VON ARTHUR RUTISHAUSER

Frau Tschanz, vor gut zehn Jahren mussten Sie den Absturz von Swissair 111 bekannt geben. Nun ist ein französischer Airbus in den Atlantik abgestürzt. Kommen da Erinnerungen auf?
Ja selbstverständlich, denn es gibt natürlich Parallelen. Ein Flugzeug ist bei Nacht ins Meer abgestürzt und es gibt eine grosse Unsicherheit darüber, was wirklich passiert ist. Das hat mich schon sehr berührt.

Nun informiert Air France sehr zurückhaltend – im Gegensatz zu Ihnen damals. Ist das klug?
Air France ist in einer sehr schwierigen Situation. Wir wussten wenigstens sehr rasch, was passierte und wo es passierte. Schon bald wurden Trümmerteile gefunden. Wir hatten wenigstens einige Fakten. Air France hat gar nichts.

Wie muss man sich das vorstellen, was läuft jetzt ab bei Air France?
Im ersten Moment herrscht ein Chaos, das ist in jedem Unternehmen so. Nur, die Fluggesellschaften haben Krisen-handbücher. Sie müssen mit solchen Unfällen rechnen – auch wenn sie natürlich hoffen, dass es nie passiert.

Da gibt es eine Art Fahrplan mit Anweisungen, was zu tun ist?
Es gibt Checklisten und Leitfäden. Das hat die Swissair als Standard etabliert. Die drei Hauptsäulen sind die Ange-hörigen, die Opfer und die Untersuchung der Ursachen.

Mit den Opfern des Air-France-Absturzes wird ziemlich respektlos umgegangen. In den Medien sind sogar die Namen der Toten erschienen. Ist das nicht pietätlos?
Nein, denn das ist von öffentlichem Interesse. Wir haben die Passagierlisten auch veröffentlicht.

Was ist der Zweck?
Das kann man schon hinterfragen. Aber es geht um eine weltweite Information. Wir hatten bei SR 111 zwei Passagiere ohne Verwandte. Die Passagierliste ist wie eine Todesanzeige.

Nun wird öffentlich über die Ursache gerätselt. War es das Gewitter, eine Bombe, ein Defekt?
Das ist jetzt eben die ganz schwierige Lage für das Unternehmen. Denn sie können dem gar nichts entge-gensetzen und sind den Spekulationen ausgesetzt. Einfach zu schweigen, wie es Air France jetzt macht, ist auch nicht gut – denn dann kommt sofort der Verdacht: Die wissen mehr und sagen nichts.

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