Goldene Schallplatten von Hit-Sänger Udo Jürgens († 2014) zieren die Wände im neu renovierten Jugendstilhaus der Zürcher Firma «Freddy Burger Management». Im Büro von Patron Freddy Burger erinnern Ehrungen und Fotos an sein Wirken der letzten 50 Jahre im Showbusiness. Darauf abgelichtet ist Burger in jungen Jahren mit Weltstars wie Country-Legende Johnny Cash, Entertainer Sammy Davis Jr. und mehrheitlich mit seinem langjährigen Freund Udo Jürgens. Freddy Burger, der mit über 250 Mitarbeitern nach eigenen Angaben einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Franken erwirtschaftet, hat die meisten seiner von ihm betreuten Stars überlebt.

«Ich mache mir viele Gedanken über den Tod», gesteht Burger, der Anfang dieses Monats seine geliebte Mutter verlor. «Es kann jederzeit passieren, daher geniesse ich jeden einzelnen Tag, an dem ich gesund bin. Ich habe mein Leben ausgiebig gelebt und immer versucht, das Beste daraus zu machen. Wenn man mich eines Tages holt, dann wird es halt so sein.» noch feiert der ehemalige ZSC-Eishockey-Spieler, der wegen eines Autounfalls seine sportliche Karriere aufgeben musste, aber das Leben – und am kommenden Dienstag seinen 70. Geburtstag.

Obwohl er weltbekannte Musical-Shows wie «The Lion King», «Mamma Mia» oder «Cats» (das vom 19. April bis 22. Mai 2016 im Musical Theater in Basel spielt) auf die Schweizer Bühne holt, als Event-Veranstalter noch immer die grossen Hallen füllt und schweizweit zahlreiche Partyclubs und Restaurants besitzt, wünscht er an jenem Tag keinen Rummel: «Meine Party zum 60. hatte ich damals gemeinsam mit dem Geburtstag meines gleichaltrigen Freundes Pepe Lienhard zusammengelegt, wir feierten mit über 350 Gästen. Es war schön, doch der ganze Trubel war mir fast etwas peinlich», erinnert sich Freddy Burger. «Dieses Jahr geniesse ich den Tag im engsten Familienkreis in meinem Ferienhaus in Films.» Burger besitzt zudem ein Haus an der Zürcher Goldküste in Küsnacht, im Tessin am Lago Maggiore und in Portugal.

Nicht Besitz, sondern ein glückliches Familienleben sei für ihn das Wichtigste und darum habe er früher immer dann Ferien genommen, wenn seine drei Kinder Schulferien hatten. «Aufgrund meines Jobs dauerte es mindestens zwei Tage, bis ich so richtig ins Familienleben eintauchen konnte – aber dann war ich voll für die Kinder da.» Künftig will Freddy Burger vor allem Zeit mit seiner Lebenspartnerin Isabella Recker (51) verbringen und nur noch an wenigen Tagen im Monat arbeiten. «Der Zeitpunkt ist gekommen. Ich will kürzertreten und wenn dann nur noch im Hintergrund die Fäden ziehen», sagt er.

Und er macht ernst: Der Aargauer Entertainment-Profi Christoph Bürge (53) ist seit kurzem sein Stellvertreter und leitet die Geschäfte der Firma. Langfristig soll Burgers zweitjüngster Sohn Oliver (28) ans Ruder und von Bürge eingearbeitet werden. Der Druck ist gross. Denn Papi, gelernter Hochbauzeichner, kennt den Geschmack des Publikums wie kaum ein anderer – sowohl im Entertainment als auch in der Gastronomie. Das und sein riesiges Netzwerk sind Freddy Burgers Stärke und machten ihn zu einem reichen Mann.

Um die Disney-Produktion «The Lion King» in die Schweiz zu holen, mussten Burger und sein Team jahrelang kämpfen und gar 15 Millionen Franken als Sicherheit anzahlen. «Solche Risiken einzugehen, erfordert Mut und Geld, aber dafür brauchten wir keine Bank. In meiner ganzen Karriere habe ich nie Schulden gemacht und immer ordentlich Steuern bezahlt», sagt Burger. Nicht immer stand er auf der Sonnenseite des Lebens: Mitte 30, nach seinem Ausstieg bei der Konzertagentur Good News, durchlebte er zwei Nervenzusammenbrüche und eine gescheiterte Ehe. «Alles ist mir damals über den Kopf gewachsen, ich litt furchtbar. Im ‹Zischtigs-Club› diskutierte ich damals schon als 35-Jähriger über die Midlife-Crisis. Das war kurz nach meiner Entscheidung, mit Udo Jürgens zusammenzuarbeiten. Die Krise hat mich starkgemacht – heute bin ich ein glücklicher und ausgeglichener Mann.»

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