VON KURT-EMIL MERKI

Aus der kleinen Nina ist endgültig eine junge Frau geworden. War sie noch vor zwei Jahren eher scheu, ergreift sie nun selbstbewusst das Wort. Versteckte sie sich noch vor kurzem gerne hinter dem breiten Rücken ihres erfolgreichen Vaters, tritt sie nun resolut ins Rampenlicht.

Nina Reber ist 17. Geht ins Gymnasium und macht in anderthalb Jahren ihre Matur. Neben der Schule spielt die Musik eine immer wichtigere Rolle. Das Cello. Der Gesang. Und die Sprache. Sie hat Spanisch als Schwerpunktfach gewählt, weiss aber noch nicht, was sie nach der Reifeprüfung machen wird. «Klar ist einfach, dass ich studieren werde. Offen ist, was und wo.»

ZurZeit ist das Hobby, das durchaus auch eine Berufsoption ist, etwas stärker in den Vordergrund gerückt. Nina Rebers erste Solo-CD ist eben ausgeliefert worden. Ein Tonträger mit 40 Kinderliedern, darunter die immergrünen «Roti Rösli im Garte», das unverwüstliche «Es schneielet, es beielet» und das dauerhafte «Ryte, ryte Rössli». Ein bisschen viel Kleinkinderkost für eine junge Frau!

Auf diesen Vorhalt reagiert Nina energisch. Natürlich singe sie selber diese eben zitierten Lieder nicht mehr. «Aber es gibt auch ‹S isch mer alles eis Ding›. Das hat einen frechen, beinahe schon rebellischen Text.» Am allerliebsten ist der Bernerin «Du fragsch mi, wär i bi». «Das ist ein Thema, das viele Menschen in meinem Alter beschäftigt.»

Die junge Frau kommt in Fahrt – was ihr gut zu Gesicht steht. «Das Songbook und die dazugehörige CD sind auch mit dokumentarischer Absicht entstanden.» Jetzt erhält Nina von Vater Peter Reber Unterstützung. «Die traditionellen Kinderlieder sind schon x-mal aufgenommen worden. Aber immer irgendwie lieblos.»

Diesen Vorwurf kann man der nun vorliegenden Einspielung tatsächlich nicht machen. Die Gymnasiastin hat eine wunderbare, von Gesangsstunden nicht beeinträchtigte Naturstimme mit einem eindrücklichen Vibrato. Sie singt die Lieder mit Zuneigung und Hingabe. «Ich bin mit diesen Liedern aufgewachsen, sie gehören zu meiner musikalischen Biografie.»

Wenn Nina so engagiert erzählt und erklärt, wirkt Vater Reber sichtbar stolz. Er sagt: «Nina darf Schmetterlingssammlerin werden oder sie darf sich der Musik zuwenden. Das ist mir egal, Hauptsache, sie macht etwas, das ihr Freude macht.» Vater Reber hat das Talent der Tochter früh erkannt. «Sie hat schon mit vier Jahren rein gesungen.»

Nina und ihr «Daddy» stehen an manchem Wochenende gemeinsam auf der Bühne. Singen eigene und fremde Erfolge. Heute Abend gibt Nina in der SF-Sendung «Die grössten Schweizer Hits» ihr Solo-Debüt. Oder wenigstens fast. Denn beim «Hippiegschpängschtli», das eben 20 Jahre alt geworden ist, gesellt sich der Vater dazu. 400 000-mal wurde dieser Titel verkauft – es ist mithin das erfolgreichste Schweizer Kinderlied aller Zeiten.

Nina Reber: Myni schönschte Chinderlieder, Universal.
Peter & Nina Reber: Di schönschte Chinderlieder, Songbook mit CD, Weltbild.