzip»?
Es gibt kein «Burgener-Prinzip». Für mich gibts nur ein menschliches Prinzip. Bei mir steht immer der Mensch im Vordergrund. Auch im Unternehmen, das ist das Wichtigste. Meine Frau hat 20 Jahre in der Firma mitgearbeitet, der Finanzchef ist der Götti meines Sohns, der Leiter M&A der Götti meiner Tochter. Und Martin Wagner, unseren HeadLegal, lernte ich vor 21 Jahren kennen. Seitdem sind wir gute Freunde.

Inzwischen ist Ihre Unternehmensfamilie etwas angewachsen.
Charlie Chaplin hat 1919 United Artist gegründet, als Antwort auf die grossen Hollywood-Studios. Die vereinigten Künstler! Für mich ist Constantin Film «United Artists of Germany». Wir haben die führenden Filmschaffenden Deutschlands vereinigt: Bernd Eichinger, Bully Herbig, Sönke Wortmann, Oliver Berben, Uschi Reich. So haben wir uns über all die Jahre ein grossartiges Netzwerk aufgebaut.

Ein gutes Netzwerk allein ist noch kein Garant für ein gutes Geschäft.
Ich bin aus zwei Gründen so weit gekommen: Erstens, weil ich immer wieder unterschätzt wurde, und zweitens, weil ich die Künstler ihre Arbeit machen liess, ihnen nie im Weg stand – und gerade deshalb eigentlich immer wieder involviert und von ihnen angefragt wurde. Es ist eine Frage der Führung und des gegenseitigen Vertrauens: Künstler sind Menschen und wollen auch als solche wahrgenommen werden. Jetzt versuchen wir, das Gleiche in der Schweiz aufzubauen. Den Anstoss gab Michael Steiner.

Wann kommt Michael Steiners nächster Film ins Kino?
In der zweiten Jahreshälfte 2012. Wir haben soeben das Drehbuch beendet. Es ist eine Geschichte in Dialekt. Das Budget ist mit 2 bis 2,5 Millionen nicht einmal halb so gross wie bei «Sennentuntschi». Mehr kann ich nicht verraten. Wir planen, alle zwei Jahre einen Schweizer Spielfilm zu produzieren, ab 2015 dann einen pro Jahr.

Haben Sie den Kauf von Michael Steiners Kontraproduktion nie bereut?
Nein. Wir haben mit der Firma ja nicht nur «Sennentuntschi» übernommen, sondern sieben weitere gute Geschichten. Und bezahlt haben wir für die Firma gerade mal 10 Franken.

Und Forderungen in Millionenhöhe.
Ja, wir haben Geld eingeschossen, um Finanzierungslücken zu schliessen. Jetzt folgen die einzelnen Auswertungsstufen Kino, Home Entertainment, TV und internationale Verkäufe und in zwei bis drei Jahren sehen wir das Ergebnis.

Um Ihre Vertriebskette zu komplettieren, fehlt Ihnen noch ein Spielfilmkanal. Haben Sie Interesse an 3+?
Nein. Daran habe ich noch nie gedacht. Einen TV-Sender zu führen ist nicht einfach; ich mache derzeit meine Erfahrungen in Deutschland damit.

Über die Casino- und Spielautomaten-Firma Escor haben Sie und Martin Wagner neulich Interesse an Tele Züri angemeldet. Wir haben gehört, dass Sie eine Offerte von rund 20 bis 25 Millionen eingereicht haben. Stimmt das?
Dazu äussere ich mich nicht.

Was sind Ihre nächsten Filmprojekte?
Soeben haben wir die Rechte an Tarzan für einen Animationsfilm erworben. Im Herbst kommt «Drei Musketiere» ins Kino – mit Starbesetzung: Orlando Bloom, Christoph Waltz und Milla Jovovich. Dann planen wir «Pompeji». Das sind Filme mit Budgets von rund 60 bis 90 Millionen Dollar. Und natürlich ist auch «Resident Evil 5» in Planung. Mit Teil 4 waren wir in den USA, in England, Russland und in vielen anderen Ländern auf Platz 1. Das hat bisher noch nie eine deutsche Produktion geschafft. Das macht mir Freude. Ohne Bernd Eichinger würde es die Marke «Resident Evil» nicht geben.

Fehlt er Ihnen?
Als Freund, ja. Im Filmgeschäft ist er aber noch immer da. Denn seine Visionen und Filme leben weiter, wie «Resident Evil 5» oder «Fantastic Four». Und auch der Natascha-Kampusch-Film ist in Planung. Eichinger hat mit allen geredet, mit Natascha Kampusch, mit der Mutter, mit allen. Er war in der Recherche unglaublich, ein Workaholic. Das Buch wird jetzt jemand anderes beenden. Deshalb rechnen wir hier mit 12 Monaten Verspätung. Aber in der zweiten Hälfte 2013 sollte der Film ins Kino kommen.

Was ist mit «Winnetou»?
Ich habe den Film im Dezember 1963 zum ersten Mal gesehen. Und es ist ein Traum von mir, zum 50-Jahr-Jubiläum ein Remake zu machen. Konkret liegt aber noch nichts vor.

Sind Ihre Kinder auch «Winnetou»-Fans?
Ich habe alle Filme mit ihnen geschaut. Meine Kinder haben aber natürlich ganz andere «Spielzeuge»: Handy, Internet, Sony Playstation, Gameboy, Schlagzeug und Gitarre spielen. Ich hatte als Kind nichts von all dem. Bei uns gab es ein Radio, Bücher und die Märklin-Eisenbahn. Was kann man heute Kindern zeigen, um sie so zu beeindrucken, wie mich damals «Winnetou» beeindruckt hat? Ich weiss es nicht.

Gehen Sie noch oft ins Basler Fussballstadion?
Wenn ich Zeit habe, ja. Etwa sieben- bis achtmal pro Jahr.

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