1Herbert Bolliger (58) ist Präsident der Generaldirektion der Migros und somit Chef von mehr als 83000 Mitarbeitern. Gerade diese Woche stand er wieder im Scheinwerferlicht: Am Preisgipfel von Bundesrat Johann Schneider-Ammann (59) in Bern forderte Bolliger von der Nationalbank, den Wechselkurs festzulegen und diesen dann mit allen Mitteln zu verteidigen. Es gehe um die Sicherung von Arbeitsplätzen, um die Rezessionsgefahr, die nun akut im Raum stehe, so der Familienvater.

«Auf seine Leistung und seine Karriere bin ich sehr stolz», schwärmt Tochter Fabienne (25). «Aber als Kind eines so erfolgreichen und öffentlichen Vaters hat man es nicht immer einfach – der Druck und die Erwartungen an mich und meinen Bruder Marc sind gross.» Vor allem in der Schulzeit sei sie oft mit Vorurteilen, Gerüchten und Neid konfrontiert worden. «Das öffentliche Gymnasium war für mich eine schlimme Zeit. Ich wurde sehr viel gehänselt und schikaniert», erinnert sich die Aargauerin. «Meine Rettung war dann der Wechsel ins Internat, dort konnte ich mich auf die Schule konzentrieren.»

Fabienne Bolliger hat die Chance der Veränderung gepackt: Diesen Herbst wird sie ihren Master in Marketing, Dienstleistungs- und Kommunikationsmanagement an der Universität St.Gallen mit Bestnoten abschliessen. Den Bachelor in Betriebswirtschaft hat sie ebenfalls dort absolviert und diesen Monat ihren Arbeitsvertrag bei einem internationalen Markenführer in Genf unterschrieben. «Mit dieser Stelle ist ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen, ich freue mich sehr auf die neue Herausforderung.»

Den begehrten Marketing-Job hat sich Fabienne Bolliger aber nicht durch Vitamin B geangelt. Ihr Vater stehe ihr zwar stets als Mentor zur Seite und sie habe sich dadurch bereits ein beeindruckendes Netzwerk aufbauen können. Doch bei Praktikum- und Jobsuche sei sie immer auf sich alleine gestellt gewesen – ausser als sie nebenbei sieben Jahre an der Migroskasse arbeitete: «Es war eine gute Lebensschule und ich konnte mir dadurch das leisten, was mein Vater nicht unterstützt – nämlich überteuerte Markenartikel», so die attraktive Single-Frau. «Mir ist wichtig, dass ich als Fabienne überzeuge und ich will meine eigene Karriere forcieren. Zuerst muss ich mich aber in der Berufswelt beweisen, viel dazulernen und über meine Grenzen hinauswachsen.»

Die volle Unterstützung hat sie nicht nur von ihrem berühmten Vater, sondern auch von ihrer Mutter Beatrice – und dafür sei sie sehr dankbar. Aufgrund der sehr guten Erziehung, der Liebe und dem Vertrauen ihrer Eltern sei sie zu dieser bodenständigen und zielstrebigen Person geworden: «Heute bin ich mir meiner privilegierten Situation bewusst und weiss, dass nichts im Leben selbstverständlich ist», sagt Fabienne Bolliger. «Und ich kann nun ganz gut damit leben zu wissen, dass ich immer ein Migros-Kind sein werde.»

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