Das hat es bei «Giacobbo/ Müller» noch kaum je gegeben: ein tobendes Publikum nach einem Gastauftritt. Geschafft hat dies das Komikerduo DivertiMento am vergangenen Sonntag. Manuel Burkart (33) und Jonny Fischer (31) übernahmen temporär die Leitung der beliebtesten regelmässigen Comedy-Sendung der Schweiz. Sie machten es so ulkig, dass die Begeisterung gross und anhaltend war. So gross und so anhaltend, dass es dem eigentlichen Gastgeber-Paar sichtlich schwer fiel, wieder die Kontrolle über die Sendung zu gewinnen.

Bei DivertiMento sind die Rollen klar verteilt: Burkart ist das Kalb, das aus dem Nichts noch einen Lacher hervorjuxt, wohingegen Fischer den eher ruhigen, besonnenen Typ gibt. Aus dieser Konstellation schöpfen DivertiMento die Spannung ihrer Programme – und sind auf Höhenflug. Die DVD der letzten Bühnenproduktion («Plan B») wurde siebenfach mit Platin ausgezeichnet. Und der Vorverkauf für die neue Tournee («Gate 10»), die am 10. Februar 2012 startet, läuft wie geschmiert. So geschmiert, dass die beiden Humoristen auf ihrer Homepage vor «überteuerten Tickets» warnen, die auf dem Schwarzmarkt angeboten werden.

Wie schnell die Eintrittskarten jeweils weg sind, zeigte sich vergangene Woche in Reinach AG. Die «Aargauer Zeitung» berichtete, dass alle 1176 Billette für die zwei Vorstellungen im März 2012 innert 23 Minuten verkauft waren. Zum massiven Ärger vieler leer Ausgegangener. «Es sind einige Leute ausfällig geworden, als die Tickets fort waren», klagte eine Frau, die für den Reinacher Saalbau den Vorverkauf betreut.

Wenn ein Komikerduo auf dem Land grosse Hallen füllt und selbst beim hochnäsigen Zürcher Kaufleute-Publikum abräumt, dann ruft dies nach einer Erklärung. Florenz Schaffner sagt: «DivertiMento sind für mich die aktualisierten und perfektionierten Schmirinskis. Sie treffen mit viel Spielwitz, gutem Timing und handwerklicher Perfektion einen sehr breiten Publikumsgeschmack.» Ihr Nummernprogramm sei politisch korrekt und mehrheitsfähig, ihre Figuren seien aus dem Leben gegriffen, «manchmal schräg, aber immer sympathisch». Schaffner gehört zur Theaterleitung der Kabarett-Hochburg Miller’s Studio in Zürich.

Die Schmirinskis sind ein gutes Stichwort für Thomas Weber. Er war Manager und Autor von René Rindlisbacher und Stefan Schmidlin und arbeitet heute mit René Rindlisbacher und Sven Furrer zusammen, die unter dem Namen Edelmais unterwegs sind. Weber bestätigt Schaffners Einschätzung, dass DivertiMento auf den Spuren der Schmirinskis wandelten, die mit ihrem letzten Programm («Fiesionen») um die Jahrhundertwende rund 250000 Live-Zuschauer erreichten.

Für Weber sind DivertiMento, wie einst die Schmirinskis, «ein absoluter Pop-Act»: «Sie sind Popstars mit Kultstatus, insbesondere für das Segment der 14- bis 35-Jährigen. Sie entsprechen dem Zeitgeist und treffen ihn gleichzeitig. Mit ihrer Optik, aber auch mit ihrem Drive.» Weber sieht in DivertiMento Branchen-Solitäre und nicht etwa die Spitze eines in der Deutschschweiz breit abgestützten neuen Comedy-Booms.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!