VON FLORENCE VUICHARD UND CHRISTIAN JUNGEN

Herr Bideau, der Schweizer Film schwächelt, «Sennentuntschi» steht vor dem Konkurs, die Branche hört nicht auf, Sie zu kritisieren, und Ihr Schutzpatron, Bundesrat Pascal Couchepin, tritt zurück. Treten Sie nun auch zurück?
Nicolas Bideau: Nein, ich trete nicht zurück, ich bleibe!


Sie bleiben?
Ja. Natürlich ist für mich der Rücktritt von Pascal Couchepin nicht einfach. Ich stand und stehe ihm als Mensch sehr nahe, zudem hat das Bundesamt für Kultur mit ihm eine neue Filmförderungspolitik entwickelt. Aber die Arbeit ist noch nicht getan, wir sind erst auf halben Weg zum Gipfel. Wir wollen die Felswand bis nach oben erklimmen.


Wenn Sie jetzt in der Hälfte stecken, heisst das, Sie bleiben nochmals vier Jahre?
Ich bleibe mindestens nochmals so lange. Wir haben mit dem Schweizer Film noch eine lange Kletterpartie vor uns. Ich habe die Kraft, diese zu meistern – physisch und mental. Und ich werde von meinem Chef, Jean-Frédéric Jauslin, voll unterstützt.


Die Branche wird sich gar nicht freuen, das zu hören.
Ein Teil wird sich freuen, der andere nicht. Die Branche ist zweigeteilt: Auf der einen Seite steht die Filmkunst, auf der anderen Seite das Unternehmertum. Diese Spaltung liegt in der Natur des Kinos, dem steten Spannungsfeld zwischen Kunst und Industrie, zwischen der Kreation und dem Markt. Unser Reformprozess hat die Spannung zwischen den beiden Lagern akzentuiert. Die einen sagen mir: Nicolas, du arbeitest doch nicht für das Staatssekretariat für Wirtschaft! Die andern fordern mich auf, nur den Produzenten mein Gehör zu schenken. Unser Bestreben ist es hier, das Gleichgewicht zugunsten des Schweizer Films zu finden.


Dass sich dieser Konflikt wegen Ihnen verschärft hat, werten Sie als Erfolg?
Pascal Couchepin wollte, dass sich die Filmpolitik die Frage nach dem Publikum stellt. Die Kultur darf das Publikum nicht ausser Acht lassen. Unsere Filmförderung hat wieder eine Nähe geschaffen zu den Verleihern und den Kinobetreibern, die letztlich dafür sorgen, dass die Filme auch gesehen werden. Die Eintrittszahlen sind in den letzten vier Jahren im Schnitt tendenziell gestiegen. Couchepins Slogan «Qualité – Popularité» bringt unsere Filmpolitik auf den Punkt.


Wir dachten immer, der Slogan sei von Ihnen.
Es ist das Resultat unserer gemeinsamen Überlegungen. Ich weiss noch gut, wie wir am Morgen früh vor der entsprechenden Pressekonferenz im Sommer 2005 am Filmfestival von Locarno zusammen den See entlangspaziert sind und nochmals alles diskutiert haben. Damals ist auch der Slogan entstanden. Teilweise konnten wir die Idee dahinter umsetzen, teilweise noch nicht. Wie gesagt, wir sind erst auf halbem Weg.


Was sagt eigentlich Ihr Vater, der berühmte Schauspieler Jean-Luc Bideau, zu Ihrer Filmpolitik?
Mein Vater kritisiert immer das Gleiche: dass ich nichts für die Schauspieler mache. Es stimmt natürlich schon: Unsere Filmkultur stellt den Regisseur ins Zentrum. Unsere Schauspieler schauen dann neidisch auf die angloamerikanische Filmwelt, wo sie als Stars im Zentrum stehen. Zudem ist mein Vater sehr kritisch den Schweizer Schauspielern gegenüber.

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