VON SACHA ERCOLANI

«Switzerland – zero points» – mehr als genug musste sich Gunvor Guggisberg und mit ihr die ganze Schweiz diesen Satz im Jahr 1998 anhören. Doch mit dem letzten Platz am 43. Concours Eurovision de la Chanson sollte die Reihe an traumatischen Ereignissen im Leben der Bernerin erst beginnen: Bordellbesitzer plauderten öffentlich aus dem Nähkästchen, lange vergessene Nacktbilder tauchten auf und ein Berg Schulden von mehr als 150000 Franken wegen eines Schuhkauf-Zwangs.

Eine Negativschlagzeile jagte die andere: «Ich wurde vor allem von der Boulevardzeitung ‹Blick› vor der ganzen Schweiz blossgestellt. Mein ganzes Privatleben wurde öffentlich gemacht, das alles war eine extrem schlimme Zeit für mich – ich ging durch die Hölle und war psychisch total am Boden», erinnert sich die Sängerin.

«Auch meine Familie litt damals extrem unter der ganzen Situation.» Einerseits sei man doch als Künstler auf die Medien angewiesen und versuche, nett zu den Journalisten zu sein, anderseits könnten die einen «brutal fertigmachen» und würden kaum Rücksicht nehmen.

Nur durch die enorme Stütze der Eltern und die Liebe zur Musik habe sie diese schwere Zeit überhaupt überlebt. «Ohne die vielen Gespräche mit meiner Familie wäre ich wohl an diesen vielen fiesen Schlagzeilen zerbrochen», so Gunvor.

«Sogar mein damaliger Freund liess mich einfach sitzen, nur weil seine Mutter nicht wollte, dass er mit mir zusammen ist – es war ihr wohl zu peinlich.» Und trotz einem KV-Lehrabschluss und Bestnoten an der Handelsschule bekam sie keinen Job, «in dieser Zeit wollte mich niemand mehr».

Doch Gunvor Guggisberg kapitulierte nicht, zügelte nach Zürich und bekam dort eine Chance als Büroangestellte in einer grossen Firma. Heute geht es ihr wieder gut und sie lebt ausschliesslich von der Musik und vom jährlichen Engagement beim Winterthurer Weihnachtszirkus.

«Ich habe gelernt, zu kämpfen, und es geht mir finanziell wieder gut», sagt die Sängerin, die derzeit im Studio an ihrem neuen Album arbeitet. Die CD erscheint im Herbst und schon am 10. Mai wird Gunvor in Zürich im Rahmen einer grossen Party eine Single-Auskopplung des neuen Albums taufen.

«Ich freue mich sehr auf den Neuanfang und hoffe, den Leuten gefällt meine Musik», so die Künstlerin. «Ich mache nun englisch gesungene Popmusik im Stil von Madonna – modern, aber doch mit älteren Elementen gemischt.»

Nach dem Comeback als Sängerin wartet Gunvor Guggisberg nur noch auf den richtigen Mann: «Es geht mir zwar derzeit ganz gut alleine, doch trotzdem sehne ich mich ab und zu nach einem treuen, verständnisvollen und ehrlichen Mann an meiner Seite», gesteht sie. «Aber der muss mit mir auf jeden Fall durch dick und dünn gehen.»

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