Christa Rigozzi, haben Sie schon alle Weihnachtsgeschenke eingekauft?
Christa Rigozzi: Letzte Woche war ich mit meinem Mann und einer Freundin für einen Shopping-Trip in New York. Wahnsinn, wie viele Geschäfte es dort gibt. Nun habe ich die meisten Präsente beisammen. Was ich aber meinem Mann schenke, verrate ich nicht. Denn er liest ab und zu den «Sonntag».

Häufig gehen Beziehungen im Miss-Schweiz-Jahr in die Brüche. Sie aber sind immer noch mit Ihrem Mann zusammen. Was ist Ihr Geheimnis?
Als ich 2006 zur Miss Schweiz gekrönt wurde, waren wir schon sieben Jahre zusammen und hatten daher eine gute Basis für diese grosse Veränderung. Wir vertrauen einander blind und können jederzeit über alles reden. Das ist wichtig, denn viele Missen-Beziehungen scheiterten aus Eifersucht.

War Ihr Mann denn nie eifersüchtig?
Wenn jemand eifersüchtig ist, dann ich! Das versuche ich zwar so gut es geht zu verbergen, doch wenn mich etwas stört, kann ich wie eine Verrückte herumschreien und eine richtige Szene machen. So gut es geht aber nicht in der Öffentlichkeit.

Treue ist Ihnen extrem wichtig.
Es ist doch so: In der Ehe geht es um Liebe, Respekt und vor allem darum, treu zu sein. Ich bin absolut monogam und hatte noch nie Sex mit einem anderen Mann. Wir waren zwar einmal sechs Monate getrennt – das liegt sieben Jahre zurück –, aber auch da war ich nie mit einem anderen Mann zusammen. Auch wenn ich damals oft traurig war, hat uns die Pause gutgetan. Vieles ist vor der Trennung zur Routine geworden. Umso schöner war es, wieder zusammenzukommen.

Dann können Sie jetzt die Familienplanung vorantreiben. Wann wird Christa Rigozzi Mami?
Also, schwanger bin ich noch nicht (lacht). Aber ich möchte schon mal Kinder haben. Jedoch nicht, bevor ich 30 werde. Zurzeit möchte ich mein Leben einfach nur geniessen und Karriere machen. Ausserdem bauen wir gerade oberhalb von Bellinzona ein Haus.

Warum gerade jetzt?
Meine Mama hat uns ein schönes Grundstück geschenkt, was für ein Glück. Darum und auch wegen der tiefen Zinsen haben wir uns entschieden, jetzt zu bauen. Ich hätte niemals gedacht, mit 28 schon Hausbesitzerin zu sein. Im Sommer ist es fertig und wir freuen uns extrem.

Wie teuer wird Ihr Traumhaus?
Es ist eine sehr grosse Investition – und darum arbeite ich ja die ganze Zeit. Es ist sicher kein Schloss, aber wir werden einen grossen Garten mit Swimmingpool haben und auf rund 400 Quadratmeter wohnen. Zwei Kinderzimmer sind auch eingeplant. Am liebsten möchte ich einmal ein Mädchen und einen Buben.

Wie stellen Sie sich das Familienleben vor – hören Sie dann gar auf zu arbeiten?
Auf gar keinen Fall, das würde mich verrückt machen. Ich wäre dann keine gute Mutter und auch keine gute Ehefrau mehr. Aber sicher werde ich nicht mehr so viele Angebote annehmen. Die Schweiz ist glücklicherweise klein, da kann ich problemlos nach Zürich fahren und am gleichen Tag wieder zurück.

Noch arbeiten Sie ununterbrochen. Worauf freuen Sie sich 2012 besonders?
Schon im Januar bin ich bei der zweiten Staffel der «Grössten Schweizer Talente» wieder in der Jury. Ansonsten wünsche ich mir ein bisschen mehr Freizeit, so dass ich auch wieder richtig Sport treiben kann. Sport tut der Seele gut. Das nehme ich mir aber jedes Jahr vor, doch bisher habe ich es leider noch nie geschafft.

