Präsident Bill Clinton: Ich bin hier, um einen Präsidenten zu nominieren. Und ich denke an jemanden ganz Besonderen.

Ich will einen Mann nominieren, der in seinem Leben eine gute Portion Not und Unsicherheit durchgemacht hat. Ich will jemanden nominieren, der für das Präsidentenamt kandidierte, um eine bereits schwache Volkswirtschaft wieder anzukurbeln und der bloss sechs Wochen vor seiner Wahl mit ansehen musste, wie diese den grössten Kollaps seit der Weltwirtschaftskrise durchmachte; ein Mann, der das Abgleiten in eine lange Krise verhinderte und uns zurück auf den langen Weg zum Aufschwung brachte.

Ich will einen Mann nominieren, der nach aussen kühl wirkt, der aber im Innern für Amerika brennt.

Ich will einen Mann, der ohne Zweifel daran glaubt, dass wir eine neue Wirtschaftsordnung bauen können, die den amerikanischen Traum verkörpert, und durch Innovation und Kreativität, Bildung und – genau! – Kooperation angetrieben wird.

Und ich will einen Mann, der so gescheit war, Michelle Obama zu heiraten.

Ich will, dass Barack Obama nächster Präsident der Vereinigten Staaten wird. Und deshalb nominiere ich ihn stolz als Bannerträger der Demokratischen Partei.

In Tampa haben wir gehört, dass der Präsident und die Demokraten nicht wirklich an die freie Marktwirtschaft und an den Unternehmensgeist des einzelnen glaubten.

Dies Republikaner behaupten – in ihrem Alternativ-Universum –, dass jeder von uns, der es zu etwas gebracht hat, dies komplett ohne Hilfe geschaffen hat. Einer der grössten Parteichefs der Demokraten pflegte zu sagen, dass jeder Politiker behaupte, er sei in einer einfachen Blockhütte geboren worden, die er selbst gebaut habe. Aber das stimmt nicht.

Wir Demokraten glauben, dass unser Land besser funktioniert mit einer starken Mittelklasse, mit wirklichen Chancen für arme Menschen, die nach oben wollen, mit einem unnachgiebigen Fokus auf die Zukunft, und mit einer Geschäftswelt und einer Regierung, die zusammenarbeiten, um Wachstum und Prosperität für alle begünstigen. Genau, wir glauben, dass «wir sind alle im selben Boot» eine viel bessere Philosophie ist als «jeder für sich allein».

Wer hat recht? Nun, seit 1961, in den vergangenen 52 Jahren, hielten die Republikaner das Weisse Haus für 28 Jahre, die Demokraten für 24. In diesen 52 Jahren hat die Privatwirtschaft 66 Millionen neue Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft produziert.

Und wie sieht die Bilanz aus? Die Republikaner 24 Million, Demokraten 42 Millionen.

Dafür gibt es einen guten Grund. Der Ausbau der Chancengleichheit und die wirtschaftliche Eigenverantwortung ist sowohl moralisch das Richtige als auch gut für die Wirtschaft. Warum? Weil Armut, Diskrimination und Ignoranz das Wachstum drosselt. Wenn man das menschliche Potenzial erstickt, wenn man nicht in neue Ideen investiert, dann leiden darunter nicht nur die direkt betroffenen Menschen; es betrifft uns alle.

Nun ist mir letztlich etwas aufgefallen. Vielleicht kommt das daher, dass ich in einer anderen Zeit aufgewachsen bin, aber obwohl ich häufig anderer Meinung bin mit den Republikanern, bin ich nie dazu übergegangen, sie zu hassen, so wie der rechte Flügel, der die Partei kontrolliert, unseren Präsidenten und viele andere Demokraten zu hassen scheint. Das wäre für mich unvorstellbar.

Hier ist meine Botschaft an die Menschen zu Hause. In harten Zeiten, wenn die Menschen frustriert und wütend sind, und Leid und Unsicherheit herrscht, mag es politisch vorteilhaft sein, ständig zu kämpfen. Aber was gut für eine Partei ist, funktioniert nicht zwingend in der richtigen Welt. In der richtigen Welt funktioniert Zusammenarbeit.

Warum ist dies der Fall? Warum funktioniert Kooperation besser als Konflikt?

Weil niemand ständig recht hat, und eine kaputte Uhr zweimal pro Tag die korrekte Zeit angibt.

Und jeder von uns verbringt sein Leben zwischen diesen beiden Extremen, wissend, dass wir nie ständig recht haben und hoffend, dass wir mehr als zwei Mal pro Tag etwas Richtiges sagen.

Leider teilt die Faktion, die nun die Republikanische Partei dominiert, diese Meinung nicht. Sie glaubt, dass die Regierung immer der Feind ist, dass sie immer recht hat, und dass Kompromisse ein Zeichen der Schwäche sind.

