VON PATRIK MÜLLER

Herr Roderer, was für Reaktionen hatten Sie auf Ihre Heirat?
Walter Roderer: Auf der Strasse und überall hat man mir gratuliert. Was die Presse betrifft, so hoffe ich, dass der ganze Rummel bald vorbei ist.

Warum haben Sie fünf Jahre gewartet, bis Sie die Heirat bekannt gaben?
Ich wollte nicht, dass es falsch aufgefasst ist: «Der alte Lüstling – er 90, sie 30 – das ist ja grausam.» Ich wusste, dass bei den Leuten solche Gedanken aufkommen, und das wollte ich verhindern. Deshalb sagte ich es niemandem, ausser einem einzigen Freund.

Der «Tages-Anzeiger» schrieb: «Roderer heiratete Grossnichte, um Steuern zu umgehen.» Sie sparen durch die Ehe die Erbschaftssteuern.
Als ich mich entschloss, zu heiraten, dachte ich überhaupt nicht an die Steuern. Jetzt sehe ich: Es ist ein wunderbarer Nebeneffekt. Und es ist ausserdem legal.

Sie gelten als sparsam bis geizig, da könnten doch die Steuern schon eine Rolle gespielt haben?
Es wird viel dummes Zeugs geschrieben. Wir haben aus Liebe geheiratet. Aber es ist keine Liebe wie bei anderen Ehepaaren. Es ist eine platonische Liebe.

Was wollen Sie sich mit Ihrer Frau noch für Träume erfüllen?
Wir gehen oft fort. Jedes Jahr verbringen wir vier Tage in Venedig zusammen. Es liegt immer noch drin, Reisen zu machen – auch grosse Reisen. Ich war praktisch in jeder Stadt der Welt, aber noch nie in Dubai. Das ist nach wie vor ein Traum: Ich möchte Dubai gern mit anderen Städten vergleichen, etwa mit Venedig, das interessiert mich aus architektonischen Gründen.

Also reisen Sie bald nach Dubai?
In letzter Zeit wurde viel Negatives über Dubai geschrieben, sodass ich im Moment keine Lust habe, dorthin zu reisen. Aber Dubai ist und bleibt ein Ziel. Und nicht das einzige, da gibts noch einiges, das ich sehen möchte. Doch ich muss schon aufpassen. Ich werde älter.

Aber Sie sind bei guter Gesundheit.
Es geht mir gut, ich fahre auch nach wie vor Auto.

Sie sind noch immer mit Ihrem Bentley unterwegs?
Ja. Und mit dem Audi. Ich habe zwei Wagen. Den Bentley brauche ich nicht, um im Dorf einen Cervelat einkaufen zu gehen (lacht).

Sie haben keine Kinder. Ist es ein Traum von Ihnen, doch noch eines Tages Vater zu werden?
Ich habe auch deshalb geheiratet, weil ich keine Kinder habe. Ich betrachte Anina als Kind. Selber Vater werden – das möchte ich nicht. Für die paar Jährchen, die ich noch lebe, muss ich keinen Menschen auf die Welt stellen.

Ihre Frau hält sich oft in Italien auf. Handelt es sich um eine Fernbeziehung?
Sie ist nur vorübergehend in Italien. Sie hat Italien gern, sehr gern, und hält sich immer wieder dort auf, um Sprachen zu lernen. Aber sie wohnt schon bei mir, sie ist immer wieder da. Sie ist nicht angemeldet in Italien.

Was hat sie beruflich für Pläne?
Sie war Tänzerin (an der Berliner Staatsoper, die Red.), jetzt lernt sie verschiedene Sprachen, damit sie auch auf anderen Gebieten tätig sein kann. In ihrem Alter muss eine Tänzerin den Beruf wechseln, sonst wird sie eines Tages gnadenlos entlassen.

Reizt es Sie manchmal auch, in Ihrem Beruf als Schauspieler wieder aktiv zu sein?
Absolut. Wenn ich ins Theater gehe, würde ich am liebsten auf die Bühne springen. Aber ich war ja selbstständiger Unternehmer, und meine Tourneen liefen zwei oder drei Jahre. Als die letzte fertig war, musste ich mir überlegen: Will ich nun eine neue Produktion auf die Beine stellen, wird Walter Roderer noch immer alle Häuser füllen? Dannzumal war die Branche etwas in der Krise. Ich hörte mit vollen Häusern auf.

Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen eine Filmrolle angeboten würde?
Also, wenn Hollywood anruft . . . (lacht)

Das Schweizer Fernsehen wäre nicht gut genug?
Ich schaue oft Schweizer Fernsehen. Sie haben ein paar gute Sendungen. Aber am liebsten schaue ich Fussball.

Sie waren politisch immer interessiert und kämpften 1992 gegen einen EWR-Beitritt der Schweiz. Das wird jetzt wieder zum Thema. Wie beurteilen Sie einen Beitritt heute?
Es hat sich gewandelt. Damals war es eindeutig: Der EWR wäre ein erster Schritt in die EU gewesen. Wie es heute wäre, das muss man neu anschauen.

Wie nehmen Sie die Schweiz generell wahr?
Es passieren in der Schweiz schlimme Sachen, ganz schlimme – aber in jedem anderen Land noch schlimmere. Darum halte ich die Schweiz vor für das beste und schönste Land. Der Staatsaufbau und die Demokratie sind einmalig.

Sie sind mit 90 noch topfit. Was ist Ihr Rezept?
Ich lebe gesund, schwimme jeden Tag trinke kaum Alkohol – nur nachts, vor dem Zubettgehen. Da trinke ich einen rechten Whisky.

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