Seine Grossmutter würde sich im Grab umdrehen, wenn sie sehen könnte, dass Reto Stalder den schmucken Perserteppich einfach unter den Tisch platziert hat, wo er nun Fussabdrücke bekommt. Und sie hätte auch keine Freude über das kleine Malheur, das ihm mit ihrem Stubentisch passiert ist.

«Dieser Fleck ist mir passiert, weil ich zu heiss darauf gebügelt habe», gibt Stalder verschmitzt zu. In der Wohnung des Jungschauspielers hat es noch mehr Relikte seiner Grossmutter, mit der er eine enge Beziehung hatte und die im letzten Jahr verstorben ist. Die Kommode zum Beispiel mit dem Spitzendeckchen drauf. «Ich weiss noch genau, in welcher Schublade sie die Guetzli aufbewahrte.»

Grossmutterhaft sieht es in der Wohnung des Berners dennoch nicht aus, eher schon etwas zusammengewürfelt – eine Studentenwohnung eben. Da ist nämlich auch noch das Büchergestell, das schon in seinem Kinderzimmer stand. «Ich bin bis jetzt einfach noch nicht dazugekommen, mir neue Möbel zu kaufen», erklärt der 27-Jährige.

Wohin auch damit? Die Wohnung ist klein und besteht nur aus einem Zimmer, Küche und Eingangsbereich. «Aber sie ist doch um einiges grösser als meine vorherige Mansarde, wo es gerade mal Platz für ein Bett hatte.»

Vor drei Jahren ist er in diese Altbauwohnung in der Nähe des Berner Bahnhofs gezogen, wo die Hausfassade mit Sprayereien geschmückt ist und hinter dem Haus eine Baustelle war. «Mir genügt es, wenn ich hier einfach schlafen kann.» Beklagen mag er sich nicht, schliesslich ist er ohnehin nicht oft zu Hause und fügt an: «Das Lauteste in der Wohnung ist der Kühlschrank.» Noch hofft er vergeblich darauf, dass dieser den Geist aufgibt. Seine Interventionen, dieses Ende ein bisschen zu beschleunigen, hätten noch nicht gefruchtet. «Er ist einfach nicht kleinzukriegen.»

Dafür hat die Küche sonst ihren Charme dank dem Steinspültrog und dem antiken Küchenkasten mit den Schublädchen. In der Küche steht er aber selten. Er verpflege sich hier und koche eigentlich nie. Das macht er lieber mit Freunden. «Zusammen kochen macht viel mehr Spass.» Dafür freut er sich, dass er nun den Balkon wieder ohne Baulärm geniessen kann. Dort grilliert er und zieht seine eigenen Tomaten.

Hauptsache sein Zuhause ist günstig. Man wisse als Schauspieler schliesslich nie, wie es mit den Engagements aussehe. Diesbezüglich muss er sich aber derzeit weniger Sorgen machen. Er ist in der Krimiserie «Der Bestatter» die grosse Entdeckung und begeistert als Grufti-Typ Fabio Testi. Am 7. Januar läuft die zweite Staffel an. «Eine geniale Rolle, vor allem, weil sie so weit weg von mir ist.»

In der Tat kann man sich schwer vorstellen, hier den gleichen Mann vor Augen zu haben wie den bleichgesichtigen, düsteren Assistenten von Luc Conrad (Mike Müller). In natura wirkt Stalder feiner, jünger und noch eine Spur scheuer als auf dem Bildschirm. Und man ist erstaunt, wie stark er die Rolle verkörpert. «Fabio stellt sich nicht in den Vordergrund, sondern beobachtet das Geschehen. Ein Typ, der die Wünsche der Leute erkennt und darauf eingeht.»

Nach den intensiven Dreharbeiten für die neue Staffel, stehen derzeit Premieren-Apéros und Interviewtermine an. Der aufkeimende Ruhm ist noch ungewohnt. «Es ist schon seltsam, auf meine Rolle angesprochen zu werden», meint er etwas verlegen. Erst recht die vielen, vor allem weiblichen Fan-Briefe.

Trotz seines Erfolges ist der Master of Arts in Theater auf dem Boden geblieben. Denn seine grosse Leidenschaft gilt dem Theater. Schon als Jugendlicher hat er Theateraufführungen besucht, während andere in seinem Alter in den Clubs und Bars abhängten. Und in seinem Büchergestell stehen noch einige Klassiker von Ibsen und Tschechow, die er gerne auf der Bühne spielen würde. Aber es dürfte durchaus auch mal ein Rosamunde-Pilcher-Film sein, «diese Schnulzen finde ich einfach toll».

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