VON SACHA ERCOLANI

Marcel Ospels Lieblings-Hobby ist das Golfen. Bei schönem Wetter trifft man den ehemaligen UBS-Chef und -Verwaltungsratspräsidenten vor allem auf zwei Elite-Golfplätzen an: Entweder spielt Ospel (Handicap 24) nahe seinem Wohnsitz Wollerau SZ, wo er seit 2007 Clubmitglied auf der 18-Loch-Anlage Schönenberg ist, oder auf dem malerischen Berg-Golfplatz in Gstaad-Saanenland. Dort haben die Ospels unter anderem auch ein Ferienhaus.

Der 60-jährige Ex-Banker sei jedoch auf beiden Plätzen kein beliebter Gast mehr, heisst es hinter vorgehaltener Hand: «Wenn Herr Ospel auftaucht, wird getuschelt und schlecht über ihn gesprochen. Kaum jemand will freiwillig mit ihm auf die Golf-Runde», sagt ein Schönenberg-Klubmitglied zum «Sonntag».

Leider könne dies aber nicht verwehrt werden, da man selbst als zahlendes Mitglied (rund 60000 Franken Eintrittsgebühr) während der Hauptsaison von Frühling bis Herbst, immer einem so genannten Vierer-Flight zugeteilt werde. «Da gibt es keine Extra-Wünsche. Wenn sich also Marcel Ospel zum Beispiel mit seiner Frau für ein Spiel einschreibt, dann kommen zwei andere Klubmitglieder oder Gäste mit auf die Runde. Der Platz wird automatisch gefüllt, egal, wie beliebt oder eben unbeliebt ein Mitspieler ist.»

Für den Insider ist klar, warum Marcel Ospel, der bei der UBS pro Jahr bis zu 24 Millionen kassierte und für die Milliarden-Bankenkrise mitverantwortlich war, nun vor allem auch in der Golferszene so wenig Freunde hat: «Unzählige reiche Klubmitglieder haben mit UBS-Aktien letztes Jahr viel Geld verloren und sind daher noch immer sauer auf Ospel – sie machen ihn als ehemaligen Verwaltungsratspräsidenten für die Misere verantwortlich.» Es liege jeweils latent eine Art «Abzocker-Wut in der Luft» und daher werde Ospel regelrecht gemobbt.

Auch im Klub-Restaurant des Golfplatzes Gstaad-Saanenland, wo die Ospels diesen Sommer oft spielten, wird hinter dem Rücken getuschelt. Zu seinen UBS-Zeiten gewann der Basler dort sogar noch ein Turnier und jeder wollte ihm die Hand schütteln oder mit ihm im Flight spielen, doch jetzt geht man Marcel Ospel, so gut es geht, aus dem Weg. Offiziell will man die Mobbing-Attacken weder in Gstaad noch in Schönenberg kommentieren: «Über unsere Mitglieder und darüber, was klubintern läuft, geben wir keine Auskunft.»

Schon zu seinen Erfolgszeiten vor knapp fünf Jahren wehte Ospel in der Golferwelt eine raue Bise entgegen: Nachdem er damals mit seiner frisch angetrauten Adriana Bodmer nach Wollerau zügelte, wollten die beiden auch standesgemäss Golf spielen. Zwei schriftliche Eintrittsgesuche wurden jedoch vom Golf- & Country-Club Schönenberg zurückgestellt. «Macht und Geld eines Antragsstellers interessieren uns nicht», lautete damals die Stellungnahme von Präsident Paul Witschi. Ospel kam auf die Warteliste und wurde erst auf erhöhten Druck der langjährigen und einflussreichen Mitglieder Nikolaus Senn (84) und Robert Studer (72) aufgenommen – beide waren ehemalige Chefs der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG).

Aber wohl auch diese Freunde zeigen sich mittlerweile kaum bei ihrer Lieblings-Freizeitbeschäftigung als Mitspieler von Marcel Ospel. Vor dem UBS-Desaster erhielt Ospel während der Saison beinahe täglich glamouröse Einladungen für namhafte Golfturniere. Diese Zeiten sind vorbei.

Und was sagt Marcel Ospel? Er selber will sich nicht äussern, dafür seine Ehefrau Adriana Ospel-Bodmer (35). Sie nimmt ihn in Schutz: «Mein Mann spielt noch immer mindestens zwei Turniere im Jahr und erhält auch noch viele Einladungen, die er absagt», sagt die smarte Unternehmerin. Was andere Leute hinter dem Rücken über sie reden, kümmert die Ospels nicht. «Wir spielten diesen Sommer auch oft mit guten Freunden, oder halt einfach nur zu zweit.»

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