Präsident Obama setzt sich immer noch für konstruktive Zusammenarbeit ein. Dies ist einer der Hauptgründe, wieso wir ihn wiederwählen sollten. Schaut seine Bilanz an! Er ernannte einen republikanischen Verteidigungs-, Heeres- und Verkehrsminister. Er ernannte einen Vizepräsidenten, der 2008 gegen ihn kandidiert hatte.

Präsident Obama ernannte mehrere Kabinettsmitglieder, obwohl diese in den Vorwahlen Hillary unterstützt hatten. Zum Henker, er ernannte gar Hillary. (Tosender Applaus).

Ich bin sehr stolz auf sie. Ich bin sehr stolz auf die Arbeit, die sie und ihr Sicherheitsstab leisten. Ich bin dankbar für die auf Respekt und Zusammenarbeit beruhenden Beziehung, die sie und der Präsident aufgebaut haben, und das Signal, dass sie damit an den Rest der Welt aussenden. Eine Demokratie muss keine Kampfsportart sein.

Präsident Obamas Verdienste in der Sicherheitspolitik sind ein Zeugnis seiner Stärke, seiner Entscheidungskraft und seiner Präferenz für Zusammenarbeit anstelle von Parteilichkeit.

Nun wissen wir alle, dass er mit den Republikanern im Parlament auch auf den Feldern Gesundheitspolitik, Schuldenreduktion und Stellenschaffung zusammen arbeitete. Aber das hat nicht ganz so gut funktioniert. Dies könnte daran liegen, dass der Anführer der Republikaner im Senat in einem offenherzigen Moment sagte, dass oberste Priorität nicht die Rückkehr von Amerika an die Arbeit haben werde, sondern die Entlassung von Präsident Obama. Senator, tut mir leid, dass ich Ihnen das so direkt sagen muss, aber Präsident Obama wird seinen Job behalten.

In Tampa… Habt Ihr Euch den Wahlparteitag angeschaut? Ich habe. In Tampa haben die Republikaner einen einfachen Grund dafür geliefert, wieso der Präsident nicht wiedergewählt werden sollte. Das war recht einleuchtend und ging etwa so: Wir hinterliessen ihm ein totales Durcheinander. Er hat es nicht schnell genug aufgeräumt. Also feuert ihn und holt uns wieder zurück.

Nun, sie schauten gut aus, sie klangen gut. Sie überzeugten mich, dass sie ihre Familie und ihre Kinder liebten. Das ist wichtig, sie überzeugten mich davon, dass sie ehrbare Menschen sind, die glauben, was sie sagen, und dass sie an all ihren Bekenntnissen festhalten werden. Nun müssen wir bloss dafür sorgen, dass das amerikanische Volk weiss, wie diese Bekenntnisse aussehen – denn um sich als akzeptable, vernünftige, moderate Alternative zu Präsident Obama zu präsentieren, sprachen sie nicht sehr viel über ihre Ideen.

Sie wählten diese Strategie, weil diese veralteten Ideen uns überhaupt erst in Schwierigkeiten gebracht haben. Sie wollen die Steuern für gutverdienende Amerikaner kürzen, noch stärker als dies Präsident Bush wollte. Sie wollen die störenden Auflagen für die Finanzbranche abschaffen, die einen erneuten Zusammenbruch verhindern sollen. Sie wollen die Verteidigungsausgaben in den nächsten zehn Jahren erhöhen. Und sie wollen enorme Einschnitte in den Rest des Budgets manchen, vor allem in staatliche Programme, von denen die Mittelschicht und arme Kinder profitieren.

Wie ein anderer Präsident einst sage: Sie können es nicht lassen.

Ich muss Euch eingestehen, dass ich die Argumente für Präsident Obamas Wiederwahl viel besser finde. Hier sind sie: Er fand eine stark beschädigte Volkswirtschaft vor, bremste den Absturz, und begann den langen, harten Weg zurück zum Aufschwung. Er legte das Fundament für eine moderne, ausbalancierte Volkswirtschaft, die Millionen von neuen Stellen produzieren wird, neue dynamische Unternehmen und viel Reichtum für Innovatoren.

Nun, sind wir bereits, wo wir sein möchten?

Publikum: Nein!

Clinton: Ist der Präsident zufrieden? Natürlich nicht.

Aber geht es uns besser als damals, als er das Amt übernahm?

Hört gut zu: Als Präsident Obama sein Amt übernahm, befand sich die Volkswirtschaft im freien Fall. Der Einbruch betrug 9 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Wir büssten 750.000 Stellen pro Monat ein

Geht es uns heute besser?

Die Antwort ist Ja. Aber hier ist die Herausforderung, die sich uns stellt. Ich kenne das Problem. Ich begreife es. Ich befand mich einst in der gleichen Situation. Viele Amerikaner sind immer noch wütend und frustriert über die Wirtschaftslage. Wenn man aber die Zahlen anschaut, dann sieht man, dass Stellen geschaffen werden, und Banken wieder Kredite geben. Und an vielen Orten erholt sich sogar der Immobilienmarkt.