Und worüber haben Sie sich 2011 geärgert?
Ärgern musste ich mich glücklicherweise nicht viel. Traurig machte mich allerdings, dass die Quoten der Miss-Wahl dieses Jahr wieder stark gesunken sind. Denn ich bin stolz darauf, Miss Schweiz gewesen zu sein. Es war eine tolle Plattform und ich habe den Machern viel zu verdanken. Allerdings verstehe ich es, dass das Schweizer Fernsehen die Show abgesetzt hat – es muss sich etwas ändern am Format.

Was schlagen Sie vor?
Vielleicht müsste man die Kandidatinnen schon viel früher begleiten – so wie zum Beispiel bei «Deutschland sucht den Superstar». Castingshows funktionieren in allen Ländern. Da könnte man ansetzen, damit die Zuschauer eine Beziehung zu den Finalistinnen aufbauen und richtig mitfiebern.

Dann wären Sie eine ideale Jurorin einer neuen Miss-Schweiz Castingshow.
Ich kenne mich im Metier gut aus und könnte mich in die Kandidatinnen hineinversetzen – dass wäre sicher ein Vorteil. Zuerst muss die Miss-Schweiz-Organisation aber ein Konzept erarbeiten und TV-Partner finden. Das Problem begrenzt sich zum Glück auf die TV-Plattform, denn die Sponsoren sind ja noch da und stehen hinter der Marke Miss Schweiz.

Wenn wir schon bei Schönheitswahlen sind: Was halten Sie von Schönheitsoperationen?
In Italien gibt es einen Trend, bei dem bereits Minderjährige Schönheitsoperationen geschenkt bekommen. Das ist total daneben. Wenn im Erwachsenenalter aber jemanden etwas extrem stört und er zum Beispiel mit einer schöneren Nase glücklicher ist, warum nicht? Für mich kommt es im Moment nicht infrage. Ganz ausschliessen will ich es aber nicht, vielleicht mache ich ja in zehn Jahren ein Lifting. Falten können aber sehr charmant sein, wie zum Beispiel bei Stefanie Glaser. Sie war eine so wundervolle und schöne Frau.

Sind Sie stolz, Schweizerin zu sein?
Ja, ich bin Patriotin und will mein Leben hier verbringen. Demokratie, soziale Stabilität und die schweizerische Zuverlässigkeit geben mir Sicherheit. Darum baue ich im Tessin ein Haus.

Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen der Bundesratswahlen? Hätte die SVP ein Anrecht auf einen zweiten Bundesratssitz gehabt?
Dass fast alles beim Gleichen geblieben ist, finde ich gut. Soweit ich es von aussen beurteilen kann, hat Frau Widmer-Schlumpf einen seriösen Job gemacht. Deshalb ist es mir lieber, sie bleibt im Amt. Mit einer Politik, wie sie die SVP praktiziert, kann ich nicht viel anfangen.

Wie stehen Sie zu Christoph Blocher?
Herrn Blocher habe ich schon mehr-mals an Veranstaltungen getroffen. Er war immer sehr sympathisch im persönlichen Gespräch. Ich respektiere ihn sehr für seine beruflichen Leistungen, habe aber einfach andere politische Ansichten als er. Er hatte aber auch einige gute Ideen, denn auch ich würde niemals der EU beitreten wollen.

Gibt es weitere Beispiele?
Kriminelle Ausländer sollten ausgeschafft werden. Wer hierherkommt, muss sich integrieren und unsere Kultur und die Gesetze respektieren. Als ich 2008 für die schweizerische Stiftung gegen Minen in Afghanistan und Tadschikistan war, bin ich auch nicht im Minirock rumgelaufen und habe gesagt, in der Schweiz machen das die Frauen aber so. Man muss sich der Kultur anpassen. Hetz-Kampagnen à la SVP, die gegen alle Ausländer zielen, sind jedoch unterste Schublade.

Wo ordnen Sie sich denn politisch ein?
Ich bin in der Mitte, gehöre aber keiner Partei an. Je nach Thema kann ich mich mit verschiedenen Politikern und Parteien identifizieren.

Würden Sie auf der Strasse mit einer Gewerkschaft mitdemonstrieren?
Auf einer Demo wird man mich nie sehen. Ich vertrete hartnäckig meine Position, muss dafür aber nicht auf die Strasse gehen. Zudem ziehe ich immer den Dialog vor.

