VON CLAUDIA LANDOLT STARCK

Dass Thomas Borer es sich mit Shawne nicht verderben sollte, hätte er wissen müssen. Spätestens seit dem 13. August 2002. In jener Nacht soll Shawne den damaligen Schweizer Botschafter in Berlin angeblich mit (s)einer Pistole bedroht und anschliessend die Ordnungshüter auf den Platz gerufen haben. Später erklärte Borer, es sei kein ehelicher Disput gewesen, sondern «ein paar Geräusche» in der grossen Botschaftervilla in Potsdam hätten Shawne Angst gemacht.

Nun bläst Shawne wieder zum Angriff. Seit Bekanntwerden der Scheidung im Hause Borer-Fielding und dem damit verbundenen Sorgerechtsstreit gibt Shawne Fielding pseudo-therapeutische Interviews mit pikanten Details. Und verrät Dinge, die wir lieber nicht gewusst hätten. Beim Pferderennen in Frauenfeld zum Beispiel bekennt sie, dass sie neu verliebt sei, nämlich in einen «Mannsmann». In der «Weltwoche» vergleicht sie «die Ehe mit Thomas» gar mit einem Krebsgeschwür.

Noch mehr Beispiele gefällig? Sie sei es zudem gewesen, die Geld in die Ehe gebracht habe, nicht er. Mit ihrem Geld hätte sie die aufwändigen Botschafter-Empfänge bezahlt, und in ihrem schwarzen Mercedes habe er andere Damen spazieren gefahren. Auch im «Club» des Schweizer Fernsehens sitzt sie. Auf roten Sesseln verkündet die wohl zur Erhöhung des Glamourfaktors Eingeladene, wie schlimm es sei, dass man ihr die Kinder weggenommen habe («der reinste Horror»).

Aber es kommt noch deftiger. Getreu ihrem Motto «More is more» ist die knapp 40-Jährige letzte Woche auch noch in der «Bunten» zu lesen, dem auflagenstarken Zentralorgan der gehobenen deutschen Polit-, Medien- und Kulturprominenz. Darin rasselt die schöne Shawne so richtig mit dem Säbel. Eine Kostprobe: «Im Grunde war alles, was ich an Thomas liebte, seine Macht. Er ist sehr intelligent und ausgebufft in wirtschaftlichen Dingen». Und: «Das Einzige, was uns verband, war Golf». Auch suche sie die Treffen der Beratungsstelle für Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind, auf. Watch out, Thomas!

Mit Schreckschüssen kennt diese Frau sich aus. Einmal Cowgirl, immer Cowgirl! Shawne kommt aus Texas. Sie ist Spross einer Südstaatenfamilie mit Beziehungen zur konservativen Politikelite des Landes. Nach eigenen Angaben studiert Shawne Psychologie, bevor sie ihre Lust auf Lametta, Laufsteg und Lobeshymnen professionalisiert und an diversen Schönheitswettbewerben teilnimmt.

1992 wurde sie Miss Dallas, wenig später Zweite an der Mrs.-America-Wahl und schliesslich Mrs. Texas America. Sie weiss also, wie man das Publikum für sich gewinnt. Als reich geschiedene und mit Schönheitstiteln dekorierte Südstaaten-Lady lernt sie Thomas Borer kennen. Der Saga nach soll Daddy ihn ihr auf einem republikanischen Event als «coming man» vorgestellt haben. Das reichte aus, um ihn interessant zu machen. Wenig später läuteten schon die Glocken in Solothurn.

Eine Zeremonie, die sich rückblickend wie ein Versprechen liest: Hier wurde ein roter Teppich quer durch Solothurns Altstadt ausgelegt, da schrubbten gemeine Handwerker die Kirchentreppe. Eine landesunüblich barocke Veranstaltung voller optischer Immissionen. Schnell wurde klar: Da hat sich Decolleté gepaart mit Intelligenz. Sie ist für die Optik zuständig, er für den Job. Dass hierfür die Schweiz bald zu klein sein durfte, lag auf der Hand.

Berlin war nicht zu klein. Im Gegenteil. Ab 1999 kreierten dort die Borers ihr eigenes Réduit des schrillen Glamours. Shawne wurde zu «einem sehr wichtigen Asset» (O-Ton Borer) in der Schweizer Botschaft, die mit rauschenden Partys der Schweiz etwas von ihrer Biederkeit nahm. Dieses Réduit wurde auf Biegen und Brechen verteidigt.

Als Thomas Borer um der freizügigen Fotos seiner Frau in der Berliner Botschaft willen verwarnt wird, schickt die Gattin ein schwülstiges Mea Culpa nach Bern («Thomas Borer ist einer der stolzesten Söhne der Schweiz»). Als er demissionieren muss, hält die Schönheitskönigin dem damaligen Aussenminister Joseph Deiss eine Gardinenpredigt: «Ein Ministerium, das sich so unter Druck setzen lässt, ist korrupt.»

Aber die «Zugewinngemeinschaft» Borer-Fielding wird mit der Rückkehr in heimische Gefilde obsolet. In Zürich beschränkten sich die Auftritte von Thomas Borer auf Geschäftsessen in der Zürcher «Kronenhalle». Sein Beratermandat für den Oligarchen Vekselberg katapultierten ihn in andere Gefilde als die Villa in Thalwil, wo Shawne mit den zwei Kindern wartete.

Aber das Texas-Girl kam gut allein zurecht. Denn auch in Zürich kann jemand, der so viel mitzuteilen nicht hat, aber ein tolles Gespür beweist, wie man mit teuren Kleidern und den richtigen Gesten kleine Märchen aufführt, schnell zum umschwärmten Mittelpunkt des gesellschaftlichen Parketts werden. Gewiss, alles an Shawne ist ein bisschen too much: ihr Lachen, ihr blondes Haar, ihr Decolleté und auch ihre Liebe zu Botox.

Dennoch: Als diplomierte Party-Maus ist sie unschlagbar. Wo sie hinkommt, wird jede Party besser: Es gibt mehr zu gucken, mehr zu reden und mehr zu lachen (an Selbstironie fehlt es ihr übrigens nicht). Selbst ihr Profilierungsdrang, den man sich stets etwas kleiner wünschte, sah man ihr nach.

Bis jetzt. Denn Shawne Fielding hat eine goldene Regel missachtet: Beschmutze nie den Mann, dem du deinen Aufstieg verdankst. In den Kreisen Thomas Borers ist Schweigen oberstes Gebot. Werden Frauen verlassen, haben sie sich still und leise zu grämen, milde wie ein Täubchen.

Die Rache der Frau hat sich zu beschränken auf eine erschlankte, verjüngte oder um ein paar satte Zahlen reichere Wiederauferstehung Monate später, Hauptsache, milde wie ein Täubchen. Shawne aber hat Kalamitäten verursacht.

Ihren Rachefeldzug verzeiht man ihr nicht. Am letzten «Ladies Lunch» im Zürcher «Kaufleuten», einer Art institutionellem Meeting von Schweizer Powerfrauen der guten Gesellschaft, blieb ihr Platz verwaist. Mehr als alles hat sich der Resonanzraum der Wirklichkeit, in der sich Shawne stets bewegte, verändert.

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