Auch wenn man es als TV-Zuschauer gern glauben würde, was man derzeit jeden Montagabend ab 20.15 Uhr beim Schweizer Privatsender 3+ sieht, schafft man es bei der diesjährigen Bachelorette-Staffel kaum.

Im Halbfinale vom letzten Montag machten alle drei Finalisten Zaklina Djuricic (29, Traumberuf Schauspielerin) zuckersüsse Liebeserklärungen und stritten gar um die schöne Aargauerin. «Unglaublich, wie durchsichtig und laienhaft hier geschauspielert wird. Schade, dass diese Sendung leider nur eine grosse Verarschung ist», kommentiert Tanja B. auf Facebook. Auch bei anderen sozialen Netzwerken und Online-Foren lassen Zuschauer ihrem Frust freien Lauf und ziehen vor allem die Männer ins Lächerliche – zum Teil mit Kommentaren unter der Gürtellinie.

Die Vorwürfe, dass die Bachelorette und die Kandidaten bei den Dreharbeiten dem 3+-Produktionsteam gehorchen mussten und vieles wie unter anderem Streite oder gar Kussszenen vom Drehbuch diktiert wurden, lässt sich 3+-Chef Dominik Kaiser (46) nicht gefallen: «Das stimmt nicht. Wir arbeiten nicht mit vorgegebenen Dialogen. Die Sendung lebt stark von den Emotionen der Kandidaten – und die kann man nicht erfinden.» Und auch für die Forderung, die Sendung als Scripted-Realty-Format zu kennzeichnen, hat Kaiser kein Verständnis, denn «unter Scripted Realty verstehen Fernsehprofis etwas anderes. Das sind Formate, die mit Laienschauspielern nach Drehbuch Realität, wie zum Beispiel Krimis, nachspielen. Bei uns sind die Kandidaten real und die Emotionen echt», sagt der TV-Macher. Eine Kandidatin, die bei 3+ einst um die Gunst von Ex-Bachelor Lorenzo Leutenegger (33) buhlte, sagt gegenüber der «Schweiz am Sonntag» anderes: «Die Produktion hat Rollen unter uns verteilt», so die Kandidatin, die unerkannt bleiben will. «Wir mussten Szenen und Dialoge ständig wiederholen.»

Knallharte Verträge
Die aktuelle Staffel wurde schon vor Wochen im thailändischen Phuket gedreht, und doch hat noch keiner der Teilnehmer verraten, für welchen Mann sich Zaklina Djuricic im Finale entscheidet. Das hat einen guten Grund, denn wer etwas zum Sende-Inhalt ausplaudert, muss gemäss Vertrag weit über 10 000 Franken Konventionalstrafe zahlen. «Unsere Verträge sind die branchenüblichen. Dass eine Pointe nicht vorweg verraten werden darf, versteht sich dabei von selbst», sagt Kaiser.

Die knallharten Verträge sind wohl auch der Grund dafür, dass noch nie eine Kandidatin oder ein Kandidat öffentlich über die Machart des Formates redete. Auch wenn die Show Jahr für Jahr für viel Gesprächsstoff sorgt und die Macher mit Vorwürfen leben müssen, so hatte TV-Boss Dominik Kaiser damit den richtigen Riecher: Beinahe an jedem Ausstrahlungsabend war 3+ mit der Eigenproduktion unangefochtener Marktführer in allen relevanten Zielgruppen.

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