Thomas Sterchi (44) sitzt in seinem grossen offenen Büro-Loft im alten Fabrikgebäude am trendigen Paul-Lincke-Ufer im Berliner Ortsteil Kreuzberg und schwärmt: «In Berlin herrscht nach wie vor eine mitreissende Aufbruchsstimmung. Die Stadt ist ein Schmelztiegel und ist in vielen Themenbereichen in Europa wohl mittlerweile führend», sagt der gebürtige Berner. «Zudem hat die Stadt ein pulsierendes Kultur- und Nachtleben-Angebot. Hier wird es einem garantiert nie langweilig.»

In Berlin hat Sterchi mit seiner neu gegründeten Internet-Start-up-Firma «Twisper» viel vor: Auf Twisper folgt man Leuten, deren Geschmack man teilt, und kommt so zu persönlichen Tipps für Hotels, Restaurants und Bars. Die Zeiten, als wir der Kritik von Unbekannten auf Tripadvisor vertrauten, soll also bald vorbei sein. «Wir wollen unser Angebot zum führenden Netzwerk und Kompass für den anspruchsvollen Business- und Freizeitreisenden sowie aktiven urbanen Gastroliebhaber ausbauen», kündigt der Schweizer an.

Noch gibt es erst eine Beta-Version von der Twisper-App, in der zweiten August-Hälfte soll es dann aber «richtig losgehen». Derzeit arbeiten im Berliner Büro 20 Mitarbeiter auf Hochtouren an der Lancierung. Nach eigenen Angaben investiert Thomas Sterchi einen grösseren einstelligen Millionenbetrag in das Projekt. Mit im Boot als Geschäftspartner sind David de Brito und Darius Moeini. «Sie schmeissen den Laden hier», sagt Sterchi, der vor allem für die Strategie verantwortlich ist und die Idee hatte.

Wie man mit einem Internet-Projekt viel Geld verdienen kann, hat der smarte Unternehmer bereits bewiesen: Thomas Sterchi galt 2007 als Durchstarter des Jahres, als er die von ihm gegründete Stellenvermittlungsplattform jobs.ch für einen «dreistelligen Millionenbetrag» an die New Yorker Beteiligungsgesellschaft Tiger Global verkaufte. Letztes Jahr übernahmen dann die Schweizer Verlagshäuser Tamedia und Ringier den Marktleader in der Online-Stellen-Branche zum Preis von 390 Millionen Franken.

Obwohl Thomas Sterchi über Nacht reich wurde, hat er nie aufgehört, zu arbeiten. 2007 rief er das «Zermatt Unplugged» ins Leben – mittlerweile hat sich das Akustik-Festival am Fuss des Matterhorns etabliert und lockt jedes Jahr grosse Namen ins Wallis.

Seine Geschäftsaktivitäten hat Thomas Sterchi in seiner Tom Talent Holding gebündelt, die rund 150 Mitarbeiter beschäftigt. Er ist vorwiegend in den Geschäftsbereichen Internet, Gastronomie und Film tätig. Als Filmunternehmer beteilige er sich mit seiner Firma Millbrook Pictures an den Filmen «W.» über Präsident George W. Bush oder «A Dangerous Method» mit Keira Knightley in der Hauptrolle. Seit 2008 ist Sterchi auch am renommierten Zürich Film Festival beteiligt und hat den Aufbau des Anlasses mitfinanziert und geprägt. Auch die Firma Cinergy GmbH («Cineman» und «Teleboy») gehört dem Unternehmer.

Seine berufliche Laufbahn startete Sterchi bei der Militärpferdeanstalt des Bundes. Nach der KV-Lehre absolvierte er einen Auslandaufenthalt in den USA. Auf die Frage, ob es bereits schon Übernahmeangebote für sein neues Projekt Twisper gibt, wiegelt Sterchi ab: «Erste Venture-Capital-Firmen haben Interesse angemeldet. Das ist aber kurzfristig kein Thema.»

Geld stehe bei ihm nicht im Vordergrund, er träume nicht mehr von Millionen. «Weder von denen, die ich gewonnen habe, noch von jenen, die schon zerronnen sind. Was mich antreibt, sind vor allem spannende Projekte und interessante emotionale Beziehungen.»

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