VON KURT-EMIL MERKI

Was macht Bernard Thurnheer besser als Sie?
Sascha Ruefer: Er hat vor allem etwas, was ich noch nicht haben kann: eine riesige Erfahrung. Beni hat 35 Jahre lang Spiele der Fussball-Nationalmannschaft kommentiert, er hat 40 Jahre lang die Geschichte des Schweizer Fernsehens mitgeprägt. Da kann ich ihm das Wasser nicht reichen.

Was machen Sie besser als er?
Ich mache sicher ein paar Dinge anders als er. Das heisst aber nicht, dass es besser ist.

Thurnheer hat schon als Kind auf dem Pausenplatz die Matches seiner Klassenkameraden kommentiert. Wo haben Sie Ihre Lust an der Sportreportage entdeckt?
Der Auslöser ist mit einem Namen verbunden: Chasper Stupan. Er berichtete für Radio DRS von den Matches des EHC Arosa.

Ich lag als Neunjähriger im Bett unter der Decke und hörte heimlich über einen kleinen Transistorradio diese Reportagen. Das hat mich absolut fasziniert, und ich habe mir in der Folge die Fähigkeit antrainiert, fiktive Matches zu kommentieren. Gerade letzthin hat mir mein Vater eine Kassette gegeben, auf welcher sich der junge Sascha Ruefer als Eishockey-Berichterstatter produzierte. Das hat mich zu Tränen gerührt.

Ihre Berufung zum Länderspiel-Kommentator hat in verschiedenen Internetforen ziemlich heftige Reaktionen ausgelöst. Auch sehr negative. Wie wollen Sie Ihre Gegner für sich gewinnen?
Als ich 1998 die ersten Matches kommentierte, wollte ich, dass mich alle toll finden. Aber ich habe einsehen müssen, dass ich es als Kommentator nicht allen recht machen kann. Das war ein Prozess, der sich über Jahre hinzog. Ich habe in den letzten Jahren immer wieder mit anderen polarisierenden Persönlichkeiten das Gespräch gesucht oder ihnen bei Interviews zugehört, um herauszufinden, ob ich meine Kanten brechen muss.

Mit wem haben Sie darüber geredet?
Mit Gölä zum Beispiel, mit Oliver Kahn oder mit Dieter Bohlen. Das hat mir sehr geholfen. Ich akzeptiere heute, dass ich polarisiere. Das fällt mir darum nicht so schwer, weil ich mittlerweile auch weiss, dass ich mich zu einer mehrheitsfähigen Person entwickelt habe, ohne dass ich mich dabei verleugnen oder meine Prinzipien über Bord werfen musste.

Was ist Ihr Traumspiel?
Wenn die Schweiz 2010 im WM-Halbfinal steht und der Ruefer in der 90. Minute ins Mikrofon schreien kann: Die Schweiz hat sich für den Final qualifiziert! Danach käme Beni Thurnheer im Final zum Einsatz - ein solches Szenario wäre gigantisch.

Wie chauvinistisch darf ein Fussball-Reporter sein?
Das empfindet jeder anders. Ich persönlich glaube, dass es bei wichtigen Länderspielen etwas Patriotismus durchaus erträgt. Ich möchte als Schweizer Kommentator mit der Schweizer Nationalmannschaft so mitfiebern, dass der Zuschauer es spürt. Aber ich möchte auch die nötige Distanz wahren, um Kritik üben zu können. Beni hat in dieser Beziehung ein gutes Gespür für die richtige Mischung entwickelt.

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