Aber zu viele Menschen merken davon noch nichts.

Dies erinnert mich an das Jahr 1994 und 1995. Damals konnten wir sehen, dass unsere Politik funktioniert, dass die Wirtschaft wächst. Aber die Menschen spürten es noch nicht. Zum Glück brummte die Wirtschaft im Jahr 1996. Der Unterschied lässt sich mit den äusseren Umständen begründen. Präsident Obama startete mit einer viel schwächeren Wirtschaft als ich. Hört mir nun gut zu: Kein Präsident – kein Präsident, nicht ich, keiner meiner Vorgänger, niemand hätte in bloss vier Jahren alle Schäden reparieren können.

Aber er hat das Fundament für eine neue moderne, erfolgreiche Wirtschaft mit Wohlstand für alle gelegt. Und wenn ihr den Vertrag mit dem Präsidenten erneuert, dann werdet ihr es spüren. Ihr werdet es spüren!

Leute, ob das amerikanische Volk glaubt, was ich gerade gesagt, dies könnte die Wahl entscheiden. Ich glaube es, von ganzen Herzen.

Warum ich es glaube? Ich glaube, dass Präsident Obama Vorgehen die Werte, die Ideen und die Richtung verkörpert, die Amerika einschlagen muss, um eine zeitgemässe Version des amerikanischen Traums zu erstellen.

Nun, lasst uns über den Schuldenberg sprechen. Wir müssen das längerfristige Schuldenproblem lösen, oder es wird uns zu schaffen machen.

Was hat der Präsident gemacht? Er hat einen vernünftigen Plan vorgeschlagen, der eine Reduktion des Schuldenbergs um 4000 Milliarden Dollar während der nächsten zehn Jahre vorsieht.

Das ist viel besser als der Vorschlag von Gouverneur Romney. Denn dieser besteht die Probe aufs Exempel nicht. Die Zahlen machen keinen Sinn.

Schaut es Euch an. Was würdet Ihr machen, wenn Ihr dieses Problem hättet? Jemand sagt, wir haben ein grosses Schuldenproblem. Ihr fragt, wie sollen wir dies lösen? Und die anderen sagen, nun, zur Reduktion des Schuldenbergs werden wir erneut 5000 Milliarden Dollar an Steuersenkungen bewilligen, von denen vor allem die Super-Reichen profitieren. Also graben wir ein tieferes Schulden-Loch, bevor wir das Problem lösen.

Nun sagt Ihr, was machen wir denn mit den 5000 Milliarden Dollar, um die wir den Schuldenberg gerade erhöht haben? Die Gegenseite sagt, oh, kein Problem, wir streichen die Schlupflöcher im Steuerrecht.

Dann fragt Ihr, welche Schlupflöcher?

Und wisst Ihr, was sie sagen? Das verraten wir nach den Wahlen.

Das ist kein Witz. Das ist ihre Position.

Nun, die Menschen fragen mich immer wieder, wie wir viermal in Folge schwarze Zahlen im Bundesbudget schrieben. Welche neuen Ideen brachten wir nach Washington? Ich gebe immer eine Antwort, die aus bloss einem Wort besteht: Arithmetik.

Arithmetik! Arithmetik sagt uns, dass drei Dinge geschehen werden. Erstens, wenn sie wirklich in die Tat umsetzen, was sie vorhaben, und die Steuerabzüge streichen, dann werden Mittelklasse-Familien im Durchschnitt 2000 Dollar mehr bezahlen, während jeder, der 3 Millionen Dollar oder mehr verdient, in den Genuss einer Steuersenkung von 250.000 Dollar kommen wird. Zweitens: Sie werden derart viele Ausgaben kürzen müssen, dass sie das Budget für die Nationalparks, die Garantien für saubere Luft, sauberes Wasser und sichere Flugreisen eliminieren werden. Sie werden Investitionen in Strassen, Brücken, Wissenschaft, Technologie und biomedizinische Forschung streichen. Sie werden der Mittelklasse und den Armen Schmerzen zufügen. Und drittens werden sie tun, was sie in den vergangenen 30 Jahren getan haben. Sie werden die Steuern viel stärker senken als die Ausgaben, vor allem was die Verteidigungsausgaben betrifft, und werden damit den Schuldenberg weiter vergrössern und die Wirtschaft schwächen.

Denkt daran: Präsident Obamas Vorschläge zur Verringerung des Schuldenbergs respektieren unsere Werte, hellen die Zukunft unserer Kinder, unserer Familien und unserer Nation auf. Sie sind schlicht viel besser.

Und sie bestehen den Arithmetik-Test, und noch wichtiger, sie bestehen den Werte-Test.

Meine verehrten Mitbürger, wenn Sie in einem Land leben möchten, in dem Chancengleichheit herrscht und die Verantwortung geteilt wird, in einer Gesellschaft, in der wir zueinander schauen, dann sollten Sie für Barack Obama und Joe Biden stimmen.

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