Andrea Roth ist 29 Jahre alt, leidenschaftliche Fasnächtlerin, hat nach der Matura einen Master in vergleichenden Medienwissenschaften gemacht und ist seither voll berufstätig. Eine ganz normale junge Baslerin also, oder?

Nicht ganz. Seit knapp einem Monat ist sie die neue Medienchefin des FC Basel. Roth hat das Amt von Josef Zindel übernommen. Dem Mann, der während der letzten zwölf Jahre das Erscheinungsbild des grössten und wichtigsten Fussballklubs entscheidend geprägt hat. Die Fussstapfen, in die sie tritt, sind riesig. Zu gross für eine junge Frau ohne grosse journalistische Erfahrung und die es nicht gewohnt ist, in der Öffentlichkeit zu stehen – so zumindest hat es von vielen Seiten getönt, als bekannt wurde, wer Zindel beerbt.

«Natürlich, das Erbe von Josef ist gewaltig. Aber ich mache nicht den Fehler und vergleiche mich mit ihm», sagt Roth. Überrascht sei sie gewesen ob der Menge der Reaktionen, die meisten davon positiv. «Viele Menschen haben sich gemeldet, mit denen ich seit Jahren keinen Kontakt mehr hatte.»

Ein SMS von Bernhard Heusler, in dem der FCB-Präsident Roth um einen Termin bittet, verändert im Januar ihr Leben. Zwar traf man Roth, bis dahin Kommunikationsverantwortliche beim Stadion-Betreiber Basel United, regelmässig im Stadion St. Jakob-Park an. Doch nun fragt Heusler, ob sie den Mann beerben wolle, dem sie bis anhin bei Heimspielen im Medienraum assistierte. Ob sie diejenige sein wolle, die – Aufzählung unvollständig – eine halbe Stunde vor Anpfiff die Journalisten begrüsst, nach dem Spiel die Pressekonferenz leitet und unter der Woche die Medientermine der Profis koordiniert.

«Im ersten Moment war ich baff. Darüber, dass Josef Zindel aufhört. Und dann, dass ich seine Nachfolgerin sein darf.» Der Überraschung folgte schnell eine grosse Freude. «Das ist ein Traumjob.» Kurz darauf sagt sie Heusler zu, reicht bei Basel United die Kündigung ein und bereitet sich vor auf die «neue Lebensaufgabe».

Durchaus als mutige und ungewöhnliche Entscheidung des FC Basel darf es bezeichnet werden, eine junge Frau wie Andrea Roth an der Spitze seiner Presseabteilung zu installieren. Nur in Lausanne, wo das Medieninteresse am Fussballklub ein minimes gegenüber dem in Basel ist, ist auch eine Frau Sprachrohr des Vereins.

Warum Andrea Roth? «Weil sie den Rucksack mitbringt, um diese Aufgabe zu übernehmen. Sie ist die Richtige», sagt ihr Vorgänger. Zindel und Roth kennen sich schon lange. «Ich habe sie stets als angenehme, engagierte und intelligente Kollegin wahrgenommen, die mit dem nötigen Selbstvertrauen auf die Menschen zugeht.» Natürlich gab es auch Fragezeichen, die geringe journalistische Erfahrung zum Beispiel. «Die Fallen, die ein Journalist stellen kann, wird sie kennen lernen. Uns war bewusst, dass Andrea Roth eine gewisse Zeit braucht, um sich einzuarbeiten.»

Sie sagt: «Ich habe grossen Respekt, aber auf keinen Fall Angst. Für mich ist der Job ein Geschenk.»

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