Eigentlich ist der Schreibende ja ferienhalber in Arosa, aber was will man schon skifahren, wenn sich beinahe Weltbewegendes abspielt in dem Dorf, wo bisher Michelle Hunziker den Saisonrekord in Sachen Prominenz hielt? Wenn die grössten britischen Zeitungen «The Sun» und «Daily Mail» ihre Fotografen nach Graubünden detachieren, um die Prinzen William und Harry beim Skifahren und Kate beim Schlitteln zu knipsen – und über das Raclette berichten, das sie genossen haben?

Ein Schrei entfährt der Chefin des Aroser Coiffeursalons Duo Style, als sie am Freitag William und dessen schwangere Gattin in einer Limousine identifiziert. Schnell verbreitet sich im Dorf die Nachricht von den prominenten Gästen. Die «Südostschweiz» ertappt Prinz Harry auf der Skipiste, kurz nach seiner Anreise, und verbreitet erste Fotos.

William und Kate sind schon am Donnerstagabend angekommen. Wie die 240 anderen Hochzeitsgäste logieren sie im Nobelhotel Tschuggen mit der berühmten Wellness-Oase von Architekt Mario Botta. Die Suite kostet 3430 Franken pro Nacht.

Den Gästen hat das Hochzeitspaar nicht bloss ein Wochenende offeriert. Nein, gleich für fünf Nächte – vom 28. Februar bis 5. März – dürfen die 240 Verwandten, Freunde und Bekannten im «Tschuggen» logieren.

Das Fünfsternhaus gehört dem Grossvater der Braut Laura Bechtolsheimer (28), dem deutschen Unternehmer Karl-Heinz Kipp (88). Laut US-Magazin «Forbes» besitzt er ein Vermögen von mehr als 4 Milliarden Franken. «Kipps Tochter, also die Mutter der Braut, wird die Alleinerbin sein», erzählt ein Hochzeitsgast. Kipp wohnt in Ascona im Tessin, wo er ebenfalls ein Hotel besitzt: das «Eden Roc».

Die Eltern der Braut lassen sich in der «Tschuggen»-Limousine kurz vor 12 Uhr zur evangelischen Kirche chauffieren, wo um 14.30 Uhr die Hochzeit stattfinden wird. Sie besichtigen den Blumenschmuck entlang der Treppe, die zur Kirche hochführt, und die nicht mit rotem, sondern mit weissem Teppich belegt wurde.

«Ich habe die Hochzeitsurkunde immer bei mir», sagt die Brautmutter leicht nervös. Dann fragt sie die Tochter des Schreibenden: «Willst du mal Prinzessin werden?», was diese verneint. Worauf sie antwortet: «Am Tag, wo man heiratet, ist jede Frau eine Prinzessin.»

Die Brautmutter erwarb schon vor langem in Arosa das Bürgerrecht, darum hat Laura Bechtolsheimer neben dem britischen auch den Schweizer Pass. Die Spitzen-Dressurreiterin (Olympia-Gold 2012 in London) tritt aber für England an. Die Leidenschaft fürs Reiten erbte sie von ihrem Vater Wilfried Bechtolsheimer, der ihr das erste Pony schenkte, als sie dreijährig war.

Auch Bräutigam Mark Tomlinson (30) mag Pferde. Der Poloprofi spielt für die englische Nationalmannschaft. Er verliebte sich 2009 in Laura und verlobte sich vor einem halben Jahr mit ihr – ebenfalls in Arosa. Das Hochzeitspaar kennt die Royals seit langem und gehörte bei der Hochzeit von William und Kate 2011 zum exklusiven Kreis der geladenen Gäste. Prinz Harry wohnte gar einige Monate auf der Ranch von Mark Tomlinson in Argentinien. Das frisch vermählte Paar geht gemäss Insidern sowohl bei William wie auch bei Harry ein und aus.

Zur Hochzeitszeremonie fahren die Gäste nicht in Limousinen, sondern in zwei vollgepferchten Aroser Ortsbussen, die mit «Hochzeit Laura & Mark» angeschrieben sind. Die Braut kommt in einer weissen Kutsche, die von zwei Schimmeln gezogen wird. Die Gäste sitzen längst in der Kirche, wo die Kutsche leicht verspätet eintrifft. Nach der 45-minütigen Feier wartet die Gesellschaft wieder auf die bereitstehenden Ortsbusse. Prinz William rutscht auf dem steilen Weg kurz aus, kann sich aber auffangen.

Das freut auch die britischen Paparazzi, die überstürzt nach Arosa gereist sind – auch sie wussten bis Freitag nicht, dass die Royals im Bündnerland sind. Mehrere hundert Franken zahlen sie für einen Balkonplatz vis-à-vis der Kirche.

Sie werden Traumfotos geschossen haben – das Brautpaar, die royalen Gäste und das sonnige Arosa zeigen sich von der besten Seite. Darum hofft man im Skiort nun bereits, dass Kate und William ihre Familienferien künftig hier verbringen werden – und nicht wie Prinz Charles früher in Klosters. Einige Einheimische zündeten gestern um 21 Uhr Fackeln an, die ein Herz bildeten, ganz nach dem Motto: «Arosa liebt euch.»

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