Also wird man Sie auch nie bei Occupy Paradeplatz sehen?
In New York habe ich den Ort der Bewegung besucht. Ich wollte sehen, wie die Leute demonstrieren, und habe Fotos gemacht. Aber selber beteiligt habe ich mich nicht. Ich bin zwar eine temperamentvolle Tessinerin, aber was das betrifft, eher ruhig.

Mit welcher Partei können Sie sich am ehesten identifizieren?
Tut mir leid, das sage ich nicht.

Als Tessinerin ist doch Ihre Entscheidung klar . . .
Sie meinen, ich sympathisiere mit der Lega? Nein. Wie gesagt, ich gehöre der Mitte an.

Fühlen Sie sich als Tessinerin also nicht vom Rest der Schweiz ausgegrenzt?
Überhaupt nicht, ich habe ja nicht nur im Tessin gelebt, sondern auch in Freiburg und Bern. Dort habe ich schon als 18-Jährige zum ersten Mal das Bundeshaus besucht. Da wurde auch erstmals mein politisches Interesse richtig geweckt.

Sie reden über Politik, als wäre es das Normalste der Welt. Können Sie sich vorstellen, in die Politik zu gehen?
Otto Ineichen hat mich schon oft angefragt. Ich bekomme ab und zu Angebote – nicht nur die FDP, auch die CVP will mich.

Dann sehen wir Sie in vier Jahren als Nationalratskandidatin?
Wie Roger Federer, der nichts davon wusste. Im Moment ist das sicher keine Option für mich, ich will als Bürgerin an der Politik teilnehmen und gehe immer abstimmen. Aber man weiss ja nie im Leben, vielleicht irgendeinmal später.

Selbst als Bundesrätin würden Sie dann aber weniger verdienen als 2007, wo Sie sagenhafte 580 000 Franken kassierten.
Eben, es lohnt sich ja gar nicht, in die Politik einzusteigen (lacht). Nein, so viel wie in meinem Amtsjahr verdiene ich heute natürlich lange nicht mehr. Aber es reicht, um unser Haus zu finanzieren und ein gutes Leben zu führen.

Glauben Sie an Gott?
Ja. Ich bete oft. Vor allem in traurigen Momenten. Und ich bete ich für die Menschen, die ich liebe.

Wie sieht es mit Übersinnlichem aus?
Abergläubisch bin ich sehr, aber bei allem anderen bin ich mir nicht sicher. Aber das Thema interessiert mich, und ich möchte gerne einmal mehr Zeit verbringen, um mich darin zu vertiefen.

Ist das der Grund, dass Sie an der Universität auch Kriminologie studiert haben? Verbrechen und
Morde assoziiert man nicht mit einer Ex-Miss-Schweiz.

Vielleicht hat es ein paar doofe Schönheitsköniginnen gegeben und sicher auch peinliche Momente bei Interviews. Aber nur weil einige das Matterhorn oder die Bundesräte nicht erkennen, heisst das nicht, dass sich jede Miss nur mit Schönheitsidealen beschäftigt. Kriminologie habe ich aus reinem Interesse studiert. Ich finde es spannend, was im Kopf der Menschen vorgeht. Besonders, wenn sie solche schrecklichen Dinge tun. Das Thema fasziniert mich einfach, und darum schaue ich mir auch immer TV-Serien wie «CSI» oder «Criminal Minds» an. Eine Kommissarin wird aus mir aber nicht.

Haben Sie Angst vor dem Tod?
Überhaupt nicht. Viel schlimmer wäre es für mich, wenn ein nahestehender Mensch stirbt. Da bin ich vielleicht ein wenig egoistisch. Mir wäre es lieber, zuerst zu sterben, als trauernd zurückzubleiben. Was Abschiede betrifft, bin ich sehr empfindlich und emotional.

Sprechen Sie aus Erfahrung?
Im Januar 2007 habe ich meinen Grosspapa verloren – das war kurz nach meiner Ernennung zur Miss Schweiz. Ich war damals in einem Riesen-Hoch und viel unterwegs. Als der Anruf kam, er sei gestorben, war ich am Boden zerstört. Noch heute betrachte ich es als grosse Niederlage, dass ich ihm nie sagen konnte, wie sehr ich ihn geliebt habe.

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