Die Handbewegung und das Augenzwinkern wirken vertraut. Kaum einen TV-Star kennt man in Deutschland und in der Schweiz so gut wie Günther Jauch. Wenn der 58-Jährige mit Shows wie «Wer wird Millionär?» oder «5 gegen Jauch» auf Sendung geht, schalten Millionen Zuschauer ein – dies schon seit vielen Jahren. Privat lebt Jauch zurückgezogen in seiner Wahlheimat Potsdam bei Berlin, wo er mit Ehefrau Thea und seinen vier Kindern (zwei leiblich, zwei adoptiert) in einer riesigen Villa lebt. VIP-Partys oder Gala-Abende meidet er.

Geht es ums Geschäft, macht der sonst so unnahbare Star Ausnahmen. Am 10. Juli mischt sich Günther Jauch im Luzerner Hotel «National» unter die Leute. Obwohl der Familienvater beim Sender RTL jedes Jahr Millionen-Gagen kassiert und sein Vermögen auf umgerechnet mehr als 50 Millionen Franken geschätzt wird, will er jetzt mit seinem vor fünf Jahren gegründeten Wein-Unternehmen auch in der Schweiz Fuss fassen: «Erleben Sie ein einmaliges Wine & Dine-Erlebnis mit dem beliebten deutschen Moderator Günther Jauch», wirbt das Hotel auf einem Flyer. Bei einem Viergangmenü wird Jauch dann höchstpersönlich von ihm ausgesuchte Weine von seinem Weingut von Othegraven präsentieren und danach gleich vor Ort verkaufen. Rund 170 Franken kostet die Teilnahme. Gemäss Recherchen sind bei Verkaufserfolg weitere Weinabende mit dem prominenten Hobby-Winzer in der Schweiz geplant.

Der Einstieg des Fernsehjournalisten in die Winzerwelt sorgte 2009 für Aufsehen und viele fragten sich, wie einer, der kaum als Weinkenner aufgefallen ist, als Weinbauer glänzen kann. Der TV-Moderator macht keinen Hehl daraus, dass er das Weinmachen seinem Kellermeister überlässt und er in Sachen Wein ein blutiger Anfänger ist. Bis zum 40. Lebensjahr hat Jauch keinen Rotwein getrunken. Erst mit 45 hat er mit Weisswein angefangen.

Der in der Schweiz lebende Brite Paul Liversedge (48), der als Weinexperte mit höchsten Auszeichnungen unter anderem auch als Kolumnist bei dieser Zeitung über Weine schreibt, kennt Jauchs edle Tropfen noch nicht und lässt sich vorgängig nicht vom Prominentenstatus beeinflussen: «Ob er mit seinen Weinen in der Schweiz Erfolg haben kann, ist offen. Klar ist: Sein Bekanntheitsgrad hilft ihm dabei nicht, denn in erster Linie muss der Wein gut sein.»

Jauchs Fans aus der Schweiz scheinen noch zu zögern, denn knapp zwei Wochen vor seinem geplanten Verkaufsabend ist das Interesse gering: Es habe noch sehr viele freie Plätze, heisst es beim Veranstalter auf telefonische Anfrage. Jauch will sich zu seiner Schweiz-Expansion und dem Anlass nicht äussern.



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