Augenzwinkernd, aufmerksam, charmant und elegant im Massanzug – so kennt man George Clooney aus seinen Kaffee-Spots. Viel anders ist er auch nicht, wenn man ihn zum Interview trifft – ausser, dass er heute im Montage Hotel in Beverly Hills statt einem Designer-Anzug eine gut eingesessene Jeans, eine Lederjacke und darunter ein schwarzes Hemd trägt. Mit einem auflockernd jovialen Spruch – meist über Alkohol oder das Alter – schafft er eine entspannte Atmosphäre.

«Danke, ich bin jetzt 79 Jahre alt», erwidert der seit letzter Woche 54-jährige Schauspieler auf verspätete Geburtstagswünsche selbstironisch. Das Älterwerden in Hollywood scheint ihn etwas zu beschäftigen: Seine Rolle in «A World Beyond», ein Fantasy-Film für die Familie, sei als «55-jähriger ergrauter Has-Been» beschrieben gewesen. «Wie nett! Und früher habe ich auf den Bösewicht eingedroschen, jetzt bekomme ich eins auf die Rübe und stöhne zusammengesackt am Boden.»

Clooney spielt einen verbitterten Erfinder, der sich zusammen mit einer neugierigen Schülerin (Britt Robertson) auf einer Mission in einem futuristischen Paralleluniversum wiederfindet. Das Drehbuch stammt von Damon Lindelof («Lost») und Brad Bird («The Incredibles», «Mission Impossible: Ghost Protocol»), der auch Regie führte. Disney hofft, mit dem Film eine attraktive Verbindung zu seinem Vergnügungspark-Teil «Tomorrowland» herzustellen. Für Clooney ist es ein seltener Abstecher ins Sommer-Blockbuster-Genre: «Mit gefiel die Message», sagt Clooney. «Und dass es weder eine Fortsetzung noch eine Comic-Verfilmung war.» Die Message des Films: Eine bessere Zukunft erfordert die Förderung von weitsichtigen Talenten.

Solche unterstützt Clooney im wirklichen Leben beispielsweise als Verwaltungsrat der von Nicolas Hayek Sr. ins Leben gerufenen Belenos Clean Power Holding in Biel. Dort wird an der Energie-Revolution gebastelt. Im Juli wird der Hollywood-Star wieder für eine Sitzung im Seeland erwartet. «Die Entwicklungen im Bereich Wasserstoff, Batterien und einer persönlichen Power-Station, die Energie wieder zurück ins Netz speisen soll, sind sehr komplex. Ich verstehe bei unseren Sitzungen manchmal nicht genau, wieso alle vor Freude aufspringen, wenn ein Auto im Kreis fährt, stoppt und nach ein paar Knopfdrücken wieder anfährt. Ich habe ja ausser dem Film ‹Gravity› keine wissenschaftliche Ausbildung», lacht er. «Aber ich hoffe, dass wir eines Tages die Art und Weise, wie wir uns fortbewegen, profitabel auf saubere Energie umstellen können.»

Clooney ist eben nicht nur Schauspieler und Regisseur, sondern auch Geschäftsmann und Gesellschaftskritiker. Wenn ihm etwas besonders am Herzen liegt, trägt der Vielfotografierte die Botschaft auf der Brust: Vor einem Jahr trug er zum Interview ein T-Shirt mit dem Konterfei der ukrainischen Oppositionsführerin Julija Timoschenko und oft ist er auf Paparazzi-Bildern in einem Leibchen zu sehen, das für seine Tequila-Marke wirbt: «Wenn mir schon 30 Leute mit Kameras vor der Haustüre auflauern, sollen sie mir auch helfen, meinen Tequila zu verkaufen», grinst er. «Aber manchmal sagt meine Frau, ich soll doch wieder mal ein schönes Hemd anziehen und dann tue ich das auch.»

Seit George Clooney mit der Menschenrechts-Anwältin Amal Alamuddin verheiratet ist, hat die Popularitätsschraube nochmals angezogen: «Wir wohnten in New York im gleichen Hotel wie Mick Jagger und hofften, wir könnten hinter ihm rausschleichen. Jagger liessen sie in den Central Park spazieren und uns verfolgten sie die Strasse runter.» Der angegraute Sonnyboy schmunzelt kopfschüttelnd, lehnt sich auf die Ellenbogen gestützt nach vorne und senkt die Augen nach unten. Die ganze Aufruhr um sein Liebesglück registriert er zwischen peinlich und belustigend. Beklagen will er sich nicht. Im Gegenteil: «Es ist ja nicht unbedingt schlecht, wenn Hollywood-News-Shows den armenischen Genozid erwähnen, weil sie Amal vor einem Gerichtshof zeigen.»

Der Obama-Supporter und UN-Friedens-Botschafter für Darfur weist aber weiterhin von sich, dass er bald für ein politisches Amt kandidieren wird. Er weiss auch, was die Klatschblätter sagen: «Ich soll Amal nur geheiratet haben, weil ich Gouverneur werden will. – Ja, klar, jemanden mit ‹Allah› im Namen zu heiraten ist hierzulande in der Politik extrem hilfreich», grinst er sarkastisch.

George Clooney – das ist letztlich auch alte Schule Bodenständigkeit vom Land (er ist in Kentucky und Ohio aufgewachsen), der sich nicht zu schade ist, für die unteren Segmente der Hollywood-Hackordnung einzustehen, selbst für die Unterhaltungs-Presse: Bereits ein Filmstar, rief er einst seinen Ex-Boss an, um Journalisten den Zugang zum Set der Spitalserie «ER», die ihn berühmt gemacht hatte, zu verschaffen und überzeugte ein Filmstudio, die lange Veröffentlichungssperre für Dreharbeiten-Artikel über seinen letzten Film «The Monuments Men» aufzuheben.

A World Beyond, ab 21. Mai in den Kinos.

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