Partys in London, Paris und auf Ibiza – der schon seit Jahren verurteilte Sexualtäter Carl Hirschmann (34) geniesst seine Freiheit noch immer sorglos in vollen Zügen. Dies, obwohl auch das Bundesgericht eine Beschwerde gegen seine 12-monatige Freiheitsstrafe ablehnte und im Februar bestätigte, dass der ehemalige Zürcher Club-Besitzer und Erbe der Jet-Aviation-Dynastie definitiv wegen zweier Sexual-Delikte und zweier Nötigungsversuche ein Jahr ins Gefängnis muss.

Auf Anfrage bestätigt man beim Zürcher Obergericht, dass man dem Amt für Justizvollzug längst alles Nötige weitergeleitet habe, damit nun die Haftstrafe umgesetzt werden könne. Aber warum sitzt dann Carlito, wie er in der DJ- und Club-Szene genannt wird, noch immer in den Vip-Logen internationaler Partyclubs und nicht im Gefängnis? Im Umfeld der Opferfamilien hat man dafür absolut kein Verständnis.

«Aus Persönlichkeitsschutzgründen können wir zum konkreten Fall von Carl Hirschmann keine Auskünfte erteilen», sagt Jessica Maise vom Zürcher Amt für Justizvollzug und erklärt das Verfahren anhand eines neutralen Beispiels: «In der Regel wird einem Straftäter, der sich zum Urteilzeitpunkt auf freiem Fuss befindet, drei bis vier Monate Zeit eingeräumt, um seine persönlichen Dinge zu regeln, bevor er die Strafe antreten muss.» Gegen diese Frist könne jedoch wieder bis vor Bundesgericht geklagt werden, was den Haftantritt wiederum erheblich verzögern würde.

Carl Hirschmann, der durch den Tod seines Vaters 2010 rund 650 Millionen Franken geerbt haben soll und damit zu den 300 reichsten Schweizern gehört, will so lange wie möglich auf freiem Fuss sein und nutzt jede Möglichkeit, den Haftantritt zu verzögern. Geld für teure Anwälte spielt dabei keine Rolle.

Doch um etwas kommt Hirschmann, der sich neu vor allem als Kunstsammler und Immobilien-Investor engagiert, auch trotz seines vielen Geldes nicht herum: Falls er seine Strafe in Halbgefangenschaft verbüssen will, muss er in der Schweiz mindestens einen 50-Prozent-Job nachweisen. Dabei müsste Hirschmann tagsüber nachweislich einer normalen Arbeit nachgehen und nur Abende, Nächte und Wochenenden in der Strafanstalt verbringen. Im Kanton Zürich, wo er seine Strafe voraussichtlich antreten muss, werden Halbgefangenschaften in Winterthur verbüsst.

«Die Arbeits- oder Ausbildungsstelle wird von uns kontrolliert und muss innerhalb einer gewissen Anfahrtszeit erreichbar sein», sagt Rebecca de Silva vom Amt für Justizvollzug. Auf Anfrage wollte sich Carl Hirschmann, der mittlerweile Vater einer Tochter ist, nicht zum Thema äussern